Dessislawa Zwetkowa und ihre poetischen Vergleiche zwischen Bulgarien und EU

Eine der schönsten Eigenschaften der Bulgaren ist ihre originelle Kunst, so die Dichterin, die jahrelang im Ausland gelebt hat

Sonntag, 8 Februar 2026, 14:02

 Dessislawa Zwetkowa und ihre poetischen Vergleiche zwischen Bulgarien und EU

FOTO Gergana Mantschewa

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Ich komme nach Bulgarien, um mich mit neuen Gefühlen zu laden – das erzählte uns Dessislawa Zwetkowa, die 14 Jahre in Hauptstädten des vereinten Europas verbracht hat und in der Verwaltung der Europäischen Kommission gearbeitet hat.

Seit kurzem ist Dessislawa Zwetkowa wieder in der Heimat und lässt sich von bulgarischen Dichtern und dem kulturellen Leben inspirieren, das ihrer Meinung nach sehr reich und vielfältig ist, insbesondere in Sofia: „Das Leben in einer wunderschönen, geordneten Welt gibt dir keine Gefühlstiefe. Hier in Bulgarien hingegen, wo es Probleme gibt, verleiht das Leben Tiefe und eine andere Perspektive, mit der man die Welt betrachten und den Wunsch verspüren kann, sie zu verändern“, sagte Dessislawa Zwetkowa.

Im Oktober 2025 stellte unsere Landsfrau ihren neuen, siebten Gedichtband mit dem Titel „Swesdno pristanischte“ (Sternenhafen) vor. Darin entführt sie die Leser in eine duftende Welt, gespickt mit lebhaften Metaphern und frischen Bildern.

Die Dichterin hat viele Freunde und Bewunderer, die sie wegen ihres warmen Lächelns und ihrer aufrichtigen Worte mögen, die sie nicht nur in ihre Gedichte, sondern auch in ihre Kommunikation mit ihren Mitmenschen einfließen lässt.

Man nennt sie einfach Dessi, aber sie ist eine kämpferische Bulgarin, die ihren Weg zu immer neuen „Sternenhafen“ fortsetzt. Bislang hat sie es geschafft, sich einen Weg zu Ausgaben ihrer Poesie auf verschiedenen Kontinenten zu bahnen – ihre Gedichte wurden in Sammelbänden und Zeitschriften in Belgien, Rumänien, Serbien, Albanien, Indien, Großbritannien, den USA, Indonesien, Russland, Mexiko und Bangladesch veröffentlicht.

Dessislawa Zwetkowa wurde als Mitglied in den flämischen Verein „Partij voor de Poëzie“ (Partei für Poesie) aufgenommen. Sie hat an der Erstellung eines mehrsprachigen Gedichts für das Flämische Kulturzentrum in Brüssel mitgewirkt, und ihre Werke wurden in der Anthologie „Musik der Sprachen“ der Europäischen Kommission und in der Publikation „Poeten“ von InterLitTour, Belgien, veröffentlicht. Sie ist Preisträgerin des Internationalen Poesiefestivals 2022 in der rumänischen Stadt Brașov. Und nicht zuletzt hat sie mehrere bulgarische Autoren, die in der Anthologie „River of words“ vertreten sind, ins Englische, Französische und Deutsche übersetzt.

Sie empfindet das Schreiben als Notwendigkeit. „Ich habe schon als Kind angefangen zu schreiben und dann mein ganzes Leben lang Gedichte an verschiedene Zeitschriften geschickt. Mein erster Gedichtband wurde von meiner Mutter herausgegeben, und zwar mit Geld, das ich ihr aus dem Ausland geschickt hatte. Das war im Jahr 2007“, erinnerte sich Dessislawa Zwetkowa und sagte noch:

Ich schreibe Gedichte und liebe Metaphern – sie verleihen der Poesie eine gewisse Zartheit. Manchmal schreibe ich auch traurigere und düsterere Gedichte. Aber ich habe gelernt, dass jedes Hindernis, jede Hürde, jeder schlechte Moment immer irgendwann vorbei ist. Das Schöne daran ist, dass immer etwas Besseres kommt. Und ich hoffe dasselbe für Bulgarien – dass es endlich seinen würdigen Platz in Europa einnimmt, dass es ein gleichberechtigter, echter Mitgliedstaat wird. Jetzt, mit der Einführung des Euro, wird die Stabilität erreicht, die unsere wankende Regierung braucht. Ich gehe mit einem Lächeln mit den Schwierigkeiten um, denn das liegt in meiner Natur.“

Десислава Цветкова с Гергана Манчева от Радио България
Dessislawa Zwetkowa mit Gergana Mantschewa von Radio Bulgarien

Kurz nach ihrer Rückkehr nach Bulgarien begann Dessislawa Zwetkowa eine neue, kreativere Arbeit. Derzeit ist sie Redakteurin bei einem großen Universitätsverlag. Mehr Disziplin und Verantwortung hat sie durch ihre Arbeit in der europäischen Verwaltung gelernt:

In Luxemburg und Belgien habe ich gelernt, viel verantwortungsbewusster, seriöser und geschäftsmäßiger zu sein, aber auch, mich zu behaupten“, erzählte Dessislawa Zwetkowa gegenüber Radio Bulgarien und fügte hinzu: „Denn wir Bulgaren gehen dorthin und bewältigen jede neue Herausforderung alleine, wir arbeiten in einem internationalen Umfeld, das auch durch die Sprachbarriere spürbar ist. Egal, wie gut man eine Sprache beherrscht, man kann nie ganz perfekt sein. Das ist bis zu einem gewissen Grad ein Hindernis, aber es formt den Charakter, und dort habe ich gelernt, sehr streng zu sein und alles zu überprüfen, bevor ich es in meiner Arbeit verwende. Obwohl die Arbeit in der Verwaltung eintönig ist, war es eine verantwortungsvolle und schöne Position, weil man für die Zukunft Europas arbeitet. Und wir alle hoffen, dass diese Zukunft für uns immer besser wird. Mit meiner Poesie versuche ich, etwas Licht und Hoffnung in den Alltag der Menschen hier zu bringen, und ich hoffe, dass mir das gelingt.“

Хайри Хамдан
Khairi Hamdan

Dessislawa Zwetkowa erzählte noch, dass sie sich meistens von anderen bulgarischen Dichtern inspirieren lässt, nennt aber auch die zarte Lyrik von Khairi Hamdan als Beispiel (ein palästinensischer Dichter, der seit über 40 Jahren in Bulgarien lebt und bulgarische Literatur ins Arabische übersetzt). Auch er war bei der Premiere von „Swesdno pristanischte“ (Sternenhafen) anwesend. „Wenn ich etwas von ihm lese, verspüre ich eine Welle von Gefühlen und Inspiration“, fügte die Dichterin hinzu. „Schönheit ist überall um uns herum, wir müssen nur hinschauen“, teilte Dessislawa Zwetkowa ihre kreative Philosophie mit:

Alles ist reparierbar, das sollte uns optimistisch machen. Natürlich kann man verlorene Menschenleben nicht wiederherstellen, aber die Regeln müssen eingehalten werden, sie gelten für alle. Als ich nach Bulgarien zurückkehrte, fand ich das Land sehr zum Besseren verändert vor. Allein schon die Tatsache, dass nun in allen Geschäften Quittungen ausgestellt werden. Das ist etwas Grundlegendes, aber dadurch fließen Steuern in den Staatshaushalt. Außerdem sehe ich, dass Sofia dank einiger Fluggesellschaften moderner wird – die Stadt wird zu einem sehr zugänglichen Reiseziel und es kommen viele Ausländer hierher. Sofia wird als „Gourmet-Hauptstadt” des Balkans bezeichnet, und das kann mich nur freuen. Außerdem sind die jungen Leute hier sehr aufgeweckt. Es gibt eine sehr anspruchsvolle und aufgeweckte Schicht, die hier viel verändern kann.“

Dessislawa Zwetkowa freut sich, wieder bei ihren Freunden in Sofia zu sein.

Aufgrund ihrer langjährigen Kontakte zu unzähligen Menschen im Ausland ist sie der Meinung, dass die Bulgaren, die sie dort getroffen hat, sich durch ihren patriotischen und sogar aufklärerischen Geist auszeichnen. Überall sind die Bulgaren durch ihre Vereine, Organisationen und Kulturzentren aktiv. Die Bulgaren im Ausland haben ein aktives kulturelles Leben. Sie inszenieren Theaterstücke, laden bulgarische Schriftsteller und Künstler, Sänger, Bands und alle möglichen Künstler ein. All dies geschieht mit dem Ziel, Menschen zusammenzubringen und ihnen durch etwas Heimisches ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu vermitteln, erzähltе uns Dessislawa Zwetkowa, die einen Großteil ihrer Karriere im Ausland verbracht hat.

Eine der schönsten Eigenschaften der Bulgaren ist gerade ihre einzigartige Kunst. In Belgien findet ein Festival der Balkanmusik statt, das zu den meistbesuchten Festivals gehört. Neben Bulgaren kommen auch Serben, Rumänen, Montenegriner und Bosnier. Es heißt „Balkanfest“ und wird von einem Einheimischen, einem Belgier, organisiert. Dort wird bulgarische Ethno-Musik gespielt, es ist keine reine Folklore, aber unsere Musiker schaffen eine unglaubliche Atmosphäre“, erzählte zum Schluss Dessislawa Zwetkowa.


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Übersetzung: Antonia Iliewa

Redaktion: Rossiza Radulowa

Fotos: Gergana Mantschewa, Privatarchiv, Gemeinde Burgas, Facebook /Khairi Hamdan, Facebook /Dessislawa Zwetkowа