Defibrillatoren an öffentlichen Orten – Chance zur Rettung von Menschenleben

Die Definition des Begriffs „Erste Hilfe“ blieb von den Änderungen im Gesundheitsgesetz ausgenommen

Mittwoch, 4 Februar 2026, 13:03

Defibrillatoren an öffentlichen Orten – Chance zur Rettung von Menschenleben

FOTO Archiv

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Die verabschiedeten Änderungen im Gesundheitsgesetz ermöglichen die Aufstellung von Defibrillatoren an öffentlichen Orten sowie deren Einsatz, wenn Erste Hilfe geleistet werden muss. Dieser wichtige Schritt hin zu einer sichereren Umgebung und zu mehr Sorge um die öffentliche Gesundheit wurde auf Vorschlag zweier Abgeordneter – Dr. Kostadin Angelow von GERB und Dr. Alexandar Simidtschiew von PP–DB – unternommen und erhielt die Unterstützung aller Parteien im Plenarsaal. Bulgarien hinkte bisher den übrigen EU-Staaten hinterher, wodurch auch die Möglichkeit behindert wurde, Menschenleben zu retten – erklärte Dr. Alexandar Simidtschiew gegenüber dem Bulgarischen Nationalen Rundfunk:


FOTO Facebook/ Alexandar Simidtschiew

Automatische externe Defibrillatoren sind ein Hilfsmittel bei plötzlichem Herztod, wenn dieser auf das sogenannte Kammerflimmern zurückzuführen ist. 50 Prozent der Menschen, die in einen solchen Zustand geraten, können gerettet werden, allerdings nur, wenn dies in den ersten etwa zehn Minuten geschieht, da der Mensch für jede Minute ohne Blutversorgung 10 Prozent seiner Chancen auf Wiederherstellung verliert.“

Dieses gesamte Handlungsprotokoll ist Teil der sogenannten Ersten Hilfe bis zum Eintreffen eines medizinischen Teams, die häufiger von Menschen geleistet wird, die keine Mediziner sind. In der Regel umfasst sie eine äußere Herzmassage und Beatmung, doch bei einer Störung des Herzrhythmus und Kammerflimmern, bei dem das Herz nicht arbeitet, ist die Durchführung einer Defibrillation erforderlich.

FOTO ASO – Universitäts-Rettungsteam

Es werden zwei Elektroden auf dem Brustkorb angebracht, sie beurteilen, ob dieser Zustand vorliegt oder nicht, und werden nur dann aktiviert, wenn er tatsächlich vorhanden ist. Mit Bildern ist gekennzeichnet, wie und wo sie auf dem Brustkorb anzubringen sind, die Geräte sprechen auf Bulgarisch mit ruhiger Stimme, was zu tun ist, und einige von ihnen verfügen sogar über ein akustisches Metronom, das anzeigt, mit welcher Frequenz die indirekte Herzmassage durchzuführen ist“, erläuterte der Arzt.

Wichtig ist, dass die Menschen Bescheid wissen und keine Angst haben, solche Geräte zu benutzen, was durch eine groß angelegte Informationskampagne erreicht werden kann. Der Abgeordnete versichert, dass die Geräte für die Nutzung durch ungeschulte Personen lizenziert sind und dass die Risiken ihrer Anwendung auf null Prozent reduziert wurden. Daher können die Menschen sie verwenden, ohne zu befürchten, dass im Falle eines tödlichen Ausgangs jemand Verantwortung für eine angeblich unrechtmäßig geleistete Erste Hilfe einfordern könnte.

FOTO BTA

Die Orte, an denen die Geräte aufgestellt werden, sollen durch eine Verordnung des Gesundheitsministers festgelegt werden – in der Regel an Standorten, an denen sich viele Menschen versammeln. Dies wird eine gleichmäßige Verteilung der Defibrillatoren auf dem gesamten Gebiet Bulgariens ermöglichen.

Nach Ansicht von Dr. Simidtschiew sollten in diese Liste auch die U-Bahn-Stationen sowie die Stadien aufgenommen werden, da sich dort viele Menschen aufhalten und es bereits Fälle von Sportlern gegeben hat, die in Kammerflimmern geraten sind, wobei das Vorhandensein eines solchen Geräts lebensrettend ist. Eine persönliche Initiative des Abgeordneten ist zudem die Aufstellung von Defibrillatoren an den Eingängen der Volksversammlung.

FOTO aed-bg.com

Wenn es zu einer Massenansammlung von Menschen kommt, kann es zu einem solchen Fall kommen, und wenn kein solches Gerät in der Nähe ist, kann den Betroffenen nicht geholfen werden. Wir hatten einen solchen Vorfall vor einigen Monaten, als während eines Protests ein Polizist starb. Hätten wir damals ein solches Gerät gehabt, hätte die Chance, ihn zu retten, 50 Prozent betragen.“

Eines der Ziele des von Dr. Simidtschiew und Dr. Angelow vorgeschlagenen Gesetzentwurfs war es, den Begriff „Erste Hilfe“ zu definieren und ihn von der Notfallhilfe abzugrenzen. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass Erste Hilfe unter Notfallbedingungen, jedoch von ungeschulten Personen geleistet wird und in ihrem Umfang sehr begrenzt sein muss, um keinen Schaden zu verursachen, erläuterte Dr. Simidtschiew.

FOTO Bulgarisches Rotes Kreuz

Das Bulgarische Rote Kreuz ist die Organisation, die systematisch Schulungen in Erster Hilfe durchführt. Nach Ansicht von Dr. Simidtschiew wäre es auch möglich, Erste-Hilfe-Unterricht in der Schule im Rahmen von Gesundheitsstunden anzubieten, die in den Lehrplan der Schülerinnen und Schüler aufgenommen werden könnten.

Wir haben immer vorgeschlagen, so etwas einzuführen, aber der Lehrplan des Bildungsministeriums ist recht überladen, und um etwas Neues aufzunehmen, muss etwas Altes wegfallen, und das Problem ist, was wegfallen soll… Trotzdem ist vielleicht das Größte, was wir für die öffentliche Gesundheit tun können, sie mit der Bildung zu verbinden, denn alle Probleme im Zusammenhang mit Ernährung, Sport und Prävention schädlicher Gewohnheiten können im Bildungssystem und nicht im Gesundheitssystem gelöst werden“, ist der Abgeordnete überzeugt.


Übersetzung: Rossiza Radulowa