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Heiligabend und Weihnachten im Blick der Generationen X, Y, Z und Alpha

Mittwoch, 24 Dezember 2025, 09:20

Heiligabend und Weihnachten im Blick der Generationen X, Y, Z und Alpha

FOTO BTA

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„Wir essen kein Fleisch und dann wird Jesus Christus geboren“ – so beschrieb uns eine Kinderstimme den Heiligabend, jenen Feiertag, der mit seiner Fülle an Symbolen, Wünschen und Bräuchen die Familien an einem Tisch versammelt, damit sie sich in der Stille der Nacht an Demut erinnern, Hoffnung einkehren lassen und eintauchen in die Zuneigung und Unterstützung, die man von seinen Nächsten erhält.

FOTO Dr. Anelia Ownarska

Mit der Wärme des verglimmenden Weihnachtsholzes, im Erwartungslicht der Geburt Christi, sind Traditionen, Kultur und Spiritualität über die Jahrhunderte hinweg bis ins 21. Jahrhundert gelangt – in eine Zeit, in der Online-Räume als Orte der Unterstützung dienen, künstliche Intelligenz verspricht, alles an unserer Stelle zu erledigen, grelle Werbung zu beinahe hypnotischem Konsum verführt und Werte sich täglich neu sortieren. In der Gefahr, uns selbst in einer Welt zu verlieren, die unaufhörlich auf etwas Unbekanntes zueilt, haben wir versucht, den Blick der verschiedenen Generationen einzufangen, um zu verstehen, wie sie Heiligabend und Weihnachten heute wahrnehmen. 

Vor mehr als einem Jahrzehnt erinnerte sich Großmutter Schiwka aus dem Sofia-nahen Dorf Brese an ihre Kindheit und erzählte dem Bulgarischen Nationalen Rundfunk von den Traditionen des Heiligabends: 

FOTO Radio Widin

„Sie brachten das Stroh herein und legten es auf den Boden, dann ein Tuch darüber, wir stellten das Essen darauf und setzten uns alle im Kreis auf den Boden. Es gab Pflaumen, Bohnen, Kohl und ein Brot mit einer Münze darin – damit man sieht, wem das Glück zufällt. Wenn wir das Stroh zusammenräumten, wurde es auf die Pflaumen gelegt – damit sie Frucht tragen! Jeder war zu Hause mit seiner Familie. Als Kind machte mich das glücklich, und bis heute macht es mich glücklich!“ So beschreibt ein Vertreter der Traditionalisten – geboren zwischen 1925 und 1945 – den Feiertag. 

FOTO BTA

Fast ein Jahrhundert später sitzen auch die Vertreter der Generation Alpha, geboren nach 2012, an der fastenden Festtafel des Heiligabends.

„Wir backen ein Brot, wir essen kein Fleisch und dann wird Jesus Christus geboren“… „Wir machen eine Glücksbaniza mit einer Münze, und der Älteste muss das Brot in zwei Teile brechen“… „Man isst nur Fastenspeisen… Bohnen. Wir feiern“ – erzählen Schülerinnen und Schüler der 97. Schule „Bratja Miladinowi“ in Sofia und mischen dabei Rituale und Symbolik. 

FOTO Weneta Nikolowa

Die verschiedenen Generationen haben ihre eigene Interpretation der Festtraditionen – und nicht selten stehen diese Wahrnehmungen einander diametral gegenüber. Erst vor zwei Jahren sorgten Vertreter der Generationen X, Y und Z (geboren zwischen 1965 und 1996) in den sozialen Netzwerken für erhitzte Diskussionen über den weißbärtigen Weihnachtsmann und seinen angeblichen „sozialistischen Doppelgänger“, Väterchen Frost. Eine Recherche des Bulgarischen Nationalen Fernsehens klärte damals anhand ethnologischer und historischer Quellen auf, dass die Figur aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts nicht mit dessen späterer sowjetischer Variante zusammenhängt. 

FOTO Weneta Nikolowa

Viele Kinder der Generation Alpha haben vielleicht nie von Väterchen Frost gehört, fiebern aber der Tradition entgegen, dass ein weißbärtiger alter Mann zu Weihnachten Geschenke bringt – und teilen eifrig ihre Wünsche: Spiele, eine Konsole, ein Buch, ein Fußball… Mit Begeisterung nennen sie auch ihre Lieblingsmomente der Feiertage:

„Am liebsten mag ich die Wickel“, sagt ein Kind aus der Schule „Bratja Miladinowi“. Andere ergänzen: „Ich mag, dass man die Feiertage mit der Familie verbringt!“… Dass ich Ski fahren darf“… „Ich mag, dass ich erst um 23.00 Uhr schlafen gehe und fast machen kann, was ich will – ‚fast‘, weil ich wegen meiner Mutter nicht auf der PlayStation spielen darf, wenn ich davor nicht gelesen oder meine Hausaufgaben gemacht habe…“

FOTO Wanja Minewa

In Online-Plattformen berichten Menschen der Generationen Y und Z, dass sie Heiligabend und Weihnachten mit ihren älteren Verwandten verbringen. Nicht selten sind die Feiertage eine Zeit für wohltuende Ruhe nach stressigen Arbeitstagen. Gleichzeitig fehlt es nicht an nostalgischen Erinnerungen an eine „weiße“ Weihnachten der Vergangenheit – mit dicker Schneedecke, rauchenden Schornsteinen, Schlittenfahrten und kindlicher Freude. Kein Wunder also über Kommentare wie: „Seit das Klima sich verändert hat, ist auch meine Weihnachtsstimmung verschwunden. Ich erinnere mich an das magische Glitzern des Schnees am Heiligabend, die warmen Kleider, die Gemütlichkeit daheim; wir Kinder bastelten Girlanden und Laternen aus buntem Papier. Dieses Kribbeln, dieses Gefühl im Bauch… das ist weg.“ 

Auch die heutigen Kinder der Alpha-Generation mögen nicht alles an den Feiertagen:

„Dass die Lehrerin uns viele Hausaufgaben aufgibt“… „Ich mag nicht, dass es Kinder gibt, die keine Geschenke bekommen!“… „Ich mag die Reigentänze nicht“… „Ich mag nicht, dass wir kein Fleisch essen“… „Ich mag Weihnachten nicht, weil alle miteinander reden und niemand auf mich achtet!“ 

Und wenn auch jede Generation ihre eigene Sicht auf die Festtraditionen und ihren Platz im heutigen Leben hat, so verbindet sie doch eines: die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Das zeigen die Weihnachtswünsche, die über Jahrhunderte nahezu unverändert geblieben sind. Die Kinder der 97. Schule richten sie mit Begeisterung an ihre Altersgenossen weltweit:

FOTO BTA

Dass sie sehr gut und glücklich sind und viele schöne Momente im Leben haben!“… Dass sie viele Geschenke bekommen und die Feiertage mit ihren Eltern genießen!“… Dass sie gesund sind und Gott sie beschützt!“… Dass sie keine Hausaufgaben haben und vor allem nicht hinfallen und sich Arme oder Beine brechen!“… Dass sie edelmütig sind!“… Dass sie wunderbare Feiertage erleben!“ 

Im Erwartungslicht der Geburt Christi liegt es nahe festzustellen, dass die Tradition dieses Festes noch immer „lebendig“ ist und die Wünsche jene weihnachtliche Magie tragen, die ihnen Erfüllung verspricht. So sei es.


Übersetzung: Lyubomir Kolarov  

Gestaltet von Lyubomir Kolarov