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Bericht

Bulgaren zahlen nur noch in Euro – wofür haben wir die letzten Lewa ausgegeben

Montag, 2 Februar 2026, 14:02

Bulgaren zahlen nur noch in Euro – wofür haben wir die letzten Lewa ausgegeben

FOTO BGNES

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Seit dem 1. Februar 2026 ist die einheitliche europäische Währung das einzige gesetzliche Zahlungsmittel in Bulgarien. Und obwohl sich noch ein Viertel der Lewa im Besitz der Bevölkerung befindet, müssen sich die Menschen nicht vor einem Verlust ihrer Ersparnisse sorgen. Bis zum 30. Juni 2026 können Banknoten und Münzen in den Filialen der Geschäftsbanken sowie in den Niederlassungen der „Bulgarischen Post“ in Ortschaften ohne Bankfilialen kostenlos von Lewa in Euro umgetauscht werden.

Ab dem 1. Juli 2026 können die Banken und die „Bulgarische Post“ für diese Dienstleistung eine Gebühr erheben.

Der Umtausch der Lewa in Euro bleibt jedoch bei der Bulgarischen Nationalbank BNB kostenlos, wo Geldscheine und Münzen unbegrenzt und ohne zeitliche Begrenzung zum offiziellen Wechselkurs von 1,95583 Lewa pro Euro umgetauscht werden können.

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Um den Preisvergleich für die Verbraucher zu erleichtern, dauert der Zeitraum der doppelten Preisauszeichnung von Waren und Dienstleistungen in Lewa und Euro noch bis zum 8. August an. Auch der Endbetrag, der vom Verbraucher zu zahlen ist, muss auf dem ausgestellten Kassenbon in beiden Währungen angegeben werden.

Obwohl diese Maßnahme zur Erleichterung des Übergangs eingeführt wurde, sorgt gerade die doppelte Preisauszeichnung nicht selten für Verwirrung bei der ersten Wahrnehmung durch die Bürgerinnen und Bürger. Viele von ihnen haben sich bereits zu Beginn des Jahres vom Lew „verabschiedet“ und operieren ausschließlich mit Euro. Andere haben sich noch die eine oder andere Lewa-Banknote oder einige Stotinki aufbewahrt – als Andenken, zeigt eine Umfrage von Ayse Latif unter Bürgerinnen und Bürgern der nordostbulgarischen Stadt Schumen.

Ich habe keine bulgarischen Lewa mehr. Vielleicht eine Woche nach der Einführung des Euro habe ich sie ausgegeben, und jetzt bin ich nur noch mit Euro unterwegs“, sagt eine Teilnehmerin der Umfrage. Ihre letzten bulgarischen Lewa gab sie für Lebensmittel aus, wie auch die meisten Befragten, außerdem für Strom-, Heizkostenrechnungen und Ähnliches. Andere wiederum haben noch bulgarische Lewa in ihren Geldbörsen.


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Ich habe noch Lewa“, sagte ein älterer Mann und ergänzte: „Es sind nicht so viele, dass es sich lohnen würde, sie anzulegen. Es reicht, dass ich so viele Jahre alt bin und mein ganzes Leben nur mit diesem Geld umgegangen bin und dank ihm zu meiner heutigen Lage gekommen bin.“

Nach einem Monat des parallelen Umgangs mit Lewa und Euro gehört der bulgarische Lew heute bereits der Geschichte an und mit ihm auch die Abbildungen bedeutender historischer Persönlichkeiten, die uns jahrelang aus den Geldbörsen entgegenblickten: Petar Beron, Aleko Konstantinow, Stefan Stambolow und Pentscho Slawejkow. Sie waren Teil unseres Alltags, gedruckt auf den Geldscheinen, die wir in den Händen hielten. Ayse Latif sammelte die letzten Geschichten rund um den Lew unter Einwohnerinnen und Einwohnern von Schumen - ihre letzten Einkäufe, die letzten Erinnerungen und letzten Gesten gegenüber der bulgarischen Währung. Der Abschied ist für jeden unterschiedlich, alle teilen jedoch das Gefühl, dass eine wichtige Lebensphase zu Ende geht, die Jahrzehnte gedauert hat.

Ich habe mir mit den letzten 200 Lewa eine Tasche und Turnschuhe gekauft. Ja, vielleicht werde ich mich mit Nostalgie an den bulgarischen Lew erinnern, solange ich sie trage“, sagte eine Frau mittleren Alters. Und so wurden die letzten bulgarischen Lewa für den Kauf von Büchern, für Renovierungen, Medikamente, Stromrechnungen, eine Wohltätigkeitskampagne verwendet …

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Die letzten Lewa habe ich am 31. Dezember für Gebühren ausgegeben, und wir haben das neue Jahr ganz neu begonnen“, erzählte ein Einwohner von Schumen, und ein anderer Mitbürger ergänzte: „Wir haben uns ein paar Stotinki aufgehoben, um die Jungen daran zu erinnern, wie es früher war, um ihnen zu zeigen, was das war. Aber mir ist aufgefallen, dass die neuen bulgarischen Euro-Münzen ein wunderbares Design haben.“

Viele Bulgaren haben sich eine Lewa-Münze oder Stotinki aufbewahrt. Andere sind „modern“ vorgegangen und haben die Banknoten fotografiert, und wieder andere haben eine ganze Sammlung angelegt, die sie ihren Nachkommen vermachen wollen.

Alle Banknoten zu 100, 50, 20, 10, 5 sowie die Stotinki habe ich mir als Andenken gesammelt“, teilte eine Teilnehmerin der Umfrage von Ayse Latif vom BNR Schumen mit.

Alle Banknoten zu 100, 50, 20, 10, 5 sowie die Stotinki habe ich mir als Andenken gesammelt“, teilte eine Teilnehmerin der Umfrage von Ayse Latif vom BNR Schumen mit.


Übersetzung: Rossiza Radulowa