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Maestro Wladimir Boschnakow setzt auf junge Musiker und bulgarische Klassik

Der neue, ehrgeizige Direktor der Oper in Stara Sagora - zwischen Zuversicht und Realität

Mittwoch, 17 Dezember 2025, 14:20

Maestro Wladimir Boschnakow setzt auf junge Musiker und bulgarische Klassik

FOTO operasz.bg

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Wladimir Boschnakow leitet seit September 2025 die Staatsoper in Stara Sagora, das erste Opernhaus außerhalb der Hauptstadt Bulgariens. Zuvor war er Dirigent der Philharmonie in Plewen und der Oper in Russe. Nur einen Tag nach der Eröffnung des 55. Festivals für Opern- und Ballettkunst, das dieses Jahr mit der triumphalen Premiere von „André Chénier“ von Umberto Giordano begann, gab er ein Interview für Radio Bulgarien.

„Vor siebeneinhalb Jahren bin ich mit meiner gesamten Familie nach Stara Stagora gezogen“, erzählt Boschnakow. „Fast während der gesamten Amtszeit von Ognjan Draganow (dem früheren Chefdirigenten – Anm. d. Autorin) war ich Teil des Orchesters und Zeuge der rasanten Entwicklung der Oper in Stara Sagora. Im Laufe der Jahre gelang es Draganow viele Veränderungen vorzunehmen und die Ensembles zu bereichern. Die Balletttruppe umfasst mittlerweile 54 Tänzer. Das Orchester und der Chor sind vollständig besetzt“, freut sich der Chefdirigent, der vorhat, die Tradition des Festivals in Stara Sagora fortzusetzen - die neuesten Produktionen der Opernhäuser und interessante Sinfoniekonzerte auszuwählen. Doch er will auch für Bereicherung sorgen, indem er auf junge Ensembles setzt. In den kommenden Monaten will er Kontakt zu europäischen Opernhäusern aufnehmen, um die finanziellen Möglichkeiten für Gastspiele in Stara Sagora auszuloten.

Derzeit befindet sich die bekannte Ballettkompanie der Oper von Stara Sagora auf einer 45-tägigen Tournee durch die Niederlande und Deutschland. Es werden auch Gespräche mit diversen Impresarien über mögliche Gastspielauftritte der Oper geführt.

FOTO Facebook/StateOperaStaraZagora

Die derzeitige finanzielle Lage erlaube keine allzu hohen Ausgaben, daher soll die Zahl der Premieren begrenzt werden, teilte Wladimir Boschnakow mit Bedauern mit. Man wolle sich auf das Repertoire konzentrieren, das in der Staatsoper Stara Zagora verfügbar sei. Dennoch sollen das Ballett „Le Corsaire“ von Adolphe Adam und die Oper „Der Lebemann“ (Lud Gidija) von Paraschkew Chadzhiew auf die Bühne gebracht werden. „Die Idee ist großartig, denn bulgarische Opern und bulgarische Klassiker werden in Bulgarien generell selten gespielt“, findet der Dirigent.


FOTO Facebook/StateOperaStaraZagora

„Bekanntlich wird im ganzen Land versucht, überall zu sparen. Leider betrifft das auch die Kultur und teilweise auch die Bildung, worunter die Nation leidet. Meiner Meinung nach sollte man vor allem auf die Bildung setzen. Darauf aufbauend sollten die Kultur und Kunst gefördert werden. Denn wenn der Körper erkrankt, kann er geheilt werden. Wenn jedoch die Seele krank wird, dann sind die Prozesse unumkehrbar“, ist Boschnakow kategorisch. 

FOTO Facebook/StateOperaStaraZagora

Die Oper von Stara Sagora wird heute Abend im Nationalen Kulturpalast zum ersten Mal in Sofia ihre beeindruckende Inszenierung von Giuseppe Verdis „Rigoletto“ aufführen. Mit dieser Oper wird der offizielle Start der 39. Ausgabe des traditionellen Neujahrsmusikfestivals gegeben, dessen Organisator und Gastgeber der Nationale Kulturpalast ist.

 

Übersetzung: Georgetta Janewa