Autor
Diana Zankowa
Artikel
Montag 26 Januar 2026 09:10
Montag, 26 Januar 2026, 09:10
FOTO persönliches Archiv
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An einem ungewöhnlichen Ort inmitten einer rockigen, energiegeladenen Atmosphäre mit Bildern von Gefangenen und Totenköpfen kehrt eine kosmopolitische Bulgarin nach Hause zurück, um ihn mit Provokation, Fröhlichkeit, Humor, Leidenschaft und Liebe zu bereichern. Um ihre Fotos, eine Vielfalt an auf den Straßen der Welt eingefangenen Emotionen und Momenten zu zeigen, wähltesie die Prison Bound Bar in Sofia aus.
Iwana Kalwatchewa stand jahrelang als Model vor der Kamera, doch ein Geschenk lässt sie die Welt mit anderen Augen betrachten. Ihr Ehemann in Spe erkannte ihre Vorliebe, die flüchtigen Blicke der in sich gekehrten Passanten einzufangen und überraschte sie mit einer Kamera. So wurde die Straßenfotografie zu ihrer Beschäftigung rund um die Uhr, denn interessante Details kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit und an jedem Ort finden.
Nach
Jahren in den USA ließ sich Iwana Kalwatschewa in Paris nieder, wo die Kamera ihre treue Begleiterin
ist.
Interessante Momente überraschen sie immer
wieder, ohne bewusst danach zu suchen. Wie sie selbst zugibt, versucht sie, in jedem und in allem das Schöne zu finden,
denn es sei überall.
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„Ich nehme einfach den Moment wahr, und wenn ich ihn nicht auf ein Foto festhalten kann, ärgert mich das manchmal“, sagt Iwana Kalwatschewa mit einem Lächeln. „Doch man muss sich ab und zu entspannen und genießen, ohne alles dokumentieren zu müssen.“
Für die Ausstellung Camera bound, die am 21. Januar eröffnet wurde, wählte Iwana Kalwatschewa ihre Lieblingsfotos aus, deren Details zur Entstehung von Geschichten führen.
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„Ich möchte nicht sozial klingen, aber mein Lieblingsfoto zeigt zwei Frauen unterschiedlicher Hautfarbe und unterschiedlichen Alters, die sich auf einer Bank umarmen“, erzählt die Fotografin. „Der Moment war so intim vor dem Hintergrund all dessen, was um sie herum geschah, und diese Geste der Fürsorge und Liebe hat mich sehr berührt.“
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Die Art und Weise des Fotografierens, die Auswahl des Motivs und die Bildgestaltung hinterlassen Spuren, die zum Autor führen. Was erfahren wir über Iwana Kalwatschewa, wenn wir ihre Fotografien betrachten?
„Ich hoffe, dass der Betrachter versteht, dass ich Sinn für Humor habe“, lacht Kalwatschewa und sinniert über die Straßen- oder Reportagefotografie, die nicht von jedem gern gesehen wird, weil sehr intime Momente eingefangen werden. „Ich hoffe, dass die Betrachter spüren, dass ich mit absolutem Respekt und eher als Kompliment an die Menschen fotografiere und das nicht für mich selbst tue. Ich bin dabei vom Augenblick und dem Geschehen vor meinen Augen fasziniert. Ich habe küssende Menschen fotografiert, aber auch Menschen, die auf der Straße schlafen. Ich hatte einfach das Bedürfnis es für mich selbst zu tun. Diese Aufnahmen behalte ich für mich, sie werden nicht gezeigt. Ich hoffe, dass die Menschen, die die Ausstellung und meine Kunst sehen, verstehen, dass ich Momente dokumentiere, die mich bewegen und meine Wahrnehmung von Moral und Welt zeigen“, sagt die Fotografin.
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Die Künstlerin Iwana Kalwatschewa ist verliebt in Paris. Sie kann diese Stadt nicht loslassen, weil sie jeden Tag ungeahnte Motive bietet, Begegnungen mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur, Ausstellungen, Konzerte. „Das ist mein Leben - entweder arbeite ich zu Hause an den Fotos, die ich gemacht habe, bin mit Freunden unterwegs oder spaziere allein durch die Straßen von Paris.“
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Da Iwana Kalwatschewa zum ersten Mal nach vielen Jahren ihren Geburtstag in ihrer Heimat feiern wird, wünscht sie sich ein Wunder, das die negative Energie und Gier auslöscht, damit die Menschen ihre Arbeit gut machen und das Schöne um sich herum genießen können.
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Übersetzt und veröffentlicht von Georgetta Janewa
Gestaltet von Georgetta Janewa