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Wenn die Zeit auf die Bremse tritt – Retrowagen und Wein im Dorf Kapatowo

Sonntag, 22 Februar 2026, 13:13

Wenn die Zeit auf die Bremse tritt – Retrowagen und Wein im Dorf Kapatowo

FOTO classicauto.bg

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Am Fuße des Pirin-Gebirges, inmitten von Weinbergen und alten Steinhäusern, scheint die Zeit auf die Bremse getreten zu sein. Im Dorf Kapatowo in der Region Petritsch stoßen wir auf einen ungewöhnlichen Ort – ein Museum für Retrowagen, in dem die Geschichte auf vier Rädern lebendig wird.

Hier sind über 60 alte Autos und Dutzende Motorräder ausgestellt. Einige der Exponate sind nicht nur für Bulgarien, sondern auch für Europa einzigartig. Zum Beispiel ein äußerst seltenes Modell von Pierce-Arrow – das offizielle Auto des Weißen Hauses von 1909 bis 1933, in dem die amerikanischen Präsidenten fuhren; oder das legendäre Ford Model T von 1912 – das erste Auto, das am Fließband hergestellt wurde und ein Symbol für das neue Industriezeitalter ist. Jedes Auto hat seine eigene Geschichte, die durch die faszinierenden Erzählungen des Kurators Kristijan Schelew zum Leben erweckt wird. Zu den interessantesten Exponaten gehört der private Rolls-Royce der Familie Bacardi.


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Der erste und eigentliche Besitzer ist Lord Bacardi selbst – Gomez Bacardi. Auf den hinteren Türen sind die Wappen angebracht, auf der Schwelle befindet sich ein Schild mit der Aufschrift „Produced by Rolls-Royce – Louis Gomez del Campo, Lord Bacardi“. Es handelt sich um ein Auto, das mit einer bestimmten historischen Persönlichkeit in Verbindung steht“, so Kristijan Schelew.


Chevrolet Corvette C1

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Das Retro-Museum in Kapatowo verfügt auch über eine reichhaltige Sammlung alter Mercedes-Modelle sowie den ersten Chevrolet Corvette C1 (1962). Die Sammlung wird ständig um seltene und wertvolle Autos erweitert. Das Team verfolgt Auktionen und Anzeigen aus Europa und Amerika, und in den letzten Jahren kommen immer häufiger auch interessante Exemplare aus Bulgarien ins Museum. Ein besonderer Platz ist den Autos gewidmet, die mit unserer Geschichte verbunden sind:

ZIA 110 and ZIS 110 B

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Wir haben vier Fahrzeuge aus der Sammlung des Nationalen Sicherheitsdienstes, der ehemaligen UBO (Redaktion: Abteilung der ehemaligen Staatssicherheit während des Sozialismus). Es handelt sich um äußerst wertvolle historische Fahrzeuge - zwei ZIS (Zavod Imeni Stalina) – die ersten sowjetischen Oberklasselimousinen, die ersten Repräsentationsfahrzeuge in Bulgarien – ZIS in der Cabrio-Version. Wir haben zwei alte Schwarz-Weiß-Fotografien ausgestellt. auf der einen ist Juri Gagarin in einer solchen ZIS-Limousine zu sehen; auf der anderen sind Chruschtschow und Todor Schiwkow, ebenfalls mit unserer ZIS“, erzählte Kristijan Schelew und fügte hinzu:

Außerdem haben wir einen ARO (Auto Romania) – einen rumänischen Jeep. Er ist äußerst wertvoll. Erstens, weil er ein Geschenk von Nicolae Ceaușescu an Todor Schiwkow für die UBO war. Und zweitens, weil er nichts mit dem Standard-ARO zu tun hat – er hat ein viel längeres Fahrgestell, eine höhere Decke, auf der Rückseite der Vordersitze befinden sich kleine Tische, hinten gibt es eine Weinbar und Sitze für die Sicherheitsleute. Ein äußerst seltenes und wertvolles Auto. Wir haben auch einen Bulgaralpine, der Ilija Tschubrikow gehörte (Redaktion: einer der Pioniere des bulgarischen Motorsports). “

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Die Region Petritsch ist seit langem für ihre Weine und gemütlichen Weinkeller bekannt, in denen Weinverkostungen zu einem echten Ritual werden. In Kapatowo, direkt neben dem Museum, befindet sich auch eine Weinkellerei, die das Erlebnis abrundet. Normalerweise besichtigen die Gäste zuerst die Autoausstellung und begeben sich dann in den Verkostungsraum, wie wir von Kristijan Schelew erfuhren. Und noch etwas:


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Die Region hat sich zu einem Weinbaugebiet entwickelt – hier gibt es eine große Dichte an Weinkellereien, die nicht weit voneinander entfernt sind. Das benachbarte Sandanski ist eine sehr lebendige Stadt mit vielen Touristen. Viele Menschen kommen hierher, besuchen die Weinkellereien, machen Weintouren und Weinproben. Das Museum ist eine wunderbare Ergänzung, denn sowohl der Wein als auch die alten Autos erzählen Geschichten. Die Kombination aus Weinprobe und Besuch des Retro-Museums hat sich als sehr erfolgreich erwiesen. Das war auch eine der Ideen des Besitzers – das Museum sollte neben der Weinkellerei liegen. Am Wochenende kommen 300 bis 400 Menschen vorbei. Und wir haben bereits 3.000 Eintrittskarten pro Monat verkauft, was für das Museum eine sehr große Zahl ist“, sagte Kristijan Schelew abschließend.


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Übersetzung: Antonia Iliewa

Redaktion: Rossiza Radulowa