Läutern wir in der Vorweihnachtszeit die Seelen, säen wir Hoffnung und Glauben

Der katholische Priester Iwelin Genow: „Heute brauchen wir die Rückkehr zur vollkommenen Freude des Evangeliums und der Begegnung mit Christus“

Dienstag, 23 Dezember 2025, 18:33

Läutern wir in der Vorweihnachtszeit die Seelen, säen wir Hoffnung und Glauben

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Funkelnde Lichter, lebensbejahende Melodien und verlockende Weihnachtsmärkte nähren unsere Vorfreude auf das Fest. Doch oft vergessen wir den wahren Anlass – die Geburt Jesu Christi. Während der vier Wochen bis Weihnachten bereitet sich die katholische Gemeinschaft in Bulgarien auf die Feier des Wesens dieses Festes durch den sogenannten Advent (adventus – Ankunft, Kommen) vor, in Erwartung dessen, der kommen soll.

In der Vorweihnachtszeit nehmen die Katholiken intensiver an den Sakramenten der Kirche teil. Der erste Adventssonntag ist dem Ankunft Jesu gewidmet und symbolisiert die Hoffnung. Der zweite steht für den Frieden, der dritte wird „Sonntag der Freude“ genannt, da das Fest nahe ist. Der vierte – „Sonntag der Liebe“ – erinnert an die Ereignisse vor der Geburt Jesu und an die besondere Rolle der Jungfrau Maria im Geheimnis der Menschwerdung Gottes. An jedem Sonntag zündet man eine weitere Kerze am Adventskranz an: Das Licht wird immer heller und durchbricht die Dunkelheit, die besiegt wird.

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Pater Iwelin Genow, Priester der Pfarrei „Heilige Peter und Paul“ in der Stadt Hissarja, betonte, dass der Advent unser Herz vorbereitet, uns aber auch fragt: „Hat Gott darin Platz? Haben wir das Überflüssige, Unwesentliche und das Chaos unserer Seele, das uns erstickt, beseitigt?“

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All diese Dinge überschwemmen uns wie Wellen des Lebens, die uns sogar dazu verleiten, über Leichen zu gehen, um unsere eigenen Ideen, unser Streben nach Aufmerksamkeit und unsere Selbstbetrachtung durchzusetzen, alle Versuchungen und Gefahren“, ergänzte er. „Damit Gott geboren wird, müssen wir unseren Egoismus überwinden. Die Katholiken bereiten sich auf Weihnachten auch durch die Buße vor – was eine Veränderung der Mentalität, des Denkens und der Gefühle des Herzens bedeutet. Der Advent ist eine Zeit des Abstreifens unserer Gewohnheiten und Laster, die wir Sünde nennen. Der Advent ist eine Zeit, in der wir uns von unseren Gewohnheiten und Lastern, die man Sünden nennt, befreien können. Er ist auch Hoffnung und Glaube, dass der demütige Christus, der in Menschengestalt gekommen ist, eines Tages bei seiner Wiederkunft in Herrlichkeit zurückkehren wird, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Das ist sein Gericht.“


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Die Predigt, die Pater Iwelin in der Heiligen Nacht halten wird, wird voraussichtlich vom Evangelisten Lukas inspiriert sein.

In seinem Evangelium ermahnen uns die himmlischen Engel in der Nacht der Geburt Christi, keine Angst zu haben, die Türen unserer Krippe, unseres Herzens, für Gott zu öffnen, denn er wird uns nichts nehmen“, sagte Pater Iwelin. „Ich möchte den Gläubigen in Erinnerung rufen, dass nur in Christus der Mensch ganz Mensch ist. Ich werde auch über die Freude sprechen, denn heute leben wir oft ohne Gott – viele junge Menschen sind depressiv, ängstlich, haben Panikattacken, nehmen Antidepressiva. Die Welt lehrt uns, nur auf uns selbst zu vertrauen, und so verlieren wir die vollkommene Freude, die uns durch den Glauben an Christus geschenkt wird, und versinken in Traurigkeit, ohne Sinn im Leben. Und nicht zuletzt werde ich über den Frieden auf Erden unter Menschen guten Willens sprechen, wie die Engel ihn verkünden, und wir werden uns fragen: ‚Habe ich den Willen, von meinem Ego-Podest herabzusteigen und dem Anderen Raum zu geben, den ich nur im Glauben an Christus als meinen Bruder erkennen kann?‘ Dass es bis heute brudermörderische Kriege gibt, zeigt: Wir Christen haben noch nicht verstanden, dass wir einen gemeinsamen Vater haben.

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In der Vorweihnachtszeit organisiert die katholische Organisation „Caritas“ zahlreiche Wohltätigkeitsinitiativen. Schwestern verschiedener Kongregationen bieten den Ärmsten, Bedürftigen und Obdachlosen warme Mahlzeiten sowie Worte der Hoffnung an. In der Pfarrei von Pater Iwelin – „Heilige Peter und Paul“ in Hissarja beschließen die Menschen nach einer der Gottesdienste spontan, einen „Spendenkorb” in der Kirche und einen weiteren im Gemeindezentrum für Lebensmittel aufzustellen, die für Bedürftige unter der Obhut der Schwestern von Mutter Teresa in Plowdiw bestimmt sind.

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Die Herstellung der Weihnachtskrippen ist eine weitere Tradition der Katholiken, die auf das 17. Jahrhundert zurückgeht, als der eilige Franz von Assisi in Greccio die erste Krippe schuf.

Heute sollte der Schwerpunkt auf dem Spirituellen liegen, und die Krippen sollten eher bescheiden in einer Ecke stehen und nicht das zentrale Betrachtungsobjekt sein. Das soll das Geheimnis der Menschwerdung Gottes widerspiegeln“, erklärte der Priester.

Die Weihnachtsbotschaft an die Stadt und die Welt – Urbi et Orbi – wurde erstmals von Papst Leo XIV. auf dem Petersplatz übermittelt. Mehr denn je brauchen wir an diesem Tag Ermutigung in unserer unruhigen und gespaltenen Welt.

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Das Erste, was ich hören möchte, ist die Botschaft ‚Fürchtet euch nicht!‘ – wie ein Elternteil, der seinen Kindern Mut macht, dass sie nicht allein sind“, sagte Pater Iwelin. „Das Zweite, worauf ich hoffe, sind Worte des Friedens. Frieden ist keine Utopie. Unruhen wird es immer geben, aber jeder von uns muss sich aktiv für den Frieden einsaetzen, der im Herzen eines jeden beginnt – indem wir den anderen nicht als Feind, sondern als Bruder sehen.“

Kranke, Arme, Einsame, Flüchtlinge – alle Leidenden sehnen sich nach Worten, die Hoffnung und Rettung vermitteln. Wie aber kann man diese Hoffnung am Weihnachtstag im eigenen Herzen säen?

Gott sät das Gute, den schönen Samen der Hoffnung und des Heils in uns“, antwortete Pater Iwelin. „Er rettet uns, wenn wir ihm helfen. Hoffnung ist eine Tugend und ein Geschenk. Lasst uns tun, was die armen und frierenden Hirten in der Nacht der Geburt Christi taten – uns der Krippe gemeinsam mit allen Schwachen und Leidenden nähern und den neugeborenen König mit kindlichem Vertrauen anflehen.“


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Pater Iwelin erinnerte daran, dass Gott uns nicht verspricht, die Prüfungen, denen wir auf unserem Weg begegnen, zu beseitigen, sondern dass er immer bei uns sein wird. Lasst uns also die Angst und Einsamkeit hinter uns lassen und Zuversicht im Herzen tragen, dass wir auf dieser Erde nicht allein sind.


Übersetzung: Rossiza Radulowa