Autor
Diana Zankowa
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Der Bärenpark in Beliza rettet seit 25 Jahren Tiere in Not
Mittwoch 10 Dezember 2025 10:25
Mittwoch, 10 Dezember 2025, 10:25
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Einst traten Kalinka, Steftcho und Malinka von einer Pfote auf die andere auf dem erhitzten Blech. Ihre krampartigen, taumelnden Bewegungen wurden von den Menschen als Tanz wahrgenommen. Jahrelang waren die sogenannten Tanzbären eine Attraktion, bis sie 2007 in Bulgarien verboten wurde. Die tanzenden Bären wurden in einem eigens für sie eingerichteten Park in Beliza im wunderschönen Rhodpengebirge untergebracht.
In diesem Jahr feiert der Bärenpark in Beliza sein 25-jähriges Bestehen. Die Schutzstation, die geretteten Tieren eine neue Chance auf ein artgerechtes Leben in einer natürlichen Umgebung gibt, ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stiftungen „Brigitte Bardot“ und „Vier Pfoten“. 17 Bären aus Bulgarien, Serbien, Albanien, Tschechien und der Ukraine haben auf einer Fläche von 12 Hektar Zuflucht gefunden und sind bereits intiefen Winterschlaf gefallen.
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„Die Idee den Bärenpark zu gründen, war auf die verbreite Praxis zurückzuführen, Bären zu Tanzbären zu „erziehen“. Es sollte auf diese grausame Praxis aufmerksam gemacht und sie abgeschafft werden, erklärt der Leiter des Parks, Nikola Popkostadinow. „Dank der Bemühungen unseres Teams wurden alle in Gefangenschaft lebenden Tiere freigekauft. Sie fanden als erste Bewohner des Parks ein neues Zuhause.
"Die Anpassung der Bären an ihr neues Leben erwies sich als sehr schwierig. Sie waren zuvor an Ketten gebunden, hatten keinen Winterschlaf und keine artgerechte Ernährung, wurden gequält und geschlagen. Ihre Krallen und Zähne wurden entfernt, einige von ihnen waren sogar alkoholabhängig“, erklärt Popkostadinow. „Jeder Anfang ist schwer, aber dank der umfassenden Fürsorge der Stiftung „Vier Pfoten“, die medizinische Versorgung, richtige Ernährung, Bereicherung der Umgebung und Training umfasst, kämpfen wir darum, die Stereotypen, die die Bären aufgrund ihrer Aufzucht und Verwendung für Zirkusnummern oder Attraktionen entwickelt haben, zu überwinden oder auf ein Minimum zu reduzieren. Es ist ein äußerst komplexer Prozess, aber mit langsamen und sicheren Schritten schaffen wir es, dass sich die Bären erholen und wohlfühlen.“
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„Dass Bären Tanzen können, ist ein Mythos, Bären können nicht tanzen! Sie lernen bestimmte Bewegungen nur aufgrund des Rings in ihrer Nase, dem empfindlichsten Teil ihres Körpers“, erklärt Nikola Popkostadinow. „Sie versuchen der Bewegung des Menschen zu folgen, der in der Hand den Bogen der Gadulka hält und die Kette, an dem der Nasenring hängt. Es sieht dann so aus, als würde sich der Bär dem Rhythmus des Spiels anpassen. In Wirklichkeit versucht er aber, sich in die jeweilige Richtung zu bewegen, um keine Schmerzen zu erleiden.“
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In Beliza leben heute sechs ehemalige Tanzbären - Marinka, Dana, Swetla, Mima, Rada und die blinde Seida, die aus Serbien gerettet wurde, wo es ebenfalls eine ähnliche Praxis gab. Die übrigen Bewohner wurden in Tierparks unter Bedingungen gehalten, die weit von ihrem natürlichen Lebensraum entfernt sind, in engen Räumen oder bei Besitzern von Wildtieren zum Vergnügen, wie der Bär Monty, der in einem Hotelzimmer in Dorf Pissenez bei Russe lebte und als Attraktion genutzt wurde.
Neu unter den Bewohner des Bärenparks sind die siebenjährigen Geschwister Frol und Frosia, die eine bewegende Geschichte haben. 2020 wurden sie von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ aus einem Restaurant in der Ukraine gerettet, zu dem ein kleiner Zoo gehörte. Da der Park Domazir, in dem sie anschließend untergebracht wurden, seine maximale Kapazität erreicht hatte, kamen sie nach Bulgarien.
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Obwohl die Einwohner von Beliza ihren neuen Mitbewohnern anfangs mit einer gewissen Skepsis begegneten, arbeiten heute viele von ihnen im Bärenpark oder spenden saisonale Früchte und Produkte für den Speiseplan der Bären. „Die Menschen stehen dem Park inzwischen sehr wohlwollend gegenüber und betrachten ihn als etwas Eigenes, als etwas, das zu ihrem Leben gehört“, bestätigt Nikola Popkostadinow und erzählt, dass der Bärenpark auch bei Touristen sehr beliebt ist, besonders an Wochenenden und Feiertagen. „Oft bilden sich lange Warteschlangen“, berichtet Popkostadinow. „Das neue Highlight ist das virtuelle Erlebnis mit dem Titel „Dom“ (Heim). Die Besucher tauchen dabei in die virtuelle Welt eines Bären ein, der zunächst frei lebt und dann aus seiner natürlichen Umgebung gerissen wird. Neben der Geschichte der tanzenden Bären und der Mission von „Vier Pfoten“ können die Besucher die wunderschöne Aussicht auf der Terasse genießen. Auf der einen Seite sehen sie den Rila-Nationalpark und auf der anderen den Nationalpark Pirin und einen Teil des Bärenparks.
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Nikola Popkostadinow warnt die Wanderer und Naturfreunde in der freien Natur keinen Kontakt zu den Bären zu suchen, da es sich um Wildtiere handelt, die für die Menschen gefährlich werden können. Sollten wir Bären in der Umgebung vermuten, sei es ratsam, das tragbare Radio auf laut zu stellen, Lärm zu machen oder lauter zu sprechen, wenn wir in einer Gruppe unterwegs sind. Auf diese Weise wüsste der Bär schon von weitem, dass sich ein Mensch oder ein anderes Lebewesen nähert, und werde uns niemals angreifen oder unseren Weg kreuzen.
Der Leiter des Bärenparks in Beliza appelliert an alle, bewusst zu leben und jedem Lebewesen Sorge angedeihen zu lassen, insbesondere den Tieren. „Lasst uns ihre Stimme sein!“, fordert Popkostadinow.
Übersetzung: Georgetta Janewa
Gestaltet von Georgetta Janewa