Autor
Gergana Mantschewa
Artikel
Samstag 7 Februar 2026 15:14
Samstag, 7 Februar 2026, 15:14
FOTO Botanischer Garten der BAN
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In den kurzen Wintertagen bietet Sofia verschiedene Indoor-Aktivitäten, unter denen der Botanische Garten der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften (BAN) mit Farbe und Schönheit hervorsticht. Seine Lage ist auf der Karte leicht zu erkennen – eine grüne Oase, eingebettet zwischen den Stadtvierteln Dragalewzi und Bojana. Der Botanische Garten ist an jedem Werktag für Besucher geöffnet, selbst in der Jahreszeit, in der die Pflanzen im Freien ihren Winterschlaf halten.
FOTO Botanischer Garten der BAN
In den fünf tropischen Gewächshäusern herrscht im Winter ein reges Treiben, denn jetzt blühen die Azaleen. Und auch alle Orchideenarten stehen in voller Blüte. Diese Pflanzen aus den Wäldern Japans und Chinas benötigen eine dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit, damit ihre Blüten nicht austrocknen und sie sich wie in ihrer natürlichen Umgebung fühlen. Hier gibt es sicher über hundert verschiedene Azaleen in Rot, Weiß, Lila, Rosa und mehrfarbig. Besonders wertvoll sind jedoch zwei ehrwürdige Pflanzen hohen Alters: Sie gehörten einst zur Gewächshaussammlung von Zar Ferdinand, der Pflanzen aus nah und fern sammelte, um den Königspalast zu schmücken. Bis heute sind über 80 Pflanzenarten erhalten geblieben. Einige wurden während des Krieges und der Bombardierungen Sofias gerettet und gelangten in die Sammlung des Botanischen Gartens.
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Der Botanische Garten der BAN ist der Nachfolger des Fürstlichen Botanischen Gartens, der ursprünglich eine zentrale Lage gegenüber der Sofioter Universität „Hl. Kliment von Ochrid“ hatte. Er wurde 1882 gegründet und 1947 Teil des Instituts für Botanik. An seinen heutigen Standort wurde er 1968 verlegt, mit der Hauptaufgabe, wissenschaftlich organisierte und dokumentierte Sammlungen lebender Pflanzen aufzubauen und zu pflegen. Der Garten arbeitet mit 450 botanischen Gärten weltweit zusammen und hat sich zugleich zu einem Museum lebender Pflanzen entwickelt, das von Schülerinnen und Schülern, Studierenden sowie Hobbygärtnern besucht wird.
FOTO Botanischer Garten der BAN
Die Sammlungen umfassen fast 4.000 Arten höherer Pflanzen – mehr als 1 Prozent der weltweiten Pflanzenvielfalt. Den Botanikern ist eine der reichhaltigsten Sammlungen tropischer und subtropischer Pflanzen auf der Balkanhalbinsel zu verdanken.
„Diese botanische Schatzkammer trägt wesentlich zum globalen Pflanzenschutz sowie zur Erforschung und Verbesserung gärtnerischer Praktiken in Bulgarien bei“, erklären Experten des Instituts für Botanik der BAN.
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Auch im Winter blühen die königlichen Orchideen weiter, die Ende des 19. Jahrhunderts über Blumenhandelsfirmen nach Bulgarien gelangten. Sie zeichnen sich durch besonders große und langlebige violette Blüten aus, erläuterte die langjährige Botanikerin und Biologin Diana Wenkowa und lenkte den Blick auf die Forschungsarbeit im Botanischen Garten.
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„Unsere wissenschaftliche Arbeit ist vor allem mit der bulgarischen Flora verbunden – mit Pflanzen aus unserer Natur. Wir kultivieren seltene einheimische Arten, denn das Ziel eines botanischen Gartens ist es, genau solche Sammlungen lokaler Pflanzenarten aufzubauen. Gleichzeitig sind wir Forschungsbasis für Kolleginnen und Kollegen anderer wissenschaftlicher Institute sowie Ausbildungsstätte für Studierende der Universität für Forstwirtschaft, der Sofioter Universität „Hl. Kliment von Ochrid“ und der Landwirtschaftsakademie. Auch viele Schülerinnen und Schüler kommen zu uns. Wir halten spannende Vorträge und organisieren Sommerlager inmitten der Blumen. Der Botanische Garten ist ein lebendiges Museum, in dem die Besucher Pflanzen aus aller Welt unmittelbar erleben können“, so Diana Wenkowa.
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Für Kinder sind besonders die fleischfressenden Pflanzen interessant – „die, die sich bewegen“, wie etwa die Mimose, ebenso Wasser- und Tropenpflanzen. Zu jeder Jahreszeit gibt es im Botanischen Garten der BAN etwas Spannendes zu entdecken, ist Diana Wenkowa überzeugt:
„Im Botanischen Institut gibt es eine Abteilung, die sich mit Heilpflanzen beschäftigt. In einigen Projekten arbeiten wir eng mit ihnen zusammen. Derzeit ist unser neuestes Vorhaben die Anlage einer kleinen Thymian-Plantage mit mehreren Arten, die in den natürlichen Lebensräumen Bulgariens vorkommen. Jetzt überwintern die Pflanzen noch, aber ab April bis Mai beginnen wir mit der Blütenernte, Trocknung und anschließender Untersuchung.“
FOTO Botanischer Garten der BAN
„Bei uns können Besucher tropische Heilpflanzen sehen, aber auch solche, die man aus Werbung oder Broschüren kennt, zum Beispiel Aloe, Jojoba oder Leuzea. Manche Pflanzen kultivieren wir nur zeitweise. Besonders attraktiv sind derzeit die Azaleen – kleine, blühende Sträucher, ursprünglich aus den Unterwäldern Asiens, die sich auch in unseren gemäßigten Breiten als Zimmerpflanzen etabliert haben. Sie stehen derzeit in voller Blüter, die Besucher freuen sich über das farbenfrohe Schauspiel und haben oft die Möglichkeit, ein Pflänzchen für zuhause mitzunehmen“, erläuterte Diana Wenkowa.
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Die Expertinnen und Experten der Botanischen Gärten geben bereitwillig Tipps zur richtigen Pflege der Pflanzen, sodass jeder vom Erfahrungsschatz profitieren kann. „Wir stellen eine hochwertige Erd-Mischung selbst her und stehen jederzeit mit Rat zur Seite“, erklärte Diana Wenkowa. Verschiedene Initiativen wie Tage der offenen Tür, Garten-Workshops und weitere Aktionen ziehen Blumenliebhaber in diesen grünen Stadtteil Sofias.
FOTO Botanischer Garten der BAN
„Ein besonderes Highlight wird bei unserem nächsten traditionellen Event im Februar und März die Orchideen-Ausstellung sein", freut sich Diana Wenkowa.
FOTO Botanischer Garten der BAN
In der freien Natur Bulgariens vorkommende Arten sind etwa die Venuspantoffel-Orchidee, die Käfer-Orchidee oder die Bienen-Ragwurz. Diese populären Namen stammen von der Form und Färbung der Blüten, die Insekten nachahmen und so die Bestäubung sichern. „Diese Pflanzen sind geschützt und dürfen auf keinen Fall aus ihren natürlichen Lebensräumen entnommen werden“, betonte Diana Wenkowa.
Übersetzung: Rossiza Radulowa
FOTO Gergana Mantschewa
Gestaltet von Rossiza Radulowa