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Joan Kolew
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Katalog und Ausstellung über Regisseurinnen im bulgarischen Dokumentarfilm
Sonntag 1 März 2026 14:45
Sonntag, 1 März 2026, 14:45
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Bis zum 6. März 2026 ist im Regionalen Historischen Museum Sofia die Ausstellung „Regisseurinnen im bulgarischen Dokumentarfilm des 20. Jahrhunderts“ zu sehen. Präsentiert werden Porträts ikonischer bulgarischer Filmschaffender, darunter Adela Peewa, Binka Scheljaskowa, Borjana Puntchewa, Iglika Trifonowa, Mariana Ewstatiewa-Bioltschewa, Maja Wapzarowa und weitere. Ergänzt wird die Schau durch seltene Aufnahmen aus den Dreharbeiten bedeutender Werke ihrer Filmografien.
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Ein gleichnamiger Katalog vertieft das Wissen über die Arbeit dieser Frauen, die es in „männlich geprägten Zeiten“ verstanden, deutliche Spuren im bulgarischen Filmschaffen zu hinterlassen.
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„Unsere Idee war es, über weniger bekannte Gesichter des bulgarischen Dokumentarfilms zu sprechen – und das sind ganz eindeutig die Frauen. Wir betrachten ausschließlich Regisseurinnen, die bis zum Ende des 20. Jahrhunderts gearbeitet haben. Damals war es deutlich leichter für Männer, deren Namen heute auch die bekanntesten in der Geschichte des bulgarischen Kinos sind“, erklärt Eliza Gozewa vom Institut für Kunstforschung der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften. Sie gehört zum ausschließlich weiblichen Team, das das Projekt umgesetzt hat. „Wir wollten zeigen, dass auch Frauen sehr gute Filme geschaffen haben, deren Spuren mit der Zeit verblasst sind. Viele Regisseurinnen verfügen heute nicht mehr über einen Teil der Filme, die sie bis 1989 gedreht haben. Unser Ziel war es daher, die Erinnerung an diese Persönlichkeiten zurückzuholen – an Frauen, die den Mut hatten zu schöpferischem Arbeiten.“
Heute sei die Situation eine völlig andere: Wer möchte, habe die Freiheit und Möglichkeit, selbst mit einem Mobiltelefon zu filmen.
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„In den 1990er-Jahren und zu Beginn des neuen Jahrhunderts war das noch nicht möglich. Man war auf den Zugang zu Kamera und Team angewiesen und damit Teil eines komplexen Systems, zu dem nur wenige Zutritt hatten. In dieser Hinsicht ist es heute sehr viel einfacher, sich auszudrücken – auch dank Förderprogrammen für junge Regisseurinnen und Regisseure, Drehbuchautorinnen und -autoren, Schauspielerinnen und Schauspieler und andere“, so Gozewa.
Die Beschaffung der notwendigen Informationen sei eine Herausforderung gewesen, ergänzt Gergana Dontschewa vom Institut für Balkanstudien der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften:
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„Wir stützten uns vor allem auf Archivmaterialien, insbesondere aus der Bulgarischen Nationalen Filmothek. Viel Aufwand war nötig, um die Nachkommen einiger Regisseurinnen ausfindig zu machen, die nicht mehr unter uns sind. Es stellte sich heraus, dass nur wenige Fotografien erhalten geblieben sind, uns aber gerade Aufnahmen aus dem Drehprozess wichtig waren. Trotz dieser Schwierigkeiten konnten wir schließlich eine beachtliche Zahl zusammentragen – offenbar gab es Menschen, vor allem Kameraleute, die während der Dreharbeiten fotografiert haben.“
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Auch heute sind Frauen auf dem Regiestuhl noch in der Minderheit. Beispiele wie diese können jedoch Inspiration für all jene sein, die ihr Potenzial noch nicht voll entfaltet haben.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov