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Bürokratie und Klimawandel bremsen die bulgarische Bio-Produktion

Sonntag, 14 Dezember 2025, 11:13

Bürokratie und Klimawandel bremsen die bulgarische Bio-Produktion

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Auf der Weltkarte der biologischen Landwirtschaft ist Bulgarien nicht nur ein Punkt, sondern ein buntes Mosaik aus Lebensmitteln, die den Duft und Geschmack unberührter Natur in sich tragen. Von unseren bio-zertifizierten Landwirtschaftsgebieten stammen weltweit begehrte Kulturen – ätherische Ölpflanzen für die globale Parfümindustrie, Wildkräuter aus reinen Bergregionen, Honig mit einzigartigen Geschmacksnuancen, biologisch angebaute Früchte und Weintrauben... Das Paradoxe daran ist jedoch, dass zwar der Markt für Bio-Produkte in unserem Land wächst und wir erhebliche Mengen an Rohstoffen ins Ausland exportieren, die einheimischen Erzeuger jedoch langsam unter dem Druck des Klimawandels und der Bürokratie zurückweichen.

Albena Simeonowa, Vorsitzende des bulgarischen Verbandes „Bioprodukte“, sagte dazu:

Albena Simeonowa

FOTO Facebook / Bulgarischer Verband „Bioprodukte“

In der weltweiten Praxis gibt es zwei Begriffe – konventionelles Produkt und biologisches Produkt. Wir haben schon von verschiedenen Produkten aus den Bergen gehört, von „authentischem“ oder „natürlichem“ Geschmack... Aber das fällt unter die Kategorie konventionell. Ein biologisches Produkt ist ein Produkt, bei dessen Herstellung keine Pestizide, chemischen Düngemittel und genetisch veränderten Organismen verwendet werden. Wie lässt sich das nachweisen? Es werden Analysen des Bodens, der Pflanzen, der Früchte durchgeführt... Der Kunde kann anhand des Etiketts, auf dem ein grünes Blatt mit 12 grünen oder schwarzen Sternen abgebildet ist, erkennen, ob das Produkt biologisch ist.

FOTO Facebook / Bulgarischer Verband „Bioprodukte“

Trotz unseres guten Rufs auf den Weltmärkten sind nur etwa 2 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Bulgarien als biologisch zertifiziert. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber 5 Prozent vor einem Jahrzehnt. Und während konventionelle Landwirte frei auf Chemikalien zurückgreifen können, um Schäden durch Hagel oder Dürre zu bekämpfen, ist der einzige Schutz für Biobauern gegen die zunehmenden Naturkatastrophen der teure und nicht immer wirksame sogenannte biologische Pflanzenschutz.

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Es ist wahr, dass sich der Klimawandel am stärksten auf die Produktion von Bio-Produkten auswirkt. Und zwar nicht nur aufgrund der fehlenden Bewässerung der Böden wegen der Dürre, sondern auch infolge von saurem Regen, Wüstenwinden usw. Das hat äußerst negative Auswirkungen auf uns, da wir keinerlei Chemikalien verwenden. Nicht weniger gravierend ist jedoch auch das Problem der Bürokratie und des Verwaltungsaufwands – Berge von Dokumenten, Zertifizierungen, Kontrollen, Berichten usw. Und noch etwas: Um offiziell Bio-Produzent zu werden, muss man eine „Übergangsphase“ von zwei bis drei Jahren durchlaufen. Während dieser Zeit arbeitet man nach allen Bio-Anforderungen, der Ertrag ist geringer, aber... man verkauft zu konventionellen Preisen, weil man noch kein Zertifikat hat. Das heißt, man gibt mehr aus, verdient weniger und wartet“, so Albena Simeonowa

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Zwischen 80 und 90 Prozent der heimischen Bio-Produkte werden in Länder wie Deutschland, Skandinavien oder Großbritannien exportiert, allerdings in Form von Rohstoffen. So werden Sonnenblumen aus der Dobrudscha in den Niederlanden zu Bio-Gemüsepaste verarbeitet und Himbeeren aus den Rhodopen zu Bio-Konfitüre „Made in Germany“.

Ich möchte die Politiker darauf aufmerksam machen, dass sie den bulgarischen Bio-Erzeugern helfen sollten, ihre Produkte aus eigenem Anbau durch spezielle Maßnahmen zu verarbeiten – wie es bei einem früheren Programm im Wert von rund 20 Millionen Lewa der Fall war, das zu einem Boom im Bio-Sektor geführt hat. Die Unterstützung für den Bau kleiner Werkstätten würde es den Landwirten ermöglichen, ihren eigenen Wein, ihre eigene Marmelade und andere Produkte mit Mehrwert herzustellen“, sagte Albena Simeonowa zum Schluss.

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Übersetzung: Antonia Iliewa

Redaktion: Rossiza Radulowa