Autor
Wessela Krastewa
Artikel
Sonntag 25 Januar 2026 09:23
Sonntag, 25 Januar 2026, 09:23
FOTO Facebook/Bulgarische Sonntagsschule „Rajna Knjaginja in Burgos
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Im Jahr 2026 feiert der Bulgarische Rundfunk 90 Jahre seit den ersten Auslandssendungen, deren Rechtsnachfolger heute Radio Bulgarien mit seinen elf Programmen ist - in bulgarischer und zehn Fremdsprachen. Aus diesem Anlass hat unser Team die Initiative „Bulgarien-Unterricht“ gestartet, mit der wir den Spuren und Emotionen bulgarischer Kinder im Ausland folgen, die im Rahmen des Nationalen Programms „Bulgarien – Bildungsrouten“ des Bildungsministeriums durch unser Land gereist sind.
Mit Hilfe der Leiterinnen und Leiter der bulgarischen Sonntagsschulen im Ausland sowie ihrer Schülerinnen und Schüler, die Bulgarien im Jahr 2025 besucht haben, erhalten wir die Möglichkeit, unser Heimatland auf eine neue Art zu sehen – aus der Distanz zurückgelegter Entfernungen und mehrerer Generationen.
ПЗ: 10.01.26 Урок по България с училището в Бургос, Испания – допълнително Весела ще озвучи материала и ще го изпрати за публикация на страницата
Die erste Seite dieses „Bulgarien-Unterrichts“ schlagen wir gemeinsam mit der bulgarischen Sonntagsschule „Rajna Knjaginja“ in der spanischen Stadt Burgos und ihren aufgeweckten und neugierigen Schülerinnen und Schülern auf.
Die Schule wurde 2013 von Diljana Bodurowa gegründet und fungierte zunächst als Zweigstelle einer anderen bulgarischen Sonntagsschule im Land – „Hll. Kyrill und Method“ in Valladolid. Zwei Jahre später gründete Diljana Bodurowa in Burgos den Verein zur Unterstützung von Migranten „Rila“, und die Schule „Rajna Knjaginja“ begann ihre eigenständige Geschichte als Bildungsprojekt des Vereins sowie als Teil der offiziell vom Bildungsministerium anerkannten bulgarischen Schulen.
Im laufenden Schuljahr verfügt die Schule bereits über eine eigene Zweigstelle in der zweitgrößten Stadt der Provinz – Miranda de Ebro.
Im Schuljahr 2025–2026 unterrichtet das Team um Diljana Bodurowa 73 bulgarische Kinder im Alter von 4 bis 18 Jahren im Lesen und Schreiben in der Muttersprache sowie in allem, was Verbundenheit und Heimatliebe zu Bulgarien schafft.
FOTO Facebook/Bulgarische Sonntagsschule „Rajna Knjaginja in Burgos
Spanien, seit Jahren eines der beliebtesten Länder für Leben und Arbeit unter Bulgarinnen und Bulgaren, ist ein anschauliches Beispiel für den Trend, dass neue Generationen von Bulgaren im Ausland geboren werden und immer mehr „unserer“ Kinder in Mischehen und in einem fremden kulturellen Umfeld aufwachsen.
FOTO Facebook/Bulgarische Sonntagsschule „Rajna Knjaginja in Burgos
„Das ist eine Entwicklung, die keineswegs auf eine bestimmte Schule oder Region beschränkt ist“, erklärte gegenüber Radio Bulgarien die Leiterin der bulgarischen Sonntagsschule „Rajna Knjaginja“, Diljana Bodurowa. „Ich kann das bestätigen, da ich seit 13 Jahren in diesem Bereich arbeite und den tiefgreifenden Wandel deutlich sehe. Von diesen 73 Kindern wurde nur eines in Bulgarien geboren, dessen Familie wegen der Arbeit des Vaters umgezogen ist. Alle übrigen Kinder sind in Spanien geboren, und für sie ist Bulgarisch faktisch bereits nicht mehr die Muttersprache.“
Gerade das macht jeden „Bulgarien-Unterricht“, den die bulgarischen Sonntagsschulen im Ausland an kommende Generationen weitergeben, umso notwendiger. „Und nicht nur das“, präzisierte Diljana Bodurowa:
FOTO Facebook/Bulgarische Sonntagsschule „Rajna Knjaginja in Burgos
„Für mich sind diese Bildungsrouten und die Möglichkeit, die uns das bulgarische Ministerium für Bildung und Wissenschaft gibt, eine einzigartige Chance, die Vorstellungen der Kinder von der bulgarischen Identität zu festigen und zu stärken. Denn wenn man in Bulgarien lebt, nimmt man – grwollt oder ungewollt – den bulgarischen Geist, die Denkweise, sogar die Art zu sprechen sowie Geschmacks- und Essgewohnheiten auf. Bei uns geht es jedoch oft nicht um Erhaltung, sondern um Neuschaffung.
FOTO Facebook/Bulgarische Sonntagsschule „Rajna Knjaginja in Burgos
Es gebe Familien, die jedes Jahr in die Heimat zurückkehren und deren Kinder die Sommer in Bulgarien verbringen, aber auch solche, die noch nie in Bulgarien gewesen seien. Für diese Kinder sei Bulgarien lediglich eine Erzählung, ein Bild oder das, was sie in der Schule oder von der Familie gehört haben, sagte Diljana Bodurowa.
Umso
mehr wurde die erste Reise der Schülerinnen und Schüler im Rahmen
des Programms „Bildungsrouten“ des bulgarischen
Bildungsministeriums – vom 28. Februar bis zum 4. März 2025 – zu
einem wahr gewordenen Traum. Die
Route „3. März“, im Geist des Nationalfeiertags Bulgariens
ausgewählt, umfasste Besuche in Sofia, Panagjurischte, Streltscha,
Kopriwschtiza, Karlowo, Kalofer, Sopot und Plowdiw.
FOTO Facebook/Bulgarische Sonntagsschule „Rajna Knjaginja in Burgos
„Den größten Eindruck hat auf mich das Museum von Rajna Knjaginja gemacht“, erzählte die 16-jährige Sonja.
„Die Zeit mit meinen Freunden, und als ich meine Oma und meinen Opa gesehen habe und die Familie einer Freundin kennengelernt habe“, ergänzte die 15-jährige Simona.
FOTO Facebook/Bulgarische Sonntagsschule „Rajna Knjaginja in Burgos
Ein besonders interessantes Element der Reise war der internationale Charakter der 60-köpfigen Gruppe:
„Wir haben beschlossen, die Reise zweier Sonntagsschulen zusammenzulegen – unserer Schule aus Spanien und der bulgarischen Sonntagsschule ‚Christo Botew‘ aus der italienischen Stadt Eboli. Auch das war eine sehr schöne und bereichernde Art, die Reise zu erleben“, so die Leiterin der spanischen Schule Diljana Bodurowa.
FOTO Facebook/Bulgarische Sonntagsschule „Rajna Knjaginja in Burgos
Aus den Schilderungen der Kinder kristallisierte sich noch eine weitere Emotion heraus, die Bulgarien ihnen geschenkt hat – die Begegnung mit ihren Angehörigen, die persönliche Umarmung von Oma und Opa.
FOTO Facebook/Bulgarische Sonntagsschule „Rajna Knjaginja in Burgos
Aus den Schilderungen der Kinder kristallisierte sich noch eine weitere Emotion heraus, die Bulgarien ihnen geschenkt hat – die Begegnung mit ihren Angehörigen, die persönliche Umarmung von Oma und Opa.
„Das
war vielleicht eines der schönsten Erlebnisse, denn schon bei der
Landung in Sofia standen Verwandte – Großmütter und Großväter –
da, die mit Tränen in den Augen auf ihre Kinder zuliefen, um sie zu
umarmen. Sehr, sehr schöne Erinnerungen.“
FOTO Facebook/Bulgarische Sonntagsschule „Rajna Knjaginja in Burgos
Für jene wenigen Kinder, die zum ersten Mal bulgarischen Boden betraten, war die emotionale Wirkung der direkten Begegnung mit den kulturellen und historischen Sehenswürdigkeiten besonders stark.
„Es gibt Familien, die bereits in dritter Generation in Spanien leben – Großeltern, Eltern und nun die dort geborenen Kinder. Und immer häufiger wird diese Verbindung zu Bulgarien sehr fragil“, erklärte Bodurowa.
Урок по България … с БНУ "Райна Княгиня" в град Бургос, Испания
FOTO Facebook/Bulgarische Sonntagsschule „Rajna Knjaginja in Burgos
„Für sie war alles neu. Alles fiel ihnen auf – ob es genügend Gehwege, Zebrastreifen oder Mülleimer gibt, wie groß die Alexander-Newski-Kathedrale ist oder das Präsidentenamt mit der Wachablösung. Für sie war alles eine neue Emotion“, erinnerte sich Diljana Bodurowa.
So wird Bulgarien von einer Abstraktion, von Bildern in Schulbüchern und Erzählungen, zu etwas Reellem – mit eigenem Duft, Geschmack und Gesicht.
„Für mich ist Bulgarien Zuhause.
Familie.
Urlaub.
Schönheit.
Heimat.“
So lauten die kurzen Antworten der Kinder auf die Frage „Was ist Bulgarien?“.
FOTO Facebook/Bulgarische Sonntagsschule „Rajna Knjaginja in Burgos
Diljana Bodurowa selbst lebt seit 25 Jahren im Land von Cervantes, kehrt jedoch jedes Jahr mit ihrer Familie nach Bulgarien zurück.
FOTO Facebook/Bulgarische Sonntagsschule „Rajna Knjaginja in Burgos
„Ich dachte nicht, dass mich während der Reise im März noch etwas überraschen könnte. Aber ich lag falsch. Indem ich die Kinder begleitete, kehrte ich in meine eigene Kindheit zurück, erlebte alles neu, Erinnerungen an Museumsbesuche oder an bestimmte Orte kamen hoch. Ich habe verstanden, wie viel ich in all den Jahren fern von Bulgarien verloren habe“, gestand Diljana Bodurowa.
Mit leiser Nostalgie, aber auch mit Dankbarkeit geht der „Bulgarien-Unterricht“ für Groß und Klein fort weiter. Sein Rhythmus ist unregelmäßig, wie der der bulgarischen Volkstänze.
Genau mit einem Reigen, getanzt vor dem Flughafen „Wassil Lewski“ in Sofia, verabschiedeten sich im März die Lehrerinnen, Lehrer und Schülerinnen und Schüler der Sonntagsschule „Rajna Knjaginja“ aus Burgos von Bulgarien – mit dem Versprechen wiederzukommen.
„Auch wenn wir tausende Kilometer von euch entfernt sind – wir fühlen uns als Bulgaren. Wir leben mit Bulgarien, wir denken an Bulgarien. Wir lieben euch“, betonte Diljana Bodurowa.
FOTO Facebook/Bulgarische Sonntagsschule „Rajna Knjaginja in Burgos
Auch die Worte der Kinder tragen dieses Versprechen der Verbundenheit:
„Danke für alles. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder, Bulgarien!“, sagt die 13-jährige Vanessa.
„Sei gegrüßt, Bulgarien! Bleibt gesund und Küsse an alle“, sagte die Neuntklässlerin Nikol aus Burgos, und ihre Mitschülerin Simona ergänzte:
„Bulgarien, ich wünsche dir viel Glück und Liebe und hoffentlich sehen wir uns bald wieder!“
All diese Erinnerungen, Emotionen und viele Fotos haben die Kinder mit Radio Bulgarien geteilt. Wir haben sie in einem besonderen Video zusammengefasst, das Sie sich hier ansehen können:
Video: Krassimir Martinow
Übersetzung: Rossiza Radulowa
Gestaltet von Rossiza Radulowa