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Diana Zankowa
Artikel
Montag 8 Dezember 2025 08:25
Montag, 8 Dezember 2025, 08:25
FOTO Diana Zankowa
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Georgi Ptchelarow verwandelte seine Leidenschaft aus Kindertagen für das Sammeln von Insekten in Kunst, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Fantasie eines Fachmanns basiert. Obwohl es Tradition ist, dass Künstler anlässlich runder Jubiläen eine Retrospektive ihrer Werke präsentieren, hat er zu seinem 70. Geburtstag 41 neue Werke geschaffen.
Die Ausstellung „Kunstkammer“ in der Galerie und Buchhandlung „Sofia Press“ führt uns in einen Raum, in dem die Schöpfungen der Natur in einer bunten und fröhlichen Welt zum Leben erweckt werden. Sobald der Besucher die Schwelle überschreitet, dringen die Illustrationen von Tieren und Pflanzen in die menschliche Seele ein und reinigen sie von Unglück und Berührungen mit der Realität.
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„Ich habe mich entschieden, unkonventionell zu sein. Was Sie sehen, ist das Ergebnis meiner einjährigen Arbeit“, sagt der wissenschaftliche Illustrator. „Die Zeichnungen sind zu verschiedenen Anlässen entstanden. Einige sind Illustrationen für Bücher, andere sind eigenständige Werke. Interessant ist, dass in der Ausstellung auch Pflanzen zu sehen sind, obwohl ich vor Jahren hauptsächlich Tiere gezeichnet habe. Das sorgt für eine angenehme Vielfalt. Es wurden verschiedene Techniken verwendet - einige sind mit Bleistift gezeichnet, die meisten sind jedoch Aquarelle.“
In seiner Kindheit gab sich Georgi Ptchelarow hauptsächlich den Spielen zu, studierte aber auch mit Interesse die Bewohner der Natur.
„Unsere Wohnung in Rasgrad lag neben einem riesigen Park“, erinnert er sich. „Ich habe dort nicht nur gespielt, sondern schon von klein auf Schmetterlinge, Käfer und alle möglichen sonderbaren Dinge gesammelt und versucht, sie zu zeichnen. So begann schon damals mein Interesse. Bis heute bin ich ein Sammler geblieben. Nicht von ungefähr habe ich die Ausstellung „Kunstkammer“ genannt. Mein Arbeitszimmer, das Atelier und meine Bibliothek sind eine ziemlich interessante Kunstkammer, denn darin gibt es alle möglichen Raritäten, Tierschädel, Vogelfedern.“
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Die Kuratorin der Ausstellung, Christina Grosdanowa, bereichert die Erzählung über den 1955 in Russe geborenen wissenschaftlichen Illustrator mit Fakten aus seinem Leben.
"Interessant ist, dass Georgi Ptschelarow Biologie studiert hat. Bereits im 19. und 20. Jahrhundert haben sich in den Vereinigten Staaten und Westeuropa viele Autoren im Bereich der wissenschaftlichen Illustration weiterentwickelt, die in erster Linie Forscher und unfreiwillig auch Künstler waren. Auch bei uns gibt es einige Künstler, von denen Georgi Ptchelarow der erfahrenste ist. Nach seinem Abschluss an der Universität Sofia begann er sich mit wissenschaftlicher Illustration zu beschäftigen und erhielt bereits 1987 seinen ersten großen Auftrag –die Illustrationen für die Monografie „Fauna Bulgariens“, Band „Vögel“. Seitdem ist er in diesem Bereich tätig und hat sich sein ganzes Leben lang mit der Illustration wissenschaftlicher Publikationen beschäftigt. Ein sehr bekanntes Werk von ihm ist das 1991 veröffentlichte Bestimmungsbuch „Die Vögel der Balkanhalbinsel” mit fast 2.000 Farbabbildungen, das 2012 in einer ergänzten Auflage neu aufgelegt wurde und nach wie vor das aktuellste Buch dieser Art ist. Seit 2016 ist er Vorsitzender der Gesellschaft der Tier-, Pflanzen- und Wissenschaftsillustratoren – DAFNI. In diesem Jahr nahm er an der renommierten internationalen Ausstellung botanischer Illustratoren teil, die von der größten amerikanischen Gesellschaft solcher Künstler organisiert wird.“
Als echter Wissenschaftler schafft es Georgi Ptchelarow, die künstlerische Freiheit der wissenschaftlichen Disziplin und der Glaubwürdigkeit in seinen Illustrationen unterzuordnen.
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„Hier vergisst man die Freiheit in der Kunst etwas, denn wissenschaftliche Illustrationen erfordern Genauigkeit“, erklärt Ptschelarow. „Andererseits sind wissenschaftliche Illustrationen auch Kunst. Sie sind eine Form der Interpretation, denn der Künstler bringt seine Sichtweise und seinen Stil ein.“
Georgi Ptchelarow kehrt in das Jahr 1983 zurück, als er sich an einem Scheideweg befand und beschloss, sich der Darstellung der lebendigen Natur zu widmen. „Damals gab es fast niemanden, der sich ausschließlich damit beschäftigte. Dieser Weg dauert nun schon 42 Jahre, es war eine schwierige, aber richtige Entscheidung“, sagt der Künstler. Bis heute teilt er seine Zeit zwischen der Natur und seinem Atelier, wo er, umgeben von Artefakten und Büchern, malt. Georgi Ptchelarow gilt als einer der bekanntesten Tierillustratoren.
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„Ich erkläre mir das damit, dass ich über langjährige Erfahrung und fundierte Kenntnisse verfüge, die ich mir im Laufe der Jahre angeeignet habe“, sagt er. „Für junge Kollegen, insbesondere wenn sie keine Biologen oder Zoologen sind, ist es ziemlich schwierig, eine bestimmte Art darzustellen, da sie erst Informationen recherchieren müssen. Mir hingegen reicht es, den Namen der Art zu hören, und schon kann ich sie skizzieren. Natürlich präzisiere ich die Zeichnung anschließend noch.“
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Die Wege, die uns an den richtigen Ort führen, sind unergründlich. Auch ein Familienname kann das. „Der Familienname Ptschelarow ist relativ neu. Es ist eine „Erfindung“ meines Vaters, denn sein Vater und Großvater waren Imker. (Ptschelarow leitet sich von Imker ab, Anm. der Red.) Vielleicht lässt sich eine Verbindung herstellen, denn Bienen und überhaupt alle Hautflügler finde ich unendlich interessant", lächelt der wissenschaftliche Illustrator.
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Übersetzung: Georgetta Janewa
Gestaltet von Georgetta Janewa