Pater Maxim aus dem Kloster Kykkos: „Wo Glaube ist, gibt es auch Wunder“

Donnerstag, 25 Dezember 2025, 13:22

Pater Maxim vom Kloster Kykkos auf Zypern

Pater Maxim vom Kloster Kykkos auf Zypern

FOTO Krassimir Martinow

Schriftgröße

Das Kloster Kykkos, das sich im westlichen Teil des Troodos-Gebirges auf 1318 m Seehöhe befindet, ist eines der reichsten und bekanntesten Klöster Zyperns. Die heilige Stätte wurde im 11. Jahrhundert vom byzantinischen Kaiser Alexios I. Komnenos gegründet. In diesem Kloster begann der erste Präsident Zyperns, Erzbischof Makarios (1960-1974),1926 seine kirchliche Tätigkeit als Novize. Seit 1985 ist Nikiforos Abt des Klosters.

Täglich strömen Pilger aus aller Welt nach Kykkos, um vor der berühmten wundertätigen Ikone der Heiligen Gottesmutter der Barmherzigkeit zu beten. 

Ein Team von Radio Bulgarien besuchte das Kloster und sprach mit seinem Verwalter, Pater Maxim, der fest mit Bulgarien und der bulgarischen Gemeinschaft auf Zypern verbunden ist. Sein Vater ist Bulgare und seine Mutter Zypriotin. Er hat an der Universität „Paisij Hilendarski“ in Plowdiw studiert und unterrichtet heute Religionsunterricht an der bulgarischen Sonntagsschule „Rodna strjacha“ auf Zypern.

Heilige Gottesmutter der Barmherzigkeit, Kloster Kykkos, Zypern

FOTO Krassimir Martinow

Die Ikone der Schutzpatronin des Klosters soll Wunder vollbringen, behaupten die Gläubigen. Wir wollten von Pater Maxim wissen, worin sich ihre Wunderheilkraft äußert.

„Ich war schon immer der Meinung, dass alles wundersam sein kann, wenn man daran glaubt“, sagt Pater Maxim. „Natürlich hat diese Ikone göttliche Gnade, eine sehr große sogar. Die Muttergottes selbst hat diese Ikone in Auftrag gegeben und gesegnet - diese und zwei weitere Ikonen, die sich in Griechenland befinden. Der Mensch braucht eine Darstellung damit er sehen kann. Ohne ein Bild beginnt er, seinen Glauben und seine Gefühle zu verlieren. Nicht von ungefähr sagt man: „Augen, die man nicht sieht, vergisst man“ oder „das ist Liebe auf den ersten Blick“. Beim Betrachten der Ikone, ist eine starke Energie zu spüren. Diese Energie ist wie ein Magnet für den Schmerz der Menschen, die ständig hierherkommen, um diesen Schmerz auszuschütten. All dieses Leid, das vor der Ikone ausgeschüttet wird, ist der Schmerz, der diese Ikone und diesen Ort stark macht. Der Glaube ist das, was die orthodoxe Kirche antreibt. Wenn es Glauben gibt, wird es auch Wunder geben. Das ist meiner Meinung nach das Wichtigste.“

 

Pater Maxim

FOTO Krassimir Martinow

Wie beurteilen Sie die heutige Zeit? Sind die Menschen gut oder schlecht, was hindert sie daran, mehr Solidarität zu sein, damit Armut und Kriege vermieden werden können, all das, worunter die heutige Menschheit leidet?

„Die Menschen sind gut. Gott hat den Menschen als etwas Gutes erschaffen“, sagt Pater Maxim. „Am Anfang war das Gute. Aber aufgrund unserer Sünden verdunkelt das, was in der heutigen Welt geschieht, die Reinheit und Wahrheit, in der wir leben sollten. Je weiter wir uns von Gott entfernen, desto unglücklicher werden wir sein, desto verwirrter. Wenn Gott nicht in unserem Leben ist, gibt es keine Reue und keine Liebe. Viele junge Menschen, die Menschen von heuteglauben, dass sie lieben. Sie glauben, dass sie sich selbst lieben. Das bedeutet, dass das Ego heute viel stärker ausgeprägt ist und wenn das in großem Maßstab auftritt, schafft es ein groß angelegtes negatives Bild. Deshalb sehen wir auch, dass die heutigen Machthaber nicht weise denken, dass sie kein reines Denken haben. Sie nehmen sich selbst so wahr, als würden sie in einem Dschungel leben. Wichtig für sie ist, wer den anderen besiegt, wer mehr gewinnt. Die Sünden sind der Grund für unser Unglück. Unsere Seele leidet unter den Sünden, und wenn die Seele leidet, leidet auch der Körper. Leider suchen die Menschen heute nicht nach Gott. Sie beschäftigen sich mit allem anderen - Bodybuilding, Yoga, irgendwelchen philosophischen, stoischen Lehren... aber sie wenden sich nicht an Gott. Warum? Weil sie denken, dass sie alles selbst schaffen können. Gott will nur eines von uns - Reue. Er möchte, dass wir an seine Tür klopfen, er möchte Demut. Wenn du an Gottes Tür klopfst, offenbart sich Gott dir, öffnet dir die Tür, umarmt dich. Heute schämen sich viele Menschen, zu sagen, dass sie gläubig sind, weil sie mit Kritik überschüttet werden. Aber wenn ein Mensch glaubt, verändert sich sein Leben. Wir sollten uns nicht für Gott schämen. Wir sollten nicht an unsere wirtschaftliche und berufliche Entwicklung denken, sondern daran, wie wir Gott gefallen können. Das ist mein Rat an die Menschen von heute. 

Aber was wird das bringen? Die Menschen werden fragen: „Gut, ich werde mich bekehren, aber wird Gott mir bei meinen Unternehmungen helfen?“ Schließlich arbeitet jeder von uns, kümmert sich um seine Familie, oft auch um einen kranken Menschen zu Hause... Wie kann man einem Menschen beibringen, all das von Gott zu erbitten?

Innenhof des Klosters Kykkos

FOTO Krassimir Martinow

„Nun, es ist ganz einfach“, antwortet Pater Maxim. „Die Last, die du mit dir herumträgst, wenn du dich nicht an Gott wendest, erschöpft und zerstört dich. Wenn du dich an Gott wendest, fällt die Last von dir ab, weil du alles in seine Hände legst. So verändern sich dein Leben und dein Denken. Natürlich wird es Probleme geben, Versuchungen und Leidenschaften auch. Doch es wird uns viel leichter fallen, mit ihnen umzugehen. Ich sage nicht, dass du ständig in der Kirche sein und beten sollst. Ich sage, dass du mit Gott kommunizieren, mit ihm in Kontakt sein und mit ihm sprechen sollst. Das Gebet ist Kommunikation mit Gott. Wenn man glücklich leben will, soll man sich an Gott wenden. Bemühe dich, rein wie Schnee zu werden, wie es in der Bibel, Psalm 50, heißt.“

Wandmalerei im Kloster Kykkos

FOTO Krassimir Martinow

Freuen Sie sich auf die Fortsetzung unseres Gesprächs mit Pater Maxim aus dem Kloster Kykkos. Darin enthüllen wir interessante Fakten aus der Geschichte und Gegenwart der heiligen Stätte, schlagen eine Brücke zwischen den orthodoxen Christen und ihren Hierarchen aus Bulgarien und Zypern und sprechen über die Glaubenslehre und die Rolle der Kirche in der Entwicklung der modernen Gesellschaften.

FOTO Krassimir Martinow

Übersetzung: Georgetta Janewa