Autor
Nesabrawka Kirowa
Bericht
Freitag 9 Januar 2026 11:17
Freitag, 9 Januar 2026, 11:17
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Rentnerinnen und Rentner in Bulgarien erhalten ihre ersten Rentenzahlungen in Euro, nachdem unser Land mit Beginn des Jahres 2026 das 21. Mitglied der Eurozone geworden ist. Die Auszahlung begann am 7. Januar: Die Beträge wurden zunächst auf die Konten jener überwiesen, die ihre Rente per Bank erhalten, während sich vor den Postämtern lange Schlangen bildeten.
Damit schloss ein Kapitel in der Geschichte des Nationalen Sozialversicherungsinstituts ab, in dem der Lew über mehr als ein Jahrhundert hinweg den Arbeitsweg mehrerer Generationen begleitet hatte. Wie nehmen die Menschen diese Veränderung auf?
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Bereits um 6.00 Uhr morgens am 7. Januar stellten sich die ersten Rentner vor der Zentralpost in Silistra an, berichtete die Korrespondentin des Bulgarischen Nationalen Rundfunks in der Donaustadt, Nesabrawka Kirowa. Obwohl die Frist für den Erhalt der Renten bis zum 20. Januar läuft, beeilten sich viele – nicht nur aus finanzieller Notwendigkeit, sondern auch wegen der Umstellung auf die neue Währung. Die Stimmungen reichten von vorsichtigem Optimismus bis hin zu Resignation.
„Ob in Euro oder in Lewa – das Geld reicht trotzdem nicht“, kommentieren viele. Die Preise steigen, und es spiele keine Rolle, in welcher Währung bezahlt werde.
„Wir werden jetzt in Euro einkaufen, hoffentlich wird unser Leben besser. Ich bin optimistisch, denn im Geschäft habe ich sechzehn Euro bezahlt, während ich früher über dreißig Lewa hätte geben müssen. Früher konnte ich mit zwanzig Lewa meinen Einkaufskorb nicht füllen, jetzt schaffe ich mit zwanzig Euro mehr“, sagt eine Frau aus Silistra und versuchte, der Situation etwas Positives abzugewinnen. „Vielleicht reicht es nicht, aber es ist immerhin etwas. Es mag wenig sein, aber besser als nichts. Es gibt Menschen, die nicht einmal das haben.“
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Seit Jahresbeginn 2026 erhalten Rentner mit Mindestalters- und Dienstzeitrente monatlich 322,37 Euro, während die Höchstrente 1.738,40 Euro beträgt.
„Zum ersten Mal sehe ich Euro, ich war nie im Ausland“, sagte eine weitere Bewohnerin von Silistra. „Jetzt werde ich nicht sofort bezahlen, sondern mir die Scheine erst zu Hause anschauen. Sie sind korrekt umgerechnet, jetzt werde ich selbst anfangen zu rechnen. Mit dem Lew war es genauso: Rente abholen und gleich Strom, Wasser und Telefon bezahlen. Es wird schwierig, aber wir werden uns daran gewöhnen.“
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Von der Bulgarischen Post heißt es, dass in der Zentralpost von Silistra zwei Schalter in Betrieb sind, so wie es die Vorschriften vorsehen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden für die Arbeit mit der neuen Software geschult. Im Dezember wurden dort nahezu 1,4 Millionen Lewa an rund 1.200 Rentner ausgezahlt, von denen 550 Personen eine Zustellung nach Hause beantragt haben. Mehr als siebzig Poststellen in der Region zahlen ebenfalls Renten aus, nach einem festen Zeitplan, erklärte Hjussein Hamdi, Leiter der regionalen Niederlassung der Bulgarischen Post in Silistra, und betonte, dass alle über die notwendige technische Ausstattung verfügen.
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„Wir verfügen über ein Softwareprodukt, das bereits nach dem gesetzlich festgelegten offiziellen Eurokurs umrechnet. Es gibt Münz- und Banknotenzählmaschinen sowie Prüfgeräte zur Erkennung von Falschgeld. Die Kolleginnen an den Kassen wurden darin geschult, die neuen Euro-Münzen und -Banknoten zu erkennen“, erklärte Hjussein Hamdi.
Ziel sei es, Fehler beim Umtausch zu vermeiden, die sowohl die Kunden als auch die Kassierer benachteiligen könnten, da die Umstellung mit zusätzlichem Druck verbunden sei. Dank des Informationssystems könnten Rentner zudem ihre Renten in jedem Postamt erhalten.
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Die Renten sind nun in Euro, die Sorgen und Hoffnungen aber bleiben dieselben. Für manche ist es lediglich ein Wechsel der Banknoten, für andere ein weiteres Unbekanntes. Für die meisten jedoch ist es einfach der nächste Monat, in dem sie genau rechnen müssen. Zwischen dem Lew von gestern und dem Euro von heute suchen die Menschen weniger eine neue Währung als vielmehr die Gewissheit, dass das Geld reicht – zumindest bis zum Monatsende.
Übersetzung: Rossiza Radulowa
Gestaltet von Rossiza Radulowa