Radio Bulgarien bei den Bulgaren in Albanien

Jani Nikola aus Mala Prespa: Wir sind die lebendige Verbindung zwischen Albanien und Bulgarien

Dienstag, 23 Dezember 2025, 18:08

Яни Никола от Мала Преспа: Ние сме живата връзка между Албания и България

Яни Никола от Мала Преспа: Ние сме живата връзка между Албания и България

FOTO Privatarchiv

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Hallo! Mein Name ist Jani Nikola. Ich wurde in Mala Prespa, Albanien, geboren, wo ich auch meine Grundschulausbildung abgeschlossen habe. Ich stamme aus einer bulgarischen Familie, die seit Generationen in dieser schönen, aber sehr kleinen Region Albaniens lebt – Mala Prespa.“

So beginnt unsere heutige Geschichte über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft und über uns, die Menschen, die sie verbinden. Radio Bulgarien hat schon oft über die Bulgaren in Albanien berichtet, die seit Jahrhunderten in diesen Gebieten leben. Das Jahr 2017 wird für sie alle historisch bleiben, denn damals wurden unsere Landsleute zum ersten Mal von den Behörden in Tirana offiziell als Minderheit im Sinne des Gesetzes anerkannt. Im Jahr 2023 fand die 12. offizielle Volkszählung in Albanien statt, die deutlich die Existenz einer Gemeinschaft zeigte – 7.057 Menschen bezeichneten sich selbst als Bulgaren.

Unser Team hat die Gastfreundschaft und Herzlichkeit dieser Menschen persönlich erlebt. Wir haben ihre Geschichten, ihren Schmerz und ihre Hoffnung gehört. Und heute, da unsere beiden Balkanstaaten näher denn je auf dem gemeinsamen europäischen Weg sind, stellen wir Ihnen einen der Pfeiler der bulgarisch-albanischen Freundschaft vor – Jani Nikola. Seit sechs Jahren ist er stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Pustec, dem am dichtesten von Bulgaren besiedelten Gebiet in Mala Prespa, und Generalsekretär der „Gesellschaft für bulgarisch-albanische Freundschaft“ in der albanischen Stadt Korça. Ein Mensch, der besser als wir weiß, was es bedeutet, mit Erinnerung und Liebe zu seinem Heimatland, das nur einen Steinwurf entfernt ist, voranzuschreiten.

FOTO Archiv

Jani Nikola ist einer von 3.691 Männern und 3.366 Frauen, die laut Angaben des albanischen Statistikinstituts die Bulgaren offiziell zur viertgrößten Minderheit des Landes nach den Griechen, Roma und Balkan-Ägyptern gemacht haben. Zwei Jahre später haben die Behörden in Tirana noch immer keine konkreten Daten nach Ortschaften veröffentlicht, was für unsere Landsleute dort von entscheidender Bedeutung ist.

Die Bulgaren in Albanien leben hauptsächlich in den Regionen Mala Prespa, Golloborda, Debar und Gora, und wenn die Volkszählung in diesen Gebieten ergibt, dass mindestens 20 Prozent der Bevölkerung Bulgaren sind, können sie von den lokalen Behörden verlangen, dass der Unterricht in den Mittelschulen in ihrer Muttersprache erfolgt. Dies steht in direktem Zusammenhang mit der Erhaltung der bulgarischen Kultur, Geschichte, Traditionen und des bulgarischen Geistes in diesen Gebieten. „Die Ergebnisse lassen aus politischen Gründen noch auf sich warten“, sagte Jani Nikola. Der 1986 geborene Mann hat sich nie die Frage nach seiner Nationalität gestellt.

FOTO Gesellschaft für bulgarisch-albanische Freundschaft

Seit meiner Kindheit weiß ich, wer ich bin, und schäme mich nicht dafür, im Gegensatz zu vielen Menschen beispielsweise in der Republik Nordmazedonien, die sich dafür schämen, Bulgaren zu sein. Ich bin stolz darauf, wer ich bin, und scheue mich nicht, dies öffentlich zu bekunden“, sagte er.

Jani Nikola ist eines der Kinder Bulgariens, die weit weg geboren wurden, aber das Wertvollste erhalten haben – die Liebe zu ihrem Heimatland von ihren Eltern und eine Ausbildung darin. Sein großer Traum war es, in Plewen Medizin zu studieren und Menschen zu heilen. Aber das Schicksal hatte andere Pläne, und 2004 wurde er zum Studium der Rechtswissenschaften an der Universität „Angel Kantschew“ in Russe zugelassen. Er schloss sein Studium ab, und trotz seines Wunsches, in Bulgarien zu bleiben und hier zu arbeiten, führten ihn familiäre Gründe zurück nach Albanien. Um die bulgarische Identität auf fremdem Boden zu heilen.

Nach meiner Rückkehr nach Albanien arbeitete ich einige Jahre in Nichtregierungsorganisationen, und 2015 gründeten wir zusammen mit meinen Freunden, die ebenfalls in Bulgarien studiert haben, und unserem Freund Dimitar Pandowski die „Gesellschaft für bulgarisch-albanische Freundschaft“ in Korça. Von Anfang an war uns bewusst, wie wichtig es ist, zusammenzuhalten. Wir wollten unserer Gemeinschaft eine Stimme geben und uns für sie einsetzen. Zu Beginn organisierten wir kostenlose Bulgarischkurse, kulturelle und bildungsbezogene Initiativen sowie Wettbewerbe für Kinder und Jugendliche. Mit der Unterstützung der Stiftung „Bulgarische Erinnerung“ von Dr. Milen Wrabewski haben wir auch an Seminaren in Bulgarien teilgenommen, zu denen wir viele Kinder aus unserer Region mitgenommen haben. Heute betreibt unsere Organisation zwei bulgarische Sonntagsschulen in Korça und Pogradec, in denen etwa 45 Kinder unterrichtet werden. Unsere Zielgruppe sind junge Menschen, Bulgaren. Wir sind die lebendige Verbindung zwischen Bulgarien und Albanien. Eine Brücke der Freundschaft, der Kultur und des gegenseitigen Verständnisses“, erzählte unser Landsmann.

Das Dorf Pustec in der Region Mala Prespa

FOTO BTA

Und wenn wir uns erlauben, die Worte des großen Dichters und Revolutionärs Christo Botew aus seinem Gedicht „Hajduti“ zu verwenden, würden wir sagen: „Wer kennt nicht Jani Nikola, wer hat noch nie von ihm gehört?“

Das ist die Wahrheit über die Region Mala Prespa, von der sich das Team von Radio Bulgarien bei seinem Besuch dort persönlich überzeugen konnte. Als jemand, der die bulgarische Gemeinschaft gut kennt und selbst aus ihr stammt, verschweigt Jani Nikola auch nicht die Probleme, mit denen sie heute zu kämpfen hat.

FOTO Wessela Krastewa

Die Probleme sind vielfältig. Die Bulgaren hier leben in sehr armen, verlassenen Regionen ohne Investitionen. An erster Stelle möchte ich das Gesundheitswesen nennen. Hier gibt es keine Fachärzte, und die Menschen sind sehr arm und haben keine Möglichkeit, sich in Spezialkliniken in der Hauptstadt oder in den größeren Städten Albaniens behandeln zu lassen. Aus diesem Grund haben wir dank der Stiftung „Bulgarische Erinnerung“ und Dr. Milen Wrabewski eine Initiative ins Leben gerufen und Ende Oktober dieses Jahres zum vierten Mal in Folge kostenlose allgemeine medizinische Untersuchungen in der Region Prespa organisiert. In den letzten zwei Jahren wurden über 500 Menschen untersucht, und diejenigen mit schwereren Erkrankungen oder Diagnosen werden dank Dr. Milen Wrabewski in Bulgarien völlig kostenlos behandelt. Das ist wirklich eine sehr gute Nachricht für uns und ein Erfolg für die Initiative. Ein weiteres Problem ist der Mangel an Arbeitsplätzen für junge Menschen. Die Menschen entscheiden sich dafür, entweder ins Ausland oder in größere Städte zu ziehen, was für uns ein großes Problem darstellt, da die Dörfer in der Region langsam von der demografischen Landkarte verschwinden“, so Jani Nikola.

Es gibt eine Lösung, sagte uns Jani Nikola weiter: Es braucht Investitionen und Perspektiven für die junge Bevölkerung, nicht nur für die 5.100 Bulgaren aus Mala Prespa. Ob dies mit der Aufnahme Albaniens als Vollmitglied in die EU geschehen wird, einen Weg, den das Land 2024 offiziell eingeschlagen hat und der wahrscheinlich 2030 abgeschlossen sein wird, können wir nur vermuten.

FOTO BTA

Ich glaube nicht, dass es nur wegen der EU eine Veränderung geben wird. Aber dann werden wir Bulgarien näher sein. Die Grenzen werden fallen und wir werden eins sein“, sagte unser Landsmann.

Unser Ziel ist es jetzt, den bulgarischen Geist hier in Albanien zu bewahren, die bulgarische Sprache und Kultur weiter zu pflegen und in Zukunft auch unsere Vertreter im albanischen Parlament zu haben, damit unsere Stimme näher an den Regierenden ist“, fasste Jani Nikola zusammen und sagte noch, dass sie mit den Regierenden in Albanien heute nichts zu tun haben, aber auch keine Probleme mit ihnen haben. Was die bulgarischen Staatsmänner angeht, ist Jani Nikola der Meinung, dass sie gute Arbeit leisten und Unterstützung erhalten, insbesondere durch die bulgarische Botschaft in Tirana und ihren Leiter, Herrn Iwajlo Kirow.

Bulgarien befindet sich derzeit in einer politischen Krise, aber als europäischer Staat muss es eine Strategie gegenüber den Bulgaren im Ausland haben. Und diese Strategie muss unabhängig vom Regierungswechsel bestehen bleiben und uns – den Bulgaren im Ausland – näher sein“, sagte er.

Am Vorabend der Weihnachts- und Neujahrsfeiertage wünscht Jani Nikola allen Bulgaren:

Mögen sie gesund und munter sein! Ich möchte unsere Landsleute in Bulgarien daran erinnern, dass es auch Bulgaren gibt, die im Ausland leben, insbesondere in Albanien, in den Regionen Vrbnik, Mala Prespa, Korça, Pogradec, Golo Brdo und Gora. Allen Bulgaren auf der ganzen Welt möchte ich sagen, dass sie zum Wohl ihres Heimatlandes beitragen sollten, denn es gibt nichts Besseres, als in seinem eigenen Land zu arbeiten und zu leben. Sie sollten nach Möglichkeiten suchen, zurückzukehren und in Bulgarien zu arbeiten, damit es immer stärker wird.“

Oder sie sollten einfach ihre kleinen Freundschaftsvereine mit Bulgarien und den Orten, die sie zu ihrer neuen Heimat gemacht haben, aufbauen. Denn die Grenzen fallen, und eines Tages werden wir wirklich eins sein, wovon auch Jani Nikola träumt – ein Bulgare, der in Albanien geboren und aufgewachsen ist.


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Übersetzung: Antonia Iliewa

Redaktion: Rossiza Radulowa