Politik

Artikel

Bürgerrechte im Fokus der Beziehungen zu Türkei, Serbien und Nordmazedonien

Bulgarien auf dem Balkan - Teil 2

Dienstag, 30 Dezember 2025, 10:05

Bürgerrechte im Fokus der Beziehungen zu Türkei, Serbien und Nordmazedonien

FOTO Fotocollage - Iwan Petrow

Schriftgröße

Radio Bulgarien setzt den Überblick über die bilateralen Beziehungen Bulgariens auf dem Balkan 2025 mit einem Blick auf die Türkei, Serbien und Nordmazedonien fort. Das sind Länder, in denen die bulgarischen Diasporas historisch gewachsen sind, die heute auf die aktive Diplomatie Bulgariens zählen, um den Frieden und die europäische Integration zu bewahren, aber auch um ihre Bürgerrechte zu schützen. Angesichts der zunehmenden militärischen Aktivitäten im Schwarzen Meer arbeiten Bulgarien, Rumänien und Griechenland, die benachbarte EU-Länder sind, aktiv daran, den Frieden und die Verständigung auf dem Balkan zu erhalten und die Nord-Süd-Verkehrs- und Energiekorridore auszubauen. Die Türkei als NATO-Verbündeter wird für die Festigung der Friedensarchitektur in der Region immer wertvoller.

Um den Gasvertragmit BOTAŞ zu ändern,ist aktive Diplomatie erforderlich

 

Ankara wird zu einem immer wichtigeren strategischen Partner für die EU und die westlichen Verbündeten.

Mehmet Yumer

FOTO BTA

„So unbequem er auch sein mag, ist Erdogan für seine europäischen Partner ein unverzichtbarer Faktor. Aus dieser Sicht gilt dies in vollem Umfang auch für Bulgarien.

Sofia verfolgt in seiner Politik gegenüber Ankara einen konstanten Kurs. Die Regierungen wechseln, aber die Linie bleibt stabil, es gibt keine abrupten Wenden. Im vergangenen Jahr war das, was auffiel und beeindruckte, der Schutz der Menschenrechte. In der Türkei verschlechtert sich die Lage in Bezug auf die Einhaltung der Menschenrechte sehr stark“, kommentierte Mehmet Yumer, Journalist von der Internetseite obzornews.bg, für Radio Bulgarien. Vor diesem Hintergrund macht der Journalist auf den Besuch des Sofioter Bürgermeisters Wassil Tersiew in Silivri, um Solidarität mit dem verhafteten Bürgermeister von Istanbul, Ekrem Imamoglu, zu zeigen, aufmerksam.

 

Sofioter Oberbürgermeister Wassil Tersiew

FOTO Facebook/VassilTerzievZaSofia

„Tersiew sagte damals, dass "das Gefängnis Silivri nicht nur den Bürgermeister von Istanbul gefangen hält, sondern auch den Willen von Millionen türkischer Bürger. Der Besuch war ein sehr wichtiger Aspekt in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern“, betont Yumer und erinnert daran, dass die Aktion des Sofioter Bürgermeisters eine gemeinsame Initiative mit dem Netzwerk der großen europäischen Metropolen Eurocities war.

„Sofia hält sich mit eigenständigen öffentlichen Reaktionen in Bezug auf die Menschenrechte in der Türkei zurück und pflegt gute Beziehungen zu seinem südöstlichen Nachbarn. Andererseits balanciert Bulgarien weiterhin die europäischen Beziehungen zur Türkei aus“, fasst Mehmed Yumer diese Beziehungen zusammen.

In wirtschaftlicher Hinsicht ist das Ereignis des Jahres zwischen Bulgarien und der Türkei die Saga um den Gasliefervertrag zwischen dem türkischen Staatsunternehmen BOTAŞ und dem bulgarischen Unternehmen Bulgargaz, unterstreicht der Beobachter. „Was dieser ganze Streit hinterlassen hat, ist das Gefühl, dass Bulgarien vielleicht tatsächlich für etwas bezahlt, das es gar nicht verbrauchen kann“, sagt Yumer und äußert die Meinung, dass auch die Türkei ihren Willen in Bezug auf diesen Vertrag zeigen müsse. Ob sie das tun werde, sei eine Frage der Diplomatie und des Entstehens anderer Realitäten kommenden Jahr 2026.


Keine Beteiligung der bulgarischen Minderheit an Protesten in Serbien

 

Das Jahr 2025 war im Nachbarland Serbien von Bürgerprotesten gegen die Regierung geprägt. Wie positioniert sich die bulgarische Gemeinschaft in diesem Land lebt, die hauptsächlich in den östlichsten, oft als die ärmsten Regionen Serbiens geltenden Gebiete lebt?

 

Bisser Bantschew

FOTO BNR

Grundsätzlich werden die nationalen Gemeinschaften in Serbien auf Führungsebene stark vom serbischen Staat kontrolliert. Das ist eine Tradition, die noch aus der Zeit des königlichen Jugoslawiens stammt“, kommentierte Dr. Bisser Bantchew, Forscher am Institut für Balkanistik an der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften, die Bürgerproteste im benachbarten Serbien im Jahr 2025.

„Insgesamt haben die Proteste den Kern der bulgarischen Minderheit nicht berührt. Die Gemeinderäte und Aktivisten der politischen Parteien folgten im Großen und Ganzen dem von ihren Parteien vorgegebenen Muster. Die Aktivisten der Oppositionsparteien unterstützten den Protest, aber sie sind nicht so zahlreich. Dementsprechend unterstützten die lokalen Aktivisten die Regierungskoalition von Präsident Aleksandar Vučić. Die Bulgaren in Serbien, die viel unter Belgrad gelitten haben, ließen sich nicht täuschen und beteiligten sich nicht besonders massiv an den Protesten, „weil sie keine Änderungen in der staatlichen Politik gegenüber den ethnischen Gemeinschaften erwarten, unabhängig davon, wer regiert“, erklärt der Forscher.

Bürgerprotest in Zaribrod, Andenken an die Opfer der Tragödie in Novi Sad

FOTO FB/internet.portal.far

Er bezeichnet den Versuch von Präsident Aleksandar Vučić, "Bulgarien in ein antisrbisches Militärbündnis zwischen Kroatien, Albanien und dem Kosovo einzubinden, als lächerlich“.

„Tatsächlich handelt es sich weder um einen Militärbündnis noch um eine Militärallianz, sondern um ein gewöhnliches Abkommen über militärisch-technische Zusammenarbeit. Das ist so absurd, dass es sogar unter bulgarischen Diplomaten für Verwunderung sorgt“, fügt Bisser Bantchew in einem Interview für Radio Bulgarien hinzu, in dem es um die wichtigen Themen im bilateralen Kontext in diesem Jahr und die Erwartungen für 2026 geht.

 

Die Tragödie in Kochani war das Ereignis, das Bulgarien und Nordmazedonien vereint hat

„Die Zeit, die zwischen Nordmazedonien und Bulgarien vergeht, lässt sich nicht in Jahren messen. Dieses Maß ist unpassend“, sagt der 80-jährige Journalist Wladimir Perew für Radio Bulgarien, der auf die Beziehungen zwischen Sofia und Skopje aus dem Blickwinkel der weiterhin ungelösten Frage der Menschenrechte der mazedonischen Bulgaren blickt.

Wladimir Perew

FOTO BGNES

„Ein positives Ereignis des Jahres war leider für uns alle die Tragödie in Kočani, wo 63 junge Menschen bei einem verheerenden Brand in einer Diskothek ums Leben kamen. Die gesamte europäische Gemeinschaft bot Hilfe an und leistete diese auch. Aber die Hilfe Bulgariens und insbesondere des bulgarischen Volkes war von unschätzbarem Wert. Wir sprechen hier nicht nur von den Krankenwagen oder dem Sanitätsflugzeug. Wir sprechen von der Selbstlosigkeit der gesamten bulgarischen Gesellschaft, die die Verletzten aus Kočani und ihre Angehörigen aufgenommen hat, um sie bei ihrer Behandlung zu unterstützen. Dies war ein deutliches Beispiel für die Solidarität und Einheit der Menschen in Nordmazedonien und Bulgarien. Die langen, endlosen Schlangen von freiwilligen Blutspendern vor dem Notfallkrankenhaus Pirogow zeugen von der untrennbaren Einheit des Schicksals der Menschen, die durch Blut, Familie und Freundschaft verbunden sind”, sagte Perew für Radio Bulgarien.

Blutspendeaktion im Notfallkrankenhaus Pirogow für die Verletzten in der Diskothek in Kochani

FOTO redcross.bg

Auf das Thema Menschenrechte zurückkommend, zählt der Journalist die seit über einem Jahrhundert andauernden Aktionen der Bulgaren aus Mazedonien auf, um die Welt auf die Verletzung ihrer Menschenrechte im ehemaligen Jugoslawien aufmerksam zu machen. Als Fortsetzung dieser Petitionen beschreibt er auch den Besuch einer kleinen Gruppe, die er persönlich im Oktober 2025 zum Europarat begleitet hat. In Straßburg haben sie zusammen mit Georgi Tsarnomarov und Hristian Pendikov die europäischen Vertreter mit den Realitäten im heutigen Nordmazedonien vertraut gemacht.

Trotz des brutalen Überfalls auf den Journalisten in Skopje Ende des Jahres bleibt Wladimir Perew optimistisch für das neue Jahr 2026. Er glaubt, dass der bulgarische Staat und die Diplomatie der entscheidende Faktor für die Entwicklung demokratischer Beziehungen auf dem Balkan sind, insbesondere zwischen Nordmazedonien und Bulgarien.

 

Lesen Sie auch:

Bulgarien auf dem Balkan – Teil 1: Die EU-Staaten im östlichen Teil des Balkans festigten 2025 ihre Beziehungen

 

 Übersetzung: Georgetta Janewa