Autor
Gergana Mantschewa
Artikel
Sonntag 7 Dezember 2025 11:45
Sonntag, 7 Dezember 2025, 11:45
FOTO mzv.gov.cz/Ivan Shishiev
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Die Brüder Jiří und Bogdan Prošek, berühmte tschechische Ingenieure, kamen Mitte des 19. Jahrhunderts nach Bulgarien, um für immer in unserem Land zu bleiben. Es ist erstaunlich, wie groß der Beitrag dieser beiden Männer für das heutige Erscheinungsbild unseres Vaterlandes ist. Daran wurde während einer Gedenkveranstaltung in Sofia erinnert, die dem 120. Jahrestag ihres Todes gewidmet war. Die Brüder starben im gleichen Jahr, viel zu jung, und ließen viele ihrer Projekte zum Wohle Bulgariens unvollendet.
FOTO Slowakische Botschaft in Bulgarien
Die Feier selbst wurde von ihren Nachkommen organisiert, die zwar heute nicht mehr den Familiennamen Prošek tragen, aber das Familienerbe in Ehren halten und das Leben und Werk ihrer berühmten Vorfahren detailliert erforschen. Zugegen waren auch die Botschafter der Tschechischen Republik und der Slowakei. Auf der Gedenkveranstaltung wurde ein Dokumentarfilm gezeigt und es gab selbstverständlich auch tschechisches Bier, denn legendär war das Bier der Brüder.
Bemerkenswert waren ihre Talente. Georgi und Bogdan Prošek waren nicht nur Bauingeneure, Kultur- und Wirtschaftsfunktionäre, sondern auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die Bulgarien zu ihrer zweiten Heimat und das Schicksal des bulgarischen Volkes zu ihrem persönlichen Schicksal gewählt haben. Sie gehören zu den wenigen Ausländern, die einen bleibenden Eindruck in der bulgarischen Geschichte hinterlassen haben und sogar ihre Geburtsnamen in bulgarische Namen geändert haben: Jiří wurde zu Georgi und Theodor zu Bogdan.
Im Jahr 1869 kam der Hochschulabsolvent Georgi Prošek im Alter von 23 Jahren nach Bulgarien, um als Ingenieur beim Bau der Eisenbahn in Thrakien mitzuarbeiten, einem Teil der Compagnie des Chemins de fer Orientaux, auch als Orientbahn bekannt. Er ließ sich zusammen mit anderen tschechischen und polnischen Ingenieuren im Dorf Almali, dem heutigen Jabalkowo, nieder. Nachdem er Kontakt zum lokalen Revolutionskomitee aufgenommen hatte, gründete er 1871 das so genannte Slawische Haus und bildete unter dem Deckmantel der Bildungsarbeit das erste internationale geheime Revolutionskomitee. In Almali lernte er den Revolutionär Wassil Lewski kennen, was ihn noch enger mit den Befreiungskämpfen verband. Um die revolutionäre Sache zu unterstützen, lieferte er unter dem Vorwand, die Eisenbahn zu überwachen, Waffen und transportierte die geheime Post der Revolutionäre.
FOTO Staatliche Archive
„Die Familiengeschichte kenne ich aus verschiedenen Quellen. Ich habe viel aus den Archiven gelernt, die ich in den 1990er Jahren vollständig durchforstet habe. Ich habe alles gelesen, was im Staatsarchiv und im Alten Gerichtsarchiv zu finden war. Das hing mit der Möglichkeit zusammen, das Eigentum auf die nach 1944 verstaatlichten Immobilien wiederherzustellen“, sagte Nikola Zokew, einer der Verwandten und Nachfolger des jüngeren Bruders Bogdan Prošek, in einem Interview für Radio Bulgarien.
FOTO sanstefanoplaza.com
„Die Brüder Prošek waren trotz ihres Altersunterschieds von zehn Jahren unzertrennlich. Sie haben auch eine ältere Schwester, die in Tschechien geblieben ist, geheiratet hat und in die USA ausgewandert ist. Jiří (Georgi) Prošek kam vor der Befreiung Bulgariens (von der osmanischen Fremdherrschaft, Anm. d. Red.), und das war kein Zufall. Bereits als Student lernte er Iwan Drassow kennen, ein enger Mitstreiter von Christo Botew. Drassow informierte ihn über die nationale Befreiungsbewegung und die Ideen von Georgi Sawa Rakowski und dem bulgarischen revolutionären Zentralkomitee. Dieses Wissen motivierte ihn stark und reiste informiert über die Freiheitskämpfe nach Bulgarien. Im Gegensatz zu ihm kam sein Bruder Bogdan erst nach der Befreiung“, erklärt Nikola Zokew und fügt hinzu, dass heute im Dorf Jabalkowo eine Straße nach den Brüdern benannt ist und es Gedenktafeln gibt. Die Menschen erinnern sich, außerdem leben die meisten ihrer Nachkommen immer noch dort.
Im bulgarischen Verband der Bierbrauer genießen nicht nur die Brüder Prošek, sondern generell alle tschechischen Unternehmer großes Ansehen. „Die tschechischen Meister haben das erste Bier im Land gebraut und über Jahre hinweg einen Großteil der bulgarischen Bierbrauer ausgebildet, bevor sie ihnen das Handwerk übergaben“, erzählt uns die Nachfahrin der Familie Prošek Iwana Radomirowa, Vorsitzende des Brauereiverbandes.
FOTO Proshek.com
Die Brüder Prošek haben einen außerordentlich großen Beitrag auch zur Architektur der Stadt Sofia geleistet. Es ist kein Zufall, dass der Architekt der emblematischen Löwenbrücke aber auch der nicht minder bekannten Adlerbrücke, beide Wahrzeichen Sofias, aus derselben Familie stammt (ihr Cousin Václav Prošek, Anm. d. Red.).
Übersetzung: Georgetta Janewa
Gestaltet von Georgetta Janewa