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Montag 19 Januar 2026 10:30
Montag, 19 Januar 2026, 10:30
FOTO Alexandra Karamichalewa
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Wir trafen Aaltje van den Heuvel – ter Horst in der bulgarischen Kirche in Den Haag. Sie wurde in Plowdiw geboren und lebt heute in Hoek van Holland, Gemeinde Rotterdam. Sie stammt aus einer gemischten Ehe – ihre Mutter ist Bulgarin, ihr Vater Niederländer, der zwei Jahrzehnte in Bulgarien lebte. Die Familie ließ sich 1996 in den Niederlanden nieder, als Aaltje 15 Jahre alt war. Heute hat sie eine eigene Familie: Sie ist mit einem Niederländer verheiratet, Mutter eines 15-jährigen Sohnes und einer 13-jährigen Tochter. Beruflich arbeitet sie als Finanzadministratorin und ist zugleich Kassiererin unserer Kirchengemeinde in Den Haag. Sie erinnerte sich an die Zeit der Gründung der Bulgarischen Orthodoxen Kirchengemeinde in den Niederlanden und sagte gegenüber dem Team unseres spezialisierten Podcasts „Brücke des Glaubens“:
„Anfang des Jahres 2000 wurde Vater Rumen Kalajdschiew hierher entsandt mit der Mission, eine Kirche aufzubauen. Ich erinnere mich persönlich daran, dass es damals noch kaum Organisation gab und wir nicht wussten, wer alles in den Niederlanden lebte. An einem 24. Mai stellten wir im Gebäude der Botschaft einen kleinen Tisch auf, legten Listen aus und sammelten Namen, Telefonnummern und Adressen. Damals waren es nicht mehr als 200 Menschen, heute sind es sehr, sehr viel mehr.“
Ihre Mutter, Fimija Margaritowa – ter Horst, Ingenieurin von Beruf, beteiligte sich aktiv an der Gründung der Gemeinde und an der Suche nach einem Ort, an dem die Heilige Liturgie auf Bulgarisch gefeiert werden konnte. Sie besuchte die heutige bulgarische Kirche bereits seit 1997, als sie von einer russisch-orthodoxen Gemeinde betreut wurde. Deren Mitglieder waren damals bereits hochbetagt, was die Instandhaltung des Gotteshauses erschwerte.
„Die Kirchenvorsteher waren schon in fortgeschrittenem Alter und wollten im Jahr 2000 aufhören, weil nur noch fünf oder sechs Personen geblieben waren“, erzählte Aaltje. „Damals sprach meine Mutter mit ihnen, und sie sagten: ‚Oh, wie wunderbar, dass ihr eine Kirche wollt! Bitte sehr, übernehmt den Vertrag, damit der Tempel erhalten bleibt.‘“
FOTO Alexandra Karamichalewa
So übernahm die neu gegründete bulgarische Kirchengemeinde den Mietvertrag für das Gebäude mit der Stadt Den Haag. „Ich meine, im Juni wurde der Vertrag von der russischen Kirchengemeinschaft an die bulgarische ‚Hl. Paisij Chilendarski‘ übergeben“, präzisierte Aaltje ter Horst.
Ihren Angaben zufolge wurde der Name der Kirchengemeinde von Vater Rumen gewählt. Den ursprünglichen Namen des Gotteshauses habe man nicht gekannt, doch aufgrund der Platzierung der Ikone der heiligen Erzengel Michael und Gabriel an der Ikonostase sei man zu dem Schluss gekommen, dass die Kirche ihnen geweiht sei. Der heilige Johannes von Shanghai und San Francisco gründete in den Niederlanden drei orthodoxe Kirchen – in Den Haag, Amsterdam und Arnheim. Die Kirche „Hl. Erzengel Michael und Gabriel“, 1954 gegründet, ist eine davon.
Die 25-jährige Geschichte der bulgarischen Kirche in Den Haag ist für unsere Gesprächspartnerin zugleich eine Familiengeschichte – ein Großteil ihres bewussten Lebens ist mit diesem Ort verbunden. Sie erinnerte sich daran, wie sie gemeinsam mit ihren Eltern an Renovierungsarbeiten beteiligt war, nachdem die bulgarische Gemeinschaft im Jahr 2000 die Verantwortung übernommen hatte. In dieser Kirche wurde sie mit ihrem niederländischen Ehemann getraut, hier wuchsen ihre Kinder auf. Deshalb fiel ihre Antwort auf die Frage, was diese Kirche für sie bedeute, eindeutig aus:
FOTO Alexandra Karamichalewa
„Das ist ein kleines Stück Bulgarien – so weit wir auch von Bulgarien entfernt sind. Es fehlt uns. Und hier bekommt man diese Liebe, diese Schönheit des Bulgarischen. Man fühlt sich wie zu Hause, und das ist für mich sehr wichtig. Wir brauchen es, Teil einer Gemeinschaft zu sein, zusammenzukommen, Freunde und Bekannte von heute und von früher zu treffen. Für mich ist es Heimat.“
„Zuhause“, „Familie“, „Halt“, „Sicherheit“ – das sind die häufigsten Antworten, wenn wir Landsleute fragen, was die bulgarische Kirche für sie bedeutet. So ist es auch für Aaltje ter Horst: ein Ort der Geborgenheit, besonders seit dem Kauf des Gebäudes. Ihrer Ansicht nach schenkt die Tatsache, dass die Gemeinde seit 2018 nicht mehr Mieter, sondern Eigentümer ist, den Bulgaren in den Niederlanden zusätzliche Sicherheit. Dafür seien sie sehr dankbar – Gott, der Bulgarischen Orthodoxen Kirche und dem bulgarischen Staat.
Aaltje ter Horst mit dem west- und mitteleuropäischen Metropoliten Antonius
FOTO Alexandra Karamichalewa
Mit Zufriedenheit stellte sie fest, dass die Gemeinde zwar langsam, aber stetig wachse, und wünschte sich, dass die Kirche weiterhin gut besucht bleibe. Als entscheidenden Faktor für den Zusammenhalt nannten viele Gemeindemitglieder die Persönlichkeit des Priesters. Auch unsere Gesprächspartnerin fand warme Worte für die Geistlichen, die im Laufe der Jahre in Den Haag wirkten, und hob hervor, dass Gott in den vergangenen 25 Jahren jeweils zur richtigen Zeit den passendsten Priester mit den nötigen menschlichen Eigenschaften und von Gott gegebenen Gaben gesandt habe. Gemeinsam sei ihnen die Hingabe an ihren priesterlichen Dienst und das Verständnis, dass dieser eine ihnen von Gott anvertraute Mission sei.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov