Autor
Zwetana Tontschewa
Nachricht
Meisterwerke bulgarischer Musikkultur:
Atanas Bojadschiew – „Ich träumte einen Traum“
Pop-Hit mit bulgarischem Nationalcharakter
Freitag 2 Januar 2026 20:00
Freitag, 2 Januar 2026, 20:00
Atanas Bojadschiew (1926 – 2017)
FOTO Privatarchiv
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Als „einer der Förderer des nationalen Charakters der bulgarischen Unterhaltungsmusik“ gilt der Komponist Atanas Bojadschiew (1926–2017) als charismatischer Musiker mit beeindruckendem Werk. Bojadschiew, ein diplomierter Jurist der Universität Sofia, wählte den feinsinnigen Intellektuellen Dimitar Nenow als Kompositionslehrer. Seine erste Partitur schrieb er bereits mit 20 Jahren für eine Inszenierung des Puppentheaters in Sofia. Zwei Jahre später begann er, auch für das Kino zu komponieren. Ab 1952 arbeitete er zudem als Komponist für den Bulgarischen Nationalen Rundfunk (damals Radio Sofia). Viele seiner Lieder sind bis heute beliebt, da sie Elemente der bulgarischen Folklore einbeziehen. Er schuf Partituren für zahlreiche populärwissenschaftliche, Animations- und Spielfilme und komponierte zusammen mit seinem engen Freund Petar Stupel die Musik für einige der meistgesehenen bulgarischen TV-Serien der 1970er- und 1980er-Jahre: „Na wseki kilometar“ („Jeder Kilometer“) , „Isgori, sa da swetisch“ („Verbrenne, um zu leuchten“), „Kapitan Petko Wojwoda“.
In einem exklusiven Interview für Radio Bulgarien erinnert sich sein Sohn Kristian, selbst erfolgreicher Komponist, Arrangeur, Produzent und Musikkritiker, an die Entstehung von „Ich träumte einen Traum“:
Petar Stupel (links) und Atanas Bojadschiew
FOTO Privatarchiv von Kristian Bojadschiew
Atanas Bojadschiew gehörte zu den ersten Komponisten, die Ende der 1960er-Jahre aktiv mit den damals neu auftretenden jungen Rockbands in Bulgarien zusammenarbeiteten. Besonders fruchtbar war seine Kooperation mit der berühmten Band „die Grillen“. Viele Texte seiner Lieder stammen vom talentierten Dichter Bogomil Gudew. Seit der Gründung des internationalen Popmusik-Festivals „der goldene Orpheus“ gehörte Bojadschiew zu den Preisträgern. Für das Lied „Ich träumte einen Traum“ nach einem Text von Bogomil Gudew erhielt er die erste Goldstatue für künstlerisches Schaffen in der Geschichte des Wettbewerbs – ein Lied, das bis heute von Kindern und Enkeln der ersten Zuhörer aus den späten 1960er-Jahren geliebt wird.
Kristian Bojadschiew
FOTO Sdrawko Petrow
„Die große Musikpreis-Auszeichnung – für einen Song – wurde bis 1969 nicht vergeben. 1969, als mein Vater die Statue erhielt, bekam Bogdana Karadotschewa erstmals als bulgarische Sängerin ebenfalls eine Statue bei diesem vielleicht prestigeträchtigsten Musikforum. Ich erinnere mich genau, dass dieses Lied schon 1968 existierte, aber noch nicht mit diesem Text. Bogomil Gudew hatte zunächst einen Text geschrieben, der nicht schlecht, aber sehr schwerfällig war, nicht passend für ein sommerliches, maritimes Ereignis. Das Lied selbst trägt jedoch Licht und Optimismus in sich. Bogomil sagte: ‚Versuchen wir es anders‘, und so blieb es bis zum nächsten Jahr. Wahrscheinlich hat mein Vater zuerst den Refrain entwickelt, und auf Grundlage der engen Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen ihm und Bogomil entstand dann das gesamte Werk. Bogomil schrieb einen völlig neuen Text, und man entschied sich für ein Duett: Margret Nikolowa, unsere Nachbarin, und Kiril Semow, ein ausgezeichneter bulgarischer Sänger mit Swing-Gefühl. Ihre Stimmen harmonierten sehr gut.
Bogomil Gudew (1935 – 1993)
FOTO BNR - Archiv
Ich erinnere mich daran, dass mein Vater die Noten für beide vorbereitet hatte – schön lesbar auf weißen Blättern – und zur Auflockerung klebte er auf Margrets Noten ein Gänseblümchen, auf Kirils eine Kürbiskernsaat. Teilweise vertauschte er die Stimmen, sodass der Sopran den zweiten Part sang und Kiril den oberen, was eine abwechslungsreiche Atmosphäre erzeugte. Das Arrangement machte Detscho Taraleschkow, ein bevorzugter Partner von Hatscho Bojadschiew in Volksmusik-basierten Stücken. Boris Karadimtschew dirigierte, mein Vater war sein Pate zusammen mit Petar Stupel. So entstand ein buntes Team, das das Lied mit dem Schlager-Sinfonieorchester des Radios im ersten Studio aufnahm. Der Festival-Orchesterbesetzung beim ‚goldenen Orpheus‘ entsprach weitgehend diesem Ensemble, sodass das Ergebnis dem Festivalauftritt entsprach.“, sagte Bojadschiew.
"Сън сънувах" на Атанас Бояджиев – поп хит с български национален облик
FOTO Facebook/RadioVidin
So erinnern wir uns an die glanzvollen Zeiten des „Orpheus“ – die goldene Epoche der bulgarischen Musik. Lassen wir uns nun das Lied „Ich träumte einen Traum“ von Atanas Bojadschiew und Bogomil Gudew, interpretiert von Margret Nikolowa und Kiril Semow, hören.
Übersetzung: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov