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Meisterwerke bulgarischer Musikkultur:

„Strachil, der furchterregende Wojwoda“ – ein Held der bulgarischen Geschichte

Freitag, 30 Januar 2026, 20:00

Denkmal für Strachil Wojwoda in der Stadt Wetren

Denkmal für Strachil Wojwoda in der Stadt Wetren

FOTO pa1-media.bg

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Der legendäre Strachil Wojwoda ist nicht nur eine schillernde Gestalt des bulgarischen Volksliedes, sondern auch eine historische Persönlichkeit. Er lebte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und wurde maßgeblichen Quellen zufolge im Dorf Wetren geboren – heute eine Kleinstadt in der Region Pasardschik, nahe dem Ausgang des Gebirgspasses Trajanowi wrata (Trajanspforte), wo in der Antike die römische Straße verlief, die Westeuropa mit Konstantinopel verband. Seinen Feinden galt Strachil nicht nur wegen seiner Taten als furchteinflößend, sondern auch aufgrund seines Erscheinungsbildes. Nicht zufällig ist er in den Volksliedern als „Strachil, der furchterregende Wojwoda“ bekannt – den Legenden nach soll er allein mit seinem Blick Angst verbreitet haben. Strachil beteiligte sich am Aufstand unter Führung des bulgarischen Rebellen Petar Karposch. 

„Strachil Wojwoda“, Künstler: Nikolaj Russew

FOTO Archiv

Der bedeutende osmanische Hofchronist Siljachdar aus dem späten 17. und frühen 18. Jahrhundert schrieb über ihn mit unverhohlener Feindseligkeit. Dem Chronisten zufolge habe Strachil mit 200 Mann „das Banner erhoben“ und sich „gemeinsam mit 4.000 Deutschen, Ungarn und Hajduken“ im Jahr 1689 während des Großen Türkenkrieges am Angriff auf Kjustendil beteiligt, wobei sie gegen eine zahlenmäßig überlegene reguläre osmanische Armee kämpften. Einer Überlieferung nach wurde Strachil in Konstantinopel gefangen genommen und getötet, doch neuere Forschungen gehen davon aus, dass er sich Anfang des 18. Jahrhunderts mit seiner Schar im Strandscha-Gebirge niederließ. Sein Name taucht letztmals 1711 im Kontext von Widerstandsaktionen im Hinterland der osmanischen Armee während eines der Russisch-Türkischen Kriege auf. Es wird angenommen, dass Strachil im Gebiet des Strandscha-Dorfes Fakia ums Leben kam. Sein Fahnenträger war der Hajduke mit dem Beinamen Atmadschata – ebenso furchtlos wie sein Anführer und ebenfalls in den Volksliedern besungen. 

Eine Aufnahme aus dem Film „Strachil Wojwoda“, 1938

FOTO mubi.com

Der bekannteste Text des Liedes „Strachil, der furchterregende Wojwoda“ ist als Dialog zwischen Atmadschata und Strachil gestaltet. Der Wojwoda schildert seinem Fahnenträger einen schweren Traum, in dem er von schwer bewaffneten Verfolgern umringt ist. Atmadschata beruhigt ihn – allein der Anblick Strachils reiche aus, um jeden Feind zu erstarren zu lassen. Am Ende steht Strachil tatsächlich einer zahlreichen feindlichen Truppe gegenüber und tötet deren Anführer.

Als eindrucksvollste Interpretation des Liedes gilt die Bearbeitung von Stefan Mutaftschiew für Solistin und Volkschor, aufgenommen von der großen Walja Balkanska gemeinsam mit den Sängerinnen des Folkloreensembles „Rodopa“ aus Smoljan. 

Stefan Mutaftschiew (1942–1997)

FOTO ubc-bg.com

Stefan Mutaftschiew, geboren 1942, absolvierte die Musikakademie in Sofia im Fach Komposition bei Prof. Wesselin Stojanow. Die Gründung des Staatlichen Folkloreensembles „Trakia“ in Plowdiw im Jahr 1974 bot dem jungen Musiker die Möglichkeit, sein unbestrittenes Talent als Chordirigent sowie als Autor eines Großteils der Lieder und Tänze des ersten Programms des Ensembles zu entfalten. Bis heute ist sein Name vor allem mit dem Ensemble „Trakia“ verbunden, dessen künstlerischer Leiter er war. In den Jahren 1977 bis 1984 wirkte Mutaftschiew zudem als Berater des Ensembles „Rodopa“. Unter den bedeutendsten Werken aus dieser Zusammenarbeit nennen Forscher an erster Stelle ohne Zögern „Strachil, der furchterregende Wojwoda“. 

Walja Balkanska (vordere Reihe, Mitte) mit Sängerinnen des Ensembles „Rodopa“

FOTO rodopa-ensemble.com

Die Karriere von Walja Balkanska, einer der kulturellen Ikonen Bulgariens, begann im Alter von 18 Jahren mit dem ersten Vorsingen für das neu gegründete Folkloreensemble in Smoljan. Ihre Aufnahme als Solistin des eindrucksvollen Liedes über Strachil Wojwoda stammt aus dem Jahr 1979 – zwei Jahre nachdem ihr unvergleichlicher Welthit „Islel e Deljo Hajdutin“, der auf der Goldenen Schallplatte an Bord von Voyager 1 verewigt ist, seine Reise ins All angetreten hatte. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov