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Die Tradition Koleduwane wird von den Männern im Dorf Anton gepflegt

Die jüngere Generation bringt auch zeitgenössische Motive in das Fest ein

Dienstag, 23 Dezember 2025, 20:05

Die Tradition Koleduwane wird von den Männern im Dorf Anton gepflegt

FOTO Volkskulturhaus "Christo Botew - 1925" im Dorf Anton

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Weihnachten gehört zu den wichtigsten und beliebtesten Festtagen für die christliche Welt. Bulgarien macht keine Ausnahme. Das Weihnachtsfest ist mit Traditionen, Bräuchen und Glauben verbunden, die sich je nach Region unterscheiden. Überall in Bulgarien wird jedoch der Brauch „Koleduwane” gepflegt. Die Koledari veranstalten Umzüge, um Häuser und Familien zu segnen und die jungen Männer in die Gemeinschaft einzuführen. Die Wünsche für Gesundheit, Glück und Wohlstand stehen an erster Stelle.

In der Nacht vor Weihnachten (vom 24. auf den 25. Dezember) ziehen Gruppen junger Männer, die sogenannten Koledari, von Haus zu Haus, singen Weihnachtslieder und segnen jedes Haus für Gesundheit, Fruchtbarkeit und Glück. Die Gastgeber beschenken die jungen Männer aus der Koledari-Gruppe mit selbstgebackenen Kringel, Obst und anderen Gaben. Dieser Brauch ist bis heute beliebt und verbreitet, vor allem in den ländlichen Gebieten, wo die kleineren Gemeinschaften ihre Traditionen eifrig pflegen. Es wird glaubt, dass der Besuch der Koledari dem Haus und seiner Bewohner für das ganze Jahr Glück und Wohlstand bescheren wird.

FOTO Volkskulturhaus "Christo Botew - 1925" im Dorf Anton

Die Koledari-Gruppen sind bestrebt, den alten Brauch des Umzugs durch das Dorf strikt einzuhalten, und die Lieder so zu singen, wie es einstihre Vorfahren getan haben. Das Weihnachtsfestwurde inzwischen um neue Elemente bereichert. Beispiele dafür sind das Schmücken des Weihnachtsbaums mit Spielzeug und Girlanden, der Empfang des Weihnachtsmanns, der Austausch von Geschenken und das Feiern im engeren Familienkreis. Das sind Neuheiten, die erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Bulgarien aufkamen. Zuvor waren die Vorbereitungen für das Fest hauptsächlich mit dem Empfang der Koledari verbunden.

Wir wollen Ihnen heute eine Gruppe moderner Koledari vorstellen, bestehend aus jungen Männern aus dem Balkandorf Anton, die sich vor Weihnachten im örtlichen Kulturhaus versammeln, um die Koledari-Lieder zu lernen, sie an die Jüngeren weiterzugeben und ihre Kleidung für dem Umzug vorzubereiten. Die Gruppe teilt sich in zwei, um so viele Häuser wie möglich im Dorf zu besuchen, das mit rund 1.400 Einwohnern nicht gerade klein ist. Die eine Gruppe wird von Dontcho Dontchew angeführt, die andere von Jordan Marinow. Petar Marinow ist der jüngste unter den Koledari. Sie alle pflegen die Koledari-Tradition mit Begeisterung und bereichern sie durch Elemente anderer Winterfeste.

FOTO Volkskulturhaus "Christo Botew - 1925" im Dorf Anton

„Um alle Häuser und Familien zu besuchen, haben wir unsere Gruppe in zwei aufgeteilt. Die Gruppen bestehen aus 10 bis 12 Burschen“, erklärt der ältere Koledar Dontcho Dontchew der Reporterin Darina Arnaudowa. „Die Gruppen haben ihren eigenen „Schlitten“, den wir Rudolf genannt haben. Die Rolle des Rentiers übernimmt ein kleiner Traktor mit einem Anhänger und so kutschieren wir durch das Dorf“, schmunzelt Dontschew. „Es wird an jedem Haus Halt gemacht damit sich alle geehrt fühlen. Wir haben auch einen Schembartläufer (Kuker) in der Gruppe. Der Kuker hat nach altem bulgarischem Brauch die Aufgabe, das Böse und das Unglück aus dem Haus zu vertreiben. Die von uns vorab festgelegte Route kann über das Internet verfolgt werden. Dabei hilft uns ein IT-Spezialist. Zu jedem Zeitpunkt ist bekannt, wo wir uns gerade befinden und welches Haus das nächste sein wird.“

FOTO Gergana Mantschewa

Die Koledari aus dem Dorf Anton halten es für sehr wichtig, dieses Ritual ohne Unterbrechung jedes Jahr durchzuführen, damit alle Dorfbewohner zufrieden und glücklich sind und jedes Haus gesegnet ist. An der Tradition sollen aber auch die Kinder herangeführt werden, um sie später fortzusetzen.

FOTO Volkskulturhaus "Christo Botew - 1925" im Dorf Anton

Die Koledari tragen authentische bulgarische Trachten und Säcke, in denen die Gaben gesammelt werden. Nachdem sie die entsprechenden Koledari-Lieder gesungen und das Haus und die Familie gesegnet haben, werden sie beschenkt. Traditionelle Gaben sind Äpfel, hausgemachte Kringel, Baniza, Lukanka, Wein und Rakia, so manch einer lässt auch einen kleinen Geldbetrag springen.

Ein Teil der Geschenke verteilen die Koledari an die ärmeren Familien im Dorf, ein anderer Teil bleibt für die Gruppe, die eine eigene Feier zum Fest veranstaltet. „Der Geldbetrag, der durch den Koledari-Brauch gesammelt wird, wird dem Gemeindezentrum übergeben. Den Koledari bleibt vor allem die Freude, von Haus zu Haus zu ziehen und die Freude in den Augen der Menschen zu sehen. „Wir fühlen uns glücklich, wenn wir andere Menschen glücklich machen“ ergänzt Jordan Marinow von der Koledari-Gruppe im Dorf Anton.

 

Übersetzung: Georgetta Janewa