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Der legendäre Đoko Rosić widmete 17 Jahre den Auslandssendungen des BNR

Samstag, 24 Januar 2026, 11:53

Der legendäre Đoko Rosić widmete 17 Jahre den Auslandssendungen des BNR

FOTO BNR, Archiv

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Eine der markantesten und unvergesslichsten Stimmen im bulgarischen Äther ist eng mit der Geschichte des Bulgarischen Nationalen Rundfunks verbunden. Der Schauspieler bulgarisch-serbischer Herkunft Đoko Rosić (1932–2014) ist eine emblematische Figur des bulgarischen Kinos und spielte mehr als 110 einprägsame Rollen in zahlreichen Spielfilmen. Sein Leben ist reich an bemerkenswerten Details, von denen einige seine Bestimmung geradezu vorzuzeichnen scheinen.

Er wurde am 29. Februar 1932, einem Schaltjahr, geboren – jenem Jahr, in dem in den USA sowohl die Sommerolympiade in Los Angeles als auch die Winterspiele in Lake Placid stattfanden. Schon als Kind erklärte er allen, dass er Journalist werden wolle. Anders als viele Kindheitsträume erfüllte sich dieser tatsächlich: Während seines Studiums der Wirtschaftswissenschaften am Höheren Wirtschaftsinstitut „Karl Marx“ (der heutigen Universität für National- und Weltwirtschaft UNSS) erhielt er die Chance, in der Redaktion „Sendungen für das Ausland“ des Bulgarischen Nationalen Rundfunks zu arbeiten – deren Rechtsnachfolger heute Radio Bulgarien ist.

Ich begann meine Arbeit beim Rundfunk im Alter von neunzehneinhalb Jahren. Lange Zeit war ich Übersetzer und Sprecher in den Sendungen für Jugoslawien. Danach arbeitete ich als Redakteur in der Zentralredaktion, die Inhalte für alle Sprachen produzierte, in denen wir sendeten“, erzählte Đoko Rosić in einem Interview aus dem Jahr 2002, das im „Goldenen Fonds“ des Bulgarischen Nationalen Rundfunks aufbewahrt wird.

Für die Sendungen für das Ausland arbeiteten viele äußerst fähige Menschen, denn diese Arbeit konnten nur jene leisten, die die Sprachen perfekt beherrschten. Das waren Intellektuelle. Deshalb gingen aus dieser Redaktion auch zahlreiche Dissidenten hervor. Rückblickend betrachtet haben wir Propaganda für eine Partei oder ein Regime gemacht, doch ich schäme mich für keine einzige Zeile, die ich damals geschrieben habe“, sagte Đoko Rosić.

Der Schauspieler räumte ein, dass die 17 Jahre, die er im Rundfunk verbrachte, die schönsten seines Lebens gewesen seien. In seiner Bilanz fehlt es jedoch auch nicht an Bitterkeit:

Im Herbst 1968, nach den Ereignissen in der Tschechoslowakei, die damals als Konterrevolution bezeichnet wurden, kam es im Rundfunk zu Verfolgungen und Entlassungen. Zu dieser Zeit war ich jugoslawischer Staatsbürger. Man erklärte, ein ausländischer Staatsbürger könne nicht im Rundfunk arbeiten – obwohl die Redaktion ,Sendungen für das Ausland‘ voller ausländischer Mitarbeiter war. Ich ging davon aus, dass es mich nicht betreffen würde, da ich ein sehr guter Mitarbeiter war. Ich erinnere mich nicht genau, aber 1960 oder 1961 erhielt ich den Jahrespreis des BNR für den besten Beitrag. Doch drei Monate nach meiner Entlassung traf es auch meine Ehefrau Liljana Lasarowa, die in der Musikredaktion der ,Sendungen für das Ausland‘ arbeitete. Ihr einziges ,Vergehen‘ war, meine Frau zu sein“, erzählte Đoko Rosić.



FOTO Facebook/djokorositch

Auch Đoko Rosićs Filmkarriere erhielt ihren entscheidenden Impuls durch den Rundfunk. Der damalige Direktor Mischo Nikolow riet ihm, eine Einladung des Filmstudios „Bojana“ anzunehmen. Der junge Schauspieler nahm unbezahlten Urlaub, drehte einen Film und kehrte anschließend in die Redaktion zurück. So hätte es jahrzehntelang weitergehen können, denn Đoko Rosić hing an seiner Arbeit im Rundfunk, hatte echte Freundschaften geschlossen und genoss die Zuneigung seiner Kollegen. Doch Anfang der 1970er Jahre kam es nach einem Gespräch mit dem Rundfunkdirektor Rad Kamenski zu seiner endgültigen Entlassung:

Damals erstellten diejenigen, die uns entließen, eine Liste mit unseren Namen und verbreiteten sie in allen Redaktionen. In den Medien war man danach ein Nichts – man konnte weder schreiben noch irgendetwas produzieren. Zu dieser Zeit gab es auch kaum Filme, und es folgten etwa vier Jahre, in denen ich dank Freunden bei den Zeitungen überlebte – sie ließen mich Kolumnen korrekturlesen. Für eine Kolumne bekam man acht Stotinki. So ging es, bis man mir eines Tages anbot, mich in den Filmstudios anzustellen“, erinnerte sich Đoko Rosić.

FOTO archives.bnr.bg

Bis heute lebt in der serbischen Redaktion von Radio Bulgarien die Erinnerung an Đoko Rosićs prägende Präsenz fort. „Er war ein bunter Paradiesvogel – durch seine Art zu sprechen, durch seine gesamte Erscheinung, sogar durch seine Haltung und seinen Cowboy-Look: groß, leicht gebeugt, mit seinem unverwechselbaren Hut“, erinnert sich unsere Kollegin Albena Dschermanowa, die ihm persönlich begegnet ist.



FOTO Facebook/djokorositch

Die charakteristische rauchige Bassstimme von Đoko Rosić lebt auch Jahre nach seinem Tod am 21. Februar 2014 weiter – und klingt noch immer im Radioäther nach.


Übersetzung: Rossiza Radulowa