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Bildungsprogramm „Fortissimo Akademie“ – ein originelles bulgarisches Produkt

Mittwoch, 11 Februar 2026, 16:10

Bildungsprogramm „Fortissimo Akademie“ – ein originelles bulgarisches Produkt

FOTO Viktoria Wutschewa / Sofioter Philharmonie

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Das musikpädagogische Programm „Fortissimo“ wurde 2011 vom Dirigenten Maxim Eschkenasi mit Unterstützung der Stiftung „America for Bulgaria“ ins Leben gerufen und umfasst mehrere Projekte, darunter „Fortissimo Familie“, „Fortissimo Fest“ und „Fortissimo im Klassenzimmer“. Seit 2018 gehört „Fortissimo Familie“ zum Spielplan der Sofioter Philharmonie. Anfang 2016 startete zudem eine Konzertreihe für Erwachsene unter dem Titel „Fortissimo Akademie“. Nach Angaben der Organisatoren richtete sich diese besondere „musikalische Akademie“ an „bereits erwachsene Liebhaber der klassischen Musik“ – sowohl an Neugierige, die sich gerade erst für sie interessierten, als auch an jene, die mehr über Komponisten und Werke erfahren wollten, die wir heute als „klassisch“ bezeichnen. Programmleiter und Autor der Texte des Projekts war der Schriftsteller Aleksandar Tschobanow.

Aleksandar Tschobanow

FOTO Facebook/FortissimoFamily

Die ursprüngliche Idee von Maxim Eschkenasi sah vor, dass die Kinderveranstaltungen mit klassischer Musik einen ausgeprägten Theatercharakter haben sollten – mit Drehbuch, kostümierten Schauspielern, Puppen und Balletttänzern. Die erste dramaturgische Aufgabe für Tschobanow galt einem Konzert für Jugendliche. Sie habe zunächst schwierig gewirkt, doch „es stellte sich heraus, dass ich mit der klassischen Musik ziemlich vertraut bin“, sagte der Autor. Er stamme aus einer Musikerfamilie: „Mein Großvater war Dirigent, mein Vater Pianist … ich bin in der Liebe zur klassischen Musik erzogen worden.“ 

Die Auswahl der im Programm vorgestellten Komponisten und Werke erfolgte gemeinsam mit dem renommierten Geiger Pawel Slatarow – Konzertmeister der Sofioter Philharmonie und musikalischer Leiter von „Fortissimo“. 

Pawel Slatarow

FOTO Facebook/FortissimoFamily

In der mehr als zehnjährigen Geschichte des Projekts wurde ein umfangreiches Repertoire der bekanntesten klassischen Komponisten präsentiert. Wie bewertete der Autor von „Fortissimo“ die Entwicklung des Programms über die Jahre und wie wurde neues Publikum gewonnen?  

Ich glaube nicht, dass klassische Musik um ein Publikum kämpfen muss oder dass wir kämpfen, um Zuhörer zu gewinnen. Sie existierte vor uns, sie existiert heute und sie wird auch nach uns existieren“, sagte Tschobanow. Wichtiger sei es, dass Eltern, die ihren Kindern einen breiteren Horizont und eine reichere Allgemeinbildung vermitteln wollten, sie mit klassischer Musik, mit Komponisten und Instrumenten bekannt machten. „Wenn ein Kind dann Interesse zeigt, findet es uns von selbst und kommt wieder – zu unseren Konzerten für Jugendliche und jetzt auch zur ‚Fortissimo Akademie‘, die bereits Bildungs­konzerte für Erwachsene sind.“ 

FOTO Facebook/FortissimoFamily

Wir richten uns immer an Kinder, aber die Eltern finden uns von selbst“, betonte er. Man versuche nie, sie aggressiv anzusprechen oder sich zu verkaufen. Ziel des Programms und die gesamte Philosophie der Philharmonie sei es, hochwertige Inhalte anzubieten – „die Menschen wissen dann, wo sie uns finden“. Aggressive Werbung sei weder notwendig noch wünschenswert. 

Der Autor erläuterte, dass sich die Veranstaltungen der „Fortissimo Akademie“ deutlich von den Kinderformaten der „Fortissimo Familie“ unterschieden. Sie seien ernster und tatsächlich akademischer angelegt, wenngleich mit einem Moderator, der das Publikum einführe und mit der Biografie des Komponisten sowie Details zum Werk vertraut mache. Dieser an eine Vorlesung erinnernde Ansatz ermögliche „ein wesentlich tieferes Hören und Verstehen der Musik“. 

FOTO Facebook/FortissimoFamily

Nach Rachmaninow seien Bildungs­konzerte zu Mozart, Mendelssohn und Gershwin geplant. 

Vor Jahren sei „Fortissimo“ auf der Grundlage amerikanischer Erfahrungen entstanden, insbesondere neuer multimedialer Formate, wie sie vom US-amerikanischen Kulturhistoriker und Kritiker Joseph Horowitz entwickelt wurden. Wie habe sich die multimediale Linie im Programm weiterentwickelt? 

FOTO Facebook/FortissimoFamily

„Ich bin kein Befürworter vieler digitaler Geräte im Saal ‚Bulgarien‘. Das hängt mit der Akustik und der natürlichen Klangwahrnehmung der Musik zusammen“, erklärte Tschobanow. Aus der amerikanischen Version habe man den Multimedia-Aspekt weitgehend gestrichen und setze stattdessen auf eine eher analoge Form – Wort und Musik. „Ich glaube, dass die Zuhörer so aufmerksamer und konzentrierter sind.“ 

Aleksandar Tschobanow ergänzte, er kenne viele europäische und internationale musikpädagogische Projekte, da diese weltweit sehr verbreitet seien. „Aber wir sind ziemlich authentisch“, sagte er. „Die ‚Fortissimo Akademie‘ ist ein absolut originelles bulgarisches Produkt – ja. 


Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov