Dreisprachiges Album zu den geistigen Verbindungen Bulgariens und Georgiens

Samstag, 17 Januar 2026, 16:05

Dreisprachiges Album zu den geistigen Verbindungen Bulgariens und Georgiens

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Das dreisprachige Album „Entwicklung der georgisch-bulgarischen bilateralen Beziehungen“, das im vergangenen Jahr an der Staatlichen Universität Suchumi in Tiflis vorgestellt wurde, nimmt die Leserinnen und Leser mit auf eine spannende Reise, auf der Geschichte, Kultur und die geistigen Verbindungen zwischen den beiden alten Völkern lebendig werden. Wie Prof. Indira Dsaganija, Leiterin des Departments für internationale Beziehungen und interkulturelle Verbindungen an der Hochschule sowie des kreativen Teams, erklärte, sei jedes Aufschlagen des Buches eine neue Begegnung mit dem Verständnis und dem Respekt, die der Zusammenarbeit zwischen beiden Nationen zugrunde liegen. 

Prof. Indira Dsaganija

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Das reich illustrierte Album – erarbeitet von Lehrenden des Departments sowie von der Leiterin des Bulgarischen Lektorats an der Staatlichen Universität Suchumi, Hauptassistentin Iwana Petkowa – erschien auf Bulgarisch, Georgisch und Englisch. Nachgezeichnet wurde die jahrhundertelange Entwicklung Bulgariens und Georgiens, wobei deren zivilisatorische Einheit sichtbar wurde, die sich bis heute auch in der Entscheidung für einen europäischen Weg bestätigte. 

Hauptassistentin Iwana Petkowa

FOTO Facebook/EmbassyBulgariaTbilisi

„Es gibt historische Zeugnisse für eine protobulgarische Besiedlung des Südkaukasus bereits im 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. – lange vor der Gründung des bulgarischen Staates“, berichtete Iwana Petkowa. „Systematische bulgarisch-georgische Beziehungen begannen jedoch im 10. Jahrhundert nach der Christianisierung Bulgariens. In der wissenschaftlichen Literatur wird darauf hingewiesen, dass die Bulgaren von den Iberern (den ethnischen Georgiern) wussten und die Georgier vom Land der Bulgaren. Erstmals werden die Bewohner des Iberischen Königreichs, das sich auf dem Gebiet des antiken Kolchis befand, im Leben des Konstantin-Kyrill des Philosophen erwähnt – im berühmten Disput auf dem Konzil von Venedig und bei der Widerlegung der dreisprachigen Dogmatik. Der Schöpfer des slawischen Alphabets führte dabei folgendes Argument an: ‚Wir wissen viele Völker, die Bücher haben und Gott verherrlichen, jeder in seiner eigenen Sprache. Bekannt ist, dass darunter (…) auch die Iberer (…) und viele andere sind.‘“ 

Der Botschafter der Republik Bulgarien in Georgien, Wesselin Walkanow, und Prof. Indira Dsaganija bei der Präsentation des Albums

FOTO Facebook/EmbassyBulgariaTbilisi

Leider beschränkten sich die Kenntnisse vieler heutiger Georgier über Bulgarien auf die Schwarzmeerurlaubsorte sowie auf eine im sowjetischen und postsowjetischen Raum bewusst genährte Fehlvorstellung, wonach in Bulgarien mit russischen Buchstaben geschrieben werde. 

„In diesem Zusammenhang betone ich, dass auf dem Gebiet des heutigen Bulgariens, genauer in der Preslawer Literaturschule, die Schüler von Kyrill und Method einen neuen Zeichenstandard der Glagoliza entwickelten – die Kyrilliza, die heute von drei Vierteln der slawischen Welt sowie in den Schriftsystemen zahlreicher Sprachen Ost- und Zentralasiens verwendet wird“, hob Iwana Petkowa hervor. „Ich unterstreiche zudem, dass die erste Literatursprache der slawischen Welt ihrer ethno-linguistischen Prägung nach Altbulgarisch war und bereits im 10. Jahrhundert als vierte Kultursprache Europas den Status einer heiligen Sprache erhielt.“ 

Auch das Goldene Zeitalter des bulgarischen Staates, die Zeit der Nationalen Wiedergeburt sowie die nationalen Befreiungskämpfe fanden im Band ihren Platz. Das Kloster, das von den Georgiern „Petricioni“ genannt wird, erinnerte bis heute an die Annäherung der beiden Völker, die durch ihre Zugehörigkeit zur orthodoxen Welt unter byzantinischem Einfluss geprägt wurde. 

Batschkowo-Kloster „Mariä Aufnahme in den Himmel“

FOTO asenovgrad.bg

„Die Georgier können aus dem Album vieles nicht nur über Bulgarien, sondern auch über sich selbst erfahren“, sagte Iwana Petkowa weiter. „Ein Symbol der georgisch-bulgarischen geistigen Verbindungen ist das Batschkowo-Kloster, das im Jahr 1083 vom Georgier Grigorij Bakuriani – einem byzantinischen Feldherrn und Staatsmann – erbaut wurde. Sie können von den Verbindungen zwischen dem georgischen Kloster Iwiron auf dem Berg Athos mit seiner Hauptreliquie, der wundertätigen Ikone der Gottesmutter, und den bulgarischen Klöstern ‚Hl. Georgi Sograf‘ und ‚Chilandar‘ erfahren. Sie können über die epigrafischen Denkmäler von Prowadia und die einzigartige georgische Felseninschrift mit Zeichnungen aus dem 14. Jahrhundert lernen. Sie können erfahren, dass der Roman ‚Unter dem Joch‘ von Iwan Wasow im Jahr 1901 vom georgischen Intellektuellen und Schriftsteller Tedo Sachokia übersetzt wurde und dass der Übersetzer dem Autor in Paris die georgische Übersetzung des ersten bulgarischen Romans schenkte. Ebenso können sie erfahren, dass Iwan Wasow im selben Jahr in der angesehenen Zeitschrift ‚Balgarska sbirka‘ seinen Essay ‚Ein Blick auf das historische Leben des georgischen Volkes‘ veröffentlichte.“ 

Ein weiterer wichtiger Fakt war die Teilnahme zahlreicher Georgier – einfacher Soldaten, Offiziere und Angehöriger des Adels – am Russisch-Türkischen Befreiungskrieg. Unter ihnen befand sich der georgische Fürst Alexej Zereteli, der eine bedeutende Rolle in den Kämpfen am Schipka-Pass spielte. An seinen Beitrag erinnerten bis heute Straßen mit seinem Namen in Sofia und Plowdiw. 

Basrelief des Fürsten Alexej Zereteli in Sweti Wlas

FOTO epicenter.bg

Eines der Ziele des Albums bestand darin, die Bildungs- und Kulturbeziehungen zwischen beiden Ländern zu fördern. „Das Bulgarische Lektorat intensivierte diese Verbindungen in einem eigenen Kapitel ‚Bulgarien und die Staatliche Universität Suchumi‘“, ergänzte Iwana Petkowa. 

„Ich habe die Idee zur Schaffung einer akademischen Plattform“, fuhr sie fort. „Sie könnte ‚Bulgarisch-Georgisches Zentrum für Sprach- und Kulturforschung‘ oder ‚Bulgarisch-Georgisches Zentrum für Tradition, Sprache und Kultur‘ heißen. Diese Struktur würde ein breiteres Spektrum an Aktivitäten abdecken und mehr Menschen unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Interessen im Bereich der bulgarisch-georgischen Beziehungen Zugang zum Bulgarischunterricht ermöglichen. So würden wir ein breiteres Publikum für das Erlernen unserer Sprache öffnen, und die Universität selbst würde ihr Profil als regionales akademisches Zentrum für Bulgaristik im Südkaukasus stärken.“

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Der alte Ursprung, die Lage an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien, die jahrhundertelangen Invasionen äußerer Eroberer und die schweren Kämpfe gegen sie – all dies brachte die beiden Völker einander näher. Und trotz ihres nicht leichten historischen Schicksals gelang es ihnen, ihre Sprache und ihre nationale Identität zu bewahren. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov