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Diana Zankowa
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Dienstag 20 Januar 2026 12:05
Dienstag, 20 Januar 2026, 12:05
FOTO Fotocollage: Iwan Petrow
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In der Regel herrschen im Vorfeld der Olympischen Spiele Aufbruchsstimmung und die Hoffnung auf Medaillen mit edlem Glanz für den nationalen Spitzensport. In Bulgarien wird diese Erwartung jedoch durch anhaltende Skandale und Gerichtsverfahren im Bulgarischen Olympischen Komitee (BOK) gedämpft.
Zwanzig Athletinnen und Athleten aus den Wintersportarten werden Bulgarien bei dem für sie wichtigsten Wettbewerb vertreten, der vom 6. bis 22. Februar dieses Jahres in den italienischen Städten Mailand und Cortina d’Ampezzo stattfinden wird. Trotz äußerst schwieriger Rahmenbedingungen und einer für das nationale Selbstverständnis demütigenden Situation wird zu den Olympischen Spielen möglicherweise das stärkste bulgarische Team der letzten Jahrzehnte reisen.
Kamen Alipiew
FOTO Ani Petrowa
„Der bulgarische Sport hat einen historischen Tiefpunkt erreicht – nicht in sportlicher Hinsicht, sondern was administrative Entscheidungen, politische Einflussnahme und die Übernahme von Verbänden sowie des Bulgarischen Olympischen Komitees betrifft“, sagte der Sportjournalist Kamen Alipiew. „Obwohl im März 2025 im BOK ordnungsgemäße Wahlen stattfanden und die bisherige Vorsitzende – die legendäre Hochspringerin Stefka Kostadinowa – ihrer Konkurrentin Wessela Letschewa die Hand reichte und ihre Niederlage anerkannte, wurden unter politischem Einfluss zahlreiche Klagen eingereicht. So entstand der rechtliche Widerspruch, dass die gewählte Vorsitzende vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannt wird, das bulgarische Gericht dies jedoch für unzureichend hält. Deshalb arbeitet der BOK unter äußerst schwierigen Bedingungen, und vor diesem Hintergrund sind die Erwartungen an die Olympischen Spiele nicht besonders hoch.“
Wessela Letschewa und Stefka Kostadinowa
FOTO BTA
Nach Einschätzung des Journalisten braucht der bulgarische Sport einen grundlegenden Wandel im Management. „Es gibt nur wenige Verbände, die tatsächlich wie ein gut geführtes Unternehmen arbeiten – in den Wintersportarten sind das der Skiverband und teilweise das Biathlon, die auf dem richtigen Weg sind und mit ausländischen Trainern arbeiten. Die übrigen schlagen sich eher einzeln durch“, fügte er hinzu.
Trotz der Arbeiten unter Feldbedingungen werde Bulgarien, so Wessela Letschewa, von Athletinnen und Athleten vertreten, die zur Weltelite gehören und Chancen haben, unter die besten Sechs ihrer Disziplin zu kommen.
Terwel Samfirow und Radoslaw Jankow
FOTO BTA
„Nicht zufällig ist Radoslaw Jankow bislang der einzige Bulgare mit einem Gesamtweltcupsieg in den Schneesportarten, und Terwel Samfirow ist unser einziger Weltmeister“, sagte Kamen Alipiew mit Blick auf die besten bulgarischen Olympioniken und begann dabei mit dem Snowboard. „Mit nur 16 Jahren gewann Malena Samfirowa ihr erstes Podium bei den Frauen und entwickelt sich auch in der neuen Weltcupsaison sehr gut.
Malena Samfirowa
FOTO BGNES
Im alpinen Skisport wird Albert Popow im Riesenslalom antreten, obwohl er nicht im Weltcup startet. Er ist ein Beispiel dafür, wie man mit viel Willen, Arbeit und Hingabe dauerhaft zur Weltelite gehören kann und nun Chancen auf eine Platzierung unter den ersten Zehn hat.
Albert Popow
FOTO BGNES
Was Wladimir Sografski betrifft, so ist dies seine bislang beste Saison mit einem starken Auftritt bei der Vierschanzentournee. Rang 14 zu erreichen, aus einem Land ohne Tradition im Skispringen, ist eine kaum messbare Leistung in einem Sport mit enormer Konkurrenz.
Wladimir Sografski
FOTO BGNES
Um das Biathlon gibt es viel Aufmerksamkeit – insbesondere nach den Leistungen von Milena Todorowa in der vergangenen Saison –, doch die Ergebnisse zu Beginn der Weltcupsaison waren nicht besonders positiv. Ein Platz unter den besten 20 wäre bereits ein großer Erfolg. Für die Eiskunstläuferin Alexandra Fejgin wiederum ist schon die Qualifikation für die Olympischen Spiele ein großer Erfolg, ebenso eine mögliche Teilnahme an der Kür.“
Alexandra Fejdgin
FOTO BGNES
Im Unterschied zu den Sommerspielen, bei denen Bulgarien in vielen Sportarten mit den stärksten Nationen mithalten kann, sind die Erfolge bei den Winterspielen eher episodisch, können jedoch als Inspiration dienen. Die erste bulgarische Spur hinterließ Petar Popangelow 1980 in Lake Placid mit Platz sechs im Slalom, ein Ergebnis, das er 1984 in Sarajevo wiederholte. Den bislang einzigen Olympiasieg errang die Biathletin Ekaterina Dafowska, während Iwan Lebanow im Skilanglauf eine Bronzemedaille gewann.
Möglicherweise werden bulgarische Sportler, die ihren olympischen Traum verfolgen, erstmals nicht mit einer offiziellen Zeremonie verabschiedet. Unterstützung kommt jedoch von der italienischen Botschaft: Am 19. Januar organisiert die diplomatische Vertretung eine Veranstaltung, bei der die Akkreditierungen für die Spiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo überreicht werden.
„Eine hochoffizielle Verabschiedung und die Übergabe der Nationalflaggen wird es nicht geben, doch auch unter diesen Umständen haben Wessela Letschewa und ihre Medienberaterin Miljana Welewa große Anstrengungen unternommen“, sagte Kamen Alipiew abschließend. „Der Organisationsversuch war langwierig, wurde aber letztlich erfolgreich abgeschlossen. Ich hoffe, dass sich viele Menschen für die Wintersportarten begeistern, die außerordentlich schön und spannend sind. Ich persönlich halte wenig davon, im Vorfeld über eine bestimmte Anzahl von Medaillen zu sprechen. Meine Hoffnung ist, dass die bulgarischen Sportler ihr Bestes zeigen und so weit wie möglich nach vorne kommen. Und wenn man nichts erwartet, kann manchmal auch ein kleines Wunder geschehen.“
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov