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Meisterwerke bulgarischer Musikkultur:

„Wie schön du bist, mein Wald“

Sonntag, 8 Februar 2026, 10:45

„Wie schön du bist, mein Wald“

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Ljuben Karawelow (1834 –1879) war eine bedeutende Persönlichkeit der nationalen Befreiungsbewegung, ein Enzyklopädist, Autor poetischer und belletristischer Werke, Publizist und Folklorist.

Ljuben Karawelow (1834 –1879)

FOTO bulgarianhistory.org

Nach Jahren des Studiums und der Arbeit außerhalb seiner Heimatstadt Kopriwschtiza und der bulgarischen Ländereien – er studierte in Plowdiw und Edirne, später in Konstantinopel, Odessa, Belgrad und Novi Sad – zog Karawelow nach Bukarest. Dort gelangte er schnell in die Kreise der revolutionär gesinnten bulgarischen Emigranten und wurde aufgrund seines Redetalents zu einer der einflussreichen Stimmen unter ihnen. Seine Hauptwaffe war die Zeitung „Swoboda“ – ein Forum für seine Ideen, um die sich zahlreiche Revolutionäre sammelten. Karawelow half auch dem jungen Christo Botew, der 1872 begann, für die Zeitung zu schreiben. 

Eine zentrale Rolle spielte er bei der Gründung des Bulgarischen Revolutionären Zentralkomitees (BRZK). Karawelow war die starke Persönlichkeit, die einen großen Teil der Emigranten vereinte und die Entscheidung festigte, den Weg des bewaffneten Kampfes einzuschlagen, beeinflusst von den Ideen Rakowskis und der praktischen Erfahrung Lewskis. Karawelow war ein brillanter Redner und außerordentlich gebildet.  

Zeitung „Swoboda“, herausgegeben von Lkjuben Karawelow

FOTO probuzhdane.wordpress.com

Einige seiner Schwächen – wie Unbeständigkeit und mangelndes Verständnis für die Stimmungen des bulgarischen Volkes, bedingt durch seine lange Abwesenheit – führten zu fatalen Fehlern. So kam es zur Trennung zwischen Karawelow und Lewski. Nach dem Tod des Apostels (1873) zog Karawelow eine umfassende Bilanz seines Wirkens und zog sich enttäuscht aus den revolutionären Kreisen zurück, da er der Ansicht war, dass Freiheit nur durch Bildung erreicht werden könne. Nach 1874 widmete er sich daher ganz der literarischen und bildungsfördernden Arbeit und überließ das BRZK dem jungen, unerfahrenen, aber inspirierten und entschlossenen Christo Botew. 

1875 schrieb Karawelow seine berühmte Elegie „Wie schön du bist, mein Wald“ – eine nostalgische Hommage an die bulgarische Heimat und Natur. Die Verse preisen die bezaubernde Schönheit des Vaterlandes, heilig für jeden Bulgaren, besonders wenn er fern davon weilt. Karawelow, der seine aktivsten Jahre in der Fremde verbringen musste, sehnte sich unaufhörlich nach der Heimat und kehrte in diesen Zeilen in Gedanken dorthin zurück, um seine Bewunderung, Liebe und Sehnsucht auszudrücken. 

Georgi Goranow (1882 – 1905)

FOTO Archiv

Etwa ein Vierteljahrhundert später komponierte der junge Musiker Georgi Goranow (Geburtsname Georgi Dimitrow Jowew) eine Melodie zu dieser Elegie, die heute als nationale Klassik gilt. Goranow wurde 1882 in Kjustendil in einer Familie von mazedonischen bulgarischen Emigranten geboren. Er studierte an der Pädagogischen Schule seiner Heimatstadt und zeigte sein musikalisches Talent im Laienchor und -orchester. 

1900 wurde der bekannte tschechische Komponist, Musiktheoretiker, Folklorist und Forscher der bulgarischen Volksmusik, Karel Mahan, Musiklehrer in Kjustendil. Er prägte das musikalische Leben der Stadt entscheidend, gründete einen vierstimmigen Chor mit 100 Mitgliedern, ein großes Streich- und gemischtes Orchester und ein Sängerensemble, das später zum Chor „Kawal“ wurde. Unter seinen Schülern waren neben Goranow auch der spätere berühmte Komponist Nikola Atanasow, Autor der ersten bulgarischen Sinfonie. Mahan erkannte Goranows Talent und ermutigte ihn, sich voll der Musik zu widmen. Er förderte Goranows Interesse an Violine, Musiktheorie, Solfeggio, Harmonielehre und Chormusik.

Schon 1900, mit 18 Jahren, komponierte Goranow Musik zu „Das Lied der Arbeit“ von Georgi Kirkow. Der Marsch wurde zur Hymne der Arbeiterchöre, bekannt unter den Anfangsworten „Gemeinschaftslied“. 1902 reiste Goranow nach Zagreb, um Musik zu studieren, kehrte aber krankheitsbedingt zurück und starb mit nur 23 Jahren in Kjustendil. Er hinterließ rund 80 Lieder, darunter populäre Stücke wie „Befreiung“, „Steht auf, steht auf“, „Sing mir, Mazedonierin“, „Ein Held sprach im Wald“, sowie Stücke für Violine, Mandolinenorchester, Walzer, Mazurken und Polkas. Er bleibt in der bulgarischen Musikgeschichte mit „Gemeinschaftslied“ und „Wie schön du bist, mein Wald“ unvergessen. 

Georgi Goranows Harmonium, auf dem er eine Reihe von Werken komponierte

FOTO Archiv

Auf Vorschlag der berühmten Folkloristin Rajna Katzarowa wurde „Wie schön du bist, mein Wald“ als inoffizielle Hymne von Kopriwschtiza und des ersten Nationaltreffens der bulgarischen Volkskunst 1965 anerkannt. 2014 wurde das Lied offiziell zur Hymne der „revolutionären Hauptstadt der bulgarischen Wiedergeburt“ – der Stadt Kopriwschtiza – erklärt. Heute ist das Stück besonders beliebt bei Bulgaren, die außerhalb des Heimatlandes leben. Gemeinsam mit „Sag mir, weiße Wolke“ von Ran Bossilek gilt es als Symbol der bulgarischen Emigranten. 

Eine der eindrucksvollsten Interpretationen dieser nationalen Klassik ist die Aufführung durch den Gemischten Chor und das Symphonieorchester des Bulgarischen Nationalen Rundfunks, dirigiert von Michail Milkow – eine Persönlichkeit von herausragendem Einfluss auf die bulgarische Chormusik.

Hier präsentieren wir eine modernere Interpretation – vom Kinderchor des Bulgarischen Nationalen Rundfunks (BNR). Die Aufnahme stammt vom Festkonzert zum Tag der Volksaufklärer in der Halle „Bulgaria“ am 1. November 2024. Solistin ist Viktoria Ljubomirowa. 


Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov