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Meisterwerke bulgarischer Musikkultur:

„Mein Lämmchen blökte“ – das Lied, das jedes Herz schmelzen lässt

Freitag, 5 Dezember 2025, 12:35

„Mein Lämmchen blökte“ – das Lied, das jedes Herz schmelzen lässt

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Zu den beliebtesten und begeistert gefeierten bulgarischen Volkssängern zählt der berühmte Vertreter der nordbulgarischen Folkloretradition Boris Maschalow (1914–1962). Mit einem beeindruckenden Repertoire von über 400 Liedern galt er als virtuoser Meister der ausdrucksstarken langsamen Gesänge, die durch großen Umfang und reiche Ornamentik geprägt sind. Zu seinen bekanntesten Interpretationen gehören „Lenka warf den Apfel“, „Nedo, schöne Nedka“, „Fünfzig Helden tranken Wein“, „Dena, dein Sträußchen fiel“, „Willkommen, mein Lieber“, doch am innigsten geliebt und bis heute am häufigsten zu hören ist das traurige und bewegende „Mein Lämmchen blökte“. 

Boris Maschalow war nicht nur ein außergewöhnlicher Sänger, sondern auch ein unermüdlicher Sammler folkloristischer Kostbarkeiten. Er reiste durch ganz Bulgarien und suchte mit Hingabe nach neuen Liedern. Zu Lebzeiten erzählte er, dass er das wunderbare „Mein Lämmchen blökte“ zufällig auf einer Reise durch Nordbulgarien gelernt habe. Sein Bruder Serafim berichtete, dass Maschalow vor einem Konzert in einem Dorf einem wandernden Roma mit einer Bärin begegnete, der ihm „ein Lied anbot, mit dem selbst das wildeste Tier zum Weinen gebracht werden kann“. Ohne Vorurteile bat Maschalow den Sänger, ihm das Lied mehrfach vorzusingen. Noch am selben Abend weinte der ganze Saal, als er die neue Kostbarkeit seines Repertoires zum ersten Mal sang – ein Lied, das bis heute jeden Hörer zu Tränen rührt. 

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Zum ersten Mal erklang Boris Maschalows Stimme 1937 im Programm des Bulgarischen Nationalen Rundfunks (damals Radio Sofia), und der damals als Maler arbeitende Sänger wurde sofort zum Liebling der Hörer. Von da an sang er sein ganzes Leben lang ohne Unterbrechung. 

1954 ging Maschalow auf Tournee nach Russland und China. Für ein Konzert im riesigen Stadion von Peking lernte er seinen größten Hit sogar auf Chinesisch. Als er „Mein Lämmchen blökte“ vor 50.000 Zuhörern in ihrer Muttersprache sang, erhob sich das gesamte Stadion und spendete frenetischen Applaus. 

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Hingebungsvoll und unermüdlich schonte Maschalow weder Kraft noch Zeit. Bei fast jedem Konzert erfüllte er Liedwünsche des Publikums. Da seine Stimme außergewöhnlich kräftig war, sang er stets ohne Mikrofon. In den letzten Jahren, gezeichnet von einer schweren chronischen Krankheit, konnte er wegen akuter Beschwerden oft kaum auf die Bühne treten, doch anstatt sich ernsthaft behandeln zu lassen, reiste er weiter und sang im ganzen Land. Seine letzte Tournee führte ihn nach Madan und Rudozem. Bei seinem letzten Konzert sang er das erste Lied, begann das zweite – und brach auf der Bühne zusammen. Drei Wochen später, am 14. Juli 1962, starb er mit nur 48 Jahren. Zurück blieben seine großartigen Aufnahmen, die bis heute mit Bewunderung gehört werden – und sein schönstes Lied: „Mein Lämmchen blökte“, das jedes Herz schmelzen kann. 

Jahrzehnte nach Boris Maschalow brachte „Mein Lämmchen blökte“ einer weiteren bulgarischen Legende weltweiten Ruhm: der unvergesslichen Nadka Karadschowa. In ihrer deutlich kürzeren Version wird der Held vom ursprünglichen Todor zu Stojan, und die traurige Geschichte konzentriert sich allein auf das Verschwinden der Mutter des Lämmchens. Die dramatischen Details über den Bauern, der die treue Mutter Roguscha trotz ihrer Verdienste verkauft, aber schließlich doch vom Weinen ihres Kindes ergriffen wird, fehlen. 

1979 wurde die Aufnahme von Nadka Karadschowa drei Monate lang in einer Sendung der britischen BBC ausgestrahlt. Einige Jahre zuvor – 1975 – erschien die erste Schallplatte der berühmten Serie „Die Mystik der bulgarischen Stimmen“, die einige der unnachahmlichen Chorbearbeitungen eines der talentiertesten bulgarischen Komponisten enthält: von Krassimir Kjurktschijski. Auf diesem ersten Album erklingen die Meisterwerke „Ein Vöglein singt“, Kalimanku, Denku, „Das Bekenntnis“, „Mondschein, o du“ sowie das prachtvolle „Mein Lämmchen blökte“ mit Kalinka Waltschewa als Solistin. 

Übersetzung: Lyubomir Kolarov