Musik

Nachricht

Meisterwerke bulgarischer Musikkultur:

„Ein Küken singt“ – der Beginn des Mysteriums

Sonntag, 11 Januar 2026, 14:45

Das Mysterium der bulgarischen Stimmen

Das Mysterium der bulgarischen Stimmen

FOTO Facebook /The Mystery of the Bulgarian Voices

Schriftgröße

Im Jahr 1952 wurde auf Initiative von Georgi Bojadschiew, verantwortlicher Redakteur der Redaktion „Volksmusik“ beim Bulgarischen Nationalen Rundfunk, das Ensemble für Volkslieder des Bulgarischen Rundfunks gegründet.

Kern des Ensembles war die bekannte Gruppe aus Ugartschin unter der Leitung des Kaval-Spielers Zwjatko Blagoew. Sie umfasste einen Chor und ein Orchester mit traditionellen folkloristischen Instrumenten, gegliedert in Orchestergruppen nach dem Vorbild sinfonischer Besetzungen. Das Repertoire bestand aus komponierten Bearbeitungen von Volksmusik sowie aus Originalwerken in ihrem Geist. Für das Ensemble schufen unter anderem Filip Kutew, Nikolaj Kaufman, Christo Todorow und Stefan Mutaftschiew Werke. Erster Dirigent war Boris Petrow, ihm folgten Krassimir Kjurktschijski, Dimitar Dinew und Georgi Genow.

FOTO discogs.com

Im selben Jahr 1952 kam der Schweizer Metallhändler Marcel Cellier nach Bulgarien und hörte dort erstmals bulgarische Volkslieder. Tief beeindruckt nahm er Kontakt mit der Leitung des Bulgarischen Rundfunks auf und erwarb die Ausstrahlungsrechte für mehrere Aufnahmen, die er anschließend in der Schweiz in einer Radiosendung präsentierte. Den Namen der Sendung prägte seine Ehefrau Catherine Cellier: „Das Mysterium der bulgarischen Stimmen“. Die Sendung existierte rund drei Jahrzehnte und legte den Grundstein für die heute weltbekannte Marke, entstanden aus Celliers leidenschaftlicher Forschungs- und Produzententätigkeit. 

Die erste Schallplatte mit dem Titel „Das Mysterium der bulgarischen Stimmen“ erschien 1975, gewann den renommierten französischen Preis Grand Prix du Disque der Académie Charles Cros und wurde zu einem weltweiten Erfolg.

FOTO discogs.com

„Diese erdverbundenen Mädchen erreichen und überschreiten mit erstaunlicher Leichtigkeit die Grenzen der vokalen Konventionen, die von den Musikhochschulen vorgegeben werden“, schrieb Marcel Cellier im Begleitkommentar zur ersten Platte. „Gleichzeitig bewahren sie das, was sie in ihren Dörfern gelernt haben: die Melismen, das Beben, die Verzierungen, die eiserne Treue zur Sekunde als zweistimmigem Intervall. Sie singen mit verblüffender Präzision. Das ist schlicht ein Wunder. Eine echte Perle! Schönheit der Vollkommenheit! Vollkommenheit der Schönheit! Genau zwischen diesen beiden Ausrufezeichen sollten wir suchen … das Mysterium der bulgarischen Stimmen.“ 

FOTO Facebook /The Mystery of the Bulgarian Voices

Das erste Stück auf dem ersten weltberühmten Album der Marke „Das Mysterium“ ist „Ein Küken singt“ von Krassimir Kjurktschijski (22. Juni 1936 – 15. Dezember 2011). Einer der talentiertesten und international meistgespielten bulgarischen Komponisten begann seinen künstlerischen Weg als Dirigent im Staatlichen Ensemble für Volkslieder und Tänze „Filip Kutew“ und anschließend im Ensemble für Volkslieder des Bulgarischen Rundfunks. In dieser Zeit schuf Kjurktschijski mit großer Liebe und tiefem Respekt für die bulgarische Folklore seine einzigartigen chorischen Miniaturen, die er bescheiden selbst als „Harmonisierungen von Volksliedern“ bezeichnete. Schon mit den ersten Klängen von „Ein Küken singt“ überwältigen die Mädchen des Rundfunkensembles, packen einen an der Kehle und treffen direkt ins Herz. 

Vor Kurzem schilderte die britische Opernsängerin Jessica Leschnikow in einem Interview für Radio Bulgarien ihre Eindrücke vom ersten Hören des Albums „Das Mysterium der bulgarischen Stimmen“:

„Ich war völlig überwältigt von diesem Gesang. Er brachte mich zum Weinen. Er brachte mich zum Lachen. Er ließ mich eine Freude empfinden, die ich nicht erklären konnte, weil sie sich wie eine Verbindung anfühlte … er ergreift mein Herz auf eine Weise, wie es nur sehr wenige andere Formen des Singens und der Musik vermögen.“ Was ließe sich dem noch hinzufügen… 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov