Autor
Gergana Mantschewa
Artikel
Omas in Dobarsko hüten einen Schatz unserer Folklore – die Wodizi-Gesänge
Mittwoch 7 Januar 2026 14:33
Mittwoch, 7 Januar 2026, 14:33
FOTO BNR Blagoewgrad
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Das Dorf Dobarsko, unweit vom beliebtesten Winterresort Bulgariens – Bansko, hat längst die Herzen der Touristen erobert. Neben reiner Luft und atemberaubenden Ausblicken auf drei Gebirge – Rila, Pirin und die Rhodopen – zieht Dobarsko mit seiner Geschichte und seinem geistigen Erbe, die von den Einheimischen sorgfältig gepflegt werden, viele Besucher an.
FOTO BTA
Kaum ein Bulgare wird das Bergdorf zu irgendeiner Jahreszeit besucht haben, ohne von den Fresken in der örtlichen Kirche „St. Theodor Tyrann und St. Theodor Stratilat“ beeindruckt zu sein. Lebendiges Treiben herrscht im Dorf jedoch besonders Anfang des Jahres, wenn das Erscheinungsfest in Dobarsko begangen wird, das mit dem Brauch Wodizi verbunden, der an den beiden großen orthodoxen Feiertagen – Jordantag und Johannistag – gefeiert wird.
Die Feier beginnt mit einer Epiphanie-Liturgie in der Kirche „Darbringung des Herrn“ und dem Ritual der Rettung des Kreuzes durch einen der zahlreichen Männer, die in die eiskalten Wasser des Flusses Klinez steigen. Danach verlagert sich das Festprogramm auf den Dorfplatz, wo bulgarische Volkslieder erklingen und Reigen getanzt werden. Dabei richtet sich die Aufmerksamkeit besonders auf die Gesangsgruppe der Dobarsko-Omas. Sie haben sich bereits den Spitznamen „Symbol von Dobarsko“ erworben und verbreiten den Ruhm ihres Heimatdorfs in nah und fern.
FOTO Gemeinde Raslog
Mit ihren klaren, kräftigen Stimmen sind die Frauen eine Attraktion für die Besucher. Die Gesangsgruppe, die dem örtlichen Volkskulturhaus angehört, bewahrt jedoch vor allem die Lieder und Traditionen dieser Region. Hier sind alte Lieder erhalten geblieben, die in anderen Orten Bulgariens unbekannt sind. Sie sind als „Wassergesänge“ bekannt und eng mit dem Brauch Wodizi verbunden, der in Dobarsko bis heute gepflegt wird. Ursprünglich wurden sie nur von Mädchen oder Frauen gesungen. In roten Kleidern ziehen sie von Haus zu Haus und besprengen mit geweihtem Wasser die Häuser, in die sie eintreten.
Die Wassergesänge der Dobarski-Omas umfassen Lieder für jeden Haushalt. Ähnlich wie die männlichen Weihnachts- und Neujahrsgruppen (Koledari und Surwakari) wünschen sie mit damit Gesundheit, Liebe und Wohlstand herbei. Das Ritual findet am Morgen des 7. Januar, dem Johannistag, statt, wenn die jungen Frauen jedes Haus in Dobarsko besuchen.
Heute werden die Wassergesänge ausschließlich von der Gruppe der Dobarsko-Omas aufgeführt. Derzeit beträgt das Durchschnittsalter der Mitglieder etwa 80 Jahre. Begleitet werden sie von der Gruppe „Kitka“, jungen Leuten aus Dobarsko, die die Wassergesänge erlernen und die Tradition fortführen werden.
FOTO BNR Blagoewgrad
„Derzeit haben wir keine feste Leitung, aber sie treffen sich, proben die Lieder, und das Repertoire wird an die Jungen weitergegeben“, erklärte der Vorsitzende des Volkskulturhauses von Dobarsko, Krassimir Makriew. Die feste Anzahl der Dobarski-Omas liege bei sieben bis acht Frauen, ebenso wie die Gruppe der Jungen. Die Tradition wird nicht verschwinden, da alle in Dobarsko daran interessiert sind und gebannt dem Gesang lauschen. Die Atmosphäre ist besonders eindrucksvoll, selbst an frostigen Januartagen – bestätigen Besucher der Wodizi-Feier.
Über viele Jahre war Smilina Popowa die Leiterin der Gesangsgruppe. Sie kam aus einem benachbarten Dorf, um das Repertoire der Dobarsko-Omas zu pflegen. „Man erkennt die Darbietung der Dobarsko-Omas am zweistimmigen Gesang“, sagte Smilina Popowa in einem Interview mit Darina Arnaudowa aus dem BNR-Archiv.
„Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, die alte Folklore von Dobarsko wiederzubeleben. Für mich sind die sogenannten Wassergesänge das Emblem. Alle Frauen im Dorf kennen sie, wir haben sie an die Jungen weitergegeben. Dafür hat uns das Kulturministerium als eines der ‚Lebenden menschlichen Schätze Bulgariens‘ nominiert. Wir singen in der Gruppe auch andere Lieder, Alltags- und Arbeitslieder, wie sie im ganzen Land vorkommen, aber unsere unterscheiden sich ein wenig in Ausführung und Klang. Man erkennt die Dobarsko-Gruppe daran, dass sie schwere Lieder singen, wie sie nach der Arbeit vom Feld gesungen wurden, zweistimmig mit einer führenden Stimme und mehreren Bordunstimmen, die harmonisch kombiniert werden und ein wahrer Genuss für die Zuhörer sind. Auf diese Lieder haben wir uns konzentriert, weil sie sehr schwierig sind und wir wollten sie bewahren und der jungen Gruppe weitergeben“, sagte Smilina Popowa.
FOTO BNR Blagoewgrad
Die Wassergesänge existieren ausschließlich in Dobarsko und werden nur von Mädchen am Johannistag (7. Januar) gesungen, erklärte Smilina Popowa. Und weiter sagte sie:
„Es gibt etwa 28–30 Lieder, mit denen die Sängerinnen jede Familie besuchen, ähnlich wie die Weihnachtssänger Koledari. Sie passen die Lieder, die sie singen, dem jeweiligen Haushalt an und wünschen Gesundheit, Freude, Hochzeit, Fruchtbarkeit, Wohlstand, Liebe, Kinder usw. Sie werden nur am Johannistag gesungen. Der Umzug beginnt frühmorgens mit einem kleinen Gefäß mit geweihtem Wasser, in das ein mit einem roten Faden umgebundener Strauß mit einem Basilikumzweig darin getaucht ist. Damit werden die Häuser gesegnet. Wir haben viele Lieder, die die Jungen mit Freude übernommen haben. Anfangs war es schwierig, sie zu motivieren, diese Lieder zu lernen und zu singen. Doch dann erkannten sie, dass diese Lieder nicht nur von Folkloristen hoch geschätzt werden, sondern auch von Wissenschaftlern, die sich mit der bulgarischen Folklore befassen, mit großem Interesse angenommen werden. Deshalb führen die Jungen aus Dobarsko sie heute gerne auf, kennen sie und so wird die Tradition bewahrt“, sagte Smilina Popowa.
FOTO Gemeinde Raslog
Mit den Wassergesängen tritt die Dobarsko-Gruppe auf Festivals im ganzen Land auf. Sie singen das ganze Jahr über bei Folklorefesten und vor Gästen aus dem Ausland. Dies bereitet jeder Dobarsko-Oma große Freude und Stolz, da sie ihre Mission erfüllen und den Geist der Heimat bewahren.
Eine Teilnehmerin der Gruppe, Magdalina Sachariewa, erzählte Darina Arnaudowa:
„Wir singen bei vielen Feiertagen – am 8. März, zu Weihnachten… Bei uns ist es so, wenn wir uns versammeln: Zuerst singen wir Omas, danach auch die jungen Frauen. Es ist sehr schön, lustig. Wir kommen gern zusammen, für uns ist es eine Unterhaltung, eine Erleichterung – wir lassen die Sorgen zu Hause, lachen, singen, und zusammen macht es Spaß. Wir verabreden die Uhrzeit, jede lässt die Arbeit zu Hause, und wir kommen hierher zu den Proben, um unsere Lieder zu singen“, schilderte Magdalina Sachariewa.
Wenn Sie in den Genuss der wunderbaren Wodizi-Gesänge der Omas aus Dobarsko kommen wollen, dann hören Sie unbedingt in unseren heutigen Podcast hinein!
Übersetzung: Rossiza Radulowa
Gestaltet von Rossiza Radulowa