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Soziale Netzwerke werden zur Bühne für lebendige Folklore
Die Volkssängerinnen Bissera und Lidia haben Fans in vielen Ländern, und die Emotionen bei ihren Begegnungen mit Bulgaren im Ausland sind sehr stark
Sonntag 28 Dezember 2025 15:27
Sonntag, 28 Dezember 2025, 15:27
FOTO Facebook/ Bissera und Lidia
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Soziale Netzwerke können nicht nur zur Kommunikation, zur Unterstützung verschiedener Anliegen oder als Plattform für Fake News genutzt werden, sondern auch erfolgreich als Mittel zur Bewahrung des bulgarischen Geistes und unseres kulturellen Erbes dienen. In diesem Sinne sind sie die moderne Form der „Spinnstubenabende“, zu denen sich unsere Vorfahren in der Zeit vor den Medien versammelten, um zu singen, Handarbeiten zu machen und Informationen auszutauschen. Genau diese Funktion der sozialen Netzwerke nutzen seit einigen Jahren die jungen Volksliedersängerinnen Bissera und Lidia, deren Facebook-Followerzahl mit jedem Tag wächst.
Sie begannen vor sechs Jahren als Duo, singen Folklore aus verschiedenen Regionen Bulgariens und nehmen häufig an Wettbewerben wie „Pirin Folk“, der wöchentlichen Hitparade „BNR Top 20“ und anderen teil. Dennoch sind sie mit ihren Videos und Clips mit authentischen bulgarischen Volksliedern beim Publikum in den sozialen Netzwerken immer noch bekannter als bei den Zuschauern und Zuhörern der offiziellen Medien.
„Wenn diese Lieder nicht gesungen werden, werden sie verschwinden, und damit verschwindet auch ein Teil des bulgarischen Geistes und unseres kulturellen Erbes“, ist Lidia überzeugt. Kürzlich erklärten teilten die beiden in einem Gespräch mit Lina Matschewa in einer Sendung des BNR-Inlandsprogramms „Christo Botew“:
FOTO Facebook/ Bissera und Lidia
„Dank der sozialen Netzwerke sind wir populär geworden, vor allem durch Facebook – dort ist unser Hauptpublikum. Wir haben während der Covid-Pandemie angefangen, als wir drei oder vier Monate lang ununterbrochen zusammen waren. Damals haben wir uns vielleicht als Stimmen und als Duo entwickelt. Wir haben viele neue Lieder gelernt und auch Videos und Clips aufgenommen, die wir ins Internet gestellt haben. Wir haben nur authentische Lieder ausgewählt, die noch niemand gehört hatte, und das war unsere Leidenschaft!“
Die jungen Sängerinnen begannenihren Lebensweg in verschiedenen Teilen Bulgariens – Lidia stammt aus Gorna Orjachowiza (Nordbulgarien) und beschäftigt sich mit Monitoring, während Bissera aus Dragowischtiza (Westbulgarien) stammt und seit einigen Jahren Geodäsie an der Universität für Architektur, Bauwesen und Geodäsie in Sofia unterrichtet. Sie sagen, dass sie sich in ihrer Ausstrahlung und ihrem Temperament völlig unterscheiden. Aber die Musik verbindet sie und als Sängerinnen ergänzen sie sich ideal. Die Gründung ihres Duos kam jedoch, wie Lidia behauptet, ganz zufällig zustande:
FOTO Facebook/ Bissera und Lidia
„Wir haben ganz zufällig angefangen, zusammen zu singen. Bei einem Konzert im Kulturhaus musste eine Stelle im Konzertprogramm ausgefüllt werden. Ich sang bereits in der Gruppe für traditionelle Volksmusik und musste innerhalb weniger Stunden das für die Schopenregion typische Singenlernen, wobei mir Bissera half.“
Während sie ihr half, beschloss Bissera jedoch, die zweite Stimme zu singen, und die Menschen um sie herum riefen: „Ihr beide müsst zusammen singen!“
In diesen festlichen Momenten erinnern wir uns auch an den 25. Dezember letzten Jahres, als ihre Interpretation des Weihnachtsliedes mit einem interessanten Arrangement und einem professionellen Clip unter dem Titel „Weihnachten“ auf YouTube, Facebook und Instagram erschien und ihre Follower sie sofort unterstützten: „Wir danken Bissera und Lidia für dieses wunderbare Werk!... Bissera und Lidia haben göttliche Stimmen!... Ihr seid bezaubernd und eure Stimmen harmonieren so einzigartig miteinander, ich würde mich freuen, euer Live-Konzert zu besuchen... Göttlich!“
In Erinnerung an die Reaktionen in den sozialen Netzwerken teilten die Sängerinnen speziell für das Publikum von Radio Bulgarien mit:
FOTO BNR
„Bisher hatten wir noch kein Weihnachtslied. Das war schon lange unsere Idee. Wir stießen auf das Lied „Die Gottesmutter liegt in den Wehen“, sangen es, es klang zweistimmig und wir sagten uns: „Das ist das Lied!“ Vielleicht gab es zuerst eine Resonanz auf das Video. Das Arrangement stammt von Jordan Jossifowund unterscheidet sich ein wenig von allem, was wir bisher gemacht haben, und das Video ist das Werk von Martin Baltadschiew, dem es gelungen ist, diese zarte Weihnachtsstimmung einzufangen, die mit dem Christentum einhergeht.“
Das Duo „Bissera und Lidia“ hat Fans in der Türkei, Serbien und Nordmazedonien und laut Statistiken in den sozialen Netzwerken auch in vielen anderen Ländern. So nahmen sie im vergangenen Jahr auf Vorschlag der lokalen bulgarischen Gemeinschaft an einem bulgarischen Folklorefestival in Zypern teil. Der Grund für ihre zunehmende Popularität liegt vielleicht in der Überzeugung, die immer mehr Bulgaren teilen, dass die Lieder verschwinden, wenn sie nicht gesungen werden, und damit auch ein Teil des bulgarischen Geistes und unseres kulturellen Erbes.
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Übersetzung: Antonia Iliewa
Redaktion: Rossiza Radulowa
Gestaltet von Rossiza Radulowa