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Die Musik von Milen Kirow – eine fesselnde Mischung aus Klassik und „Dorf-Funk“

Montag, 2 März 2026, 10:15

Milen Kirow

Milen Kirow

FOTO milenkirov.net

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„Wo ist mein Zuhause?“ – eine Frage, deren Antwort logisch erscheint: „Dort, wo ich geboren wurde.“ Doch das Leben kann uns dazu bringen, uns an verschiedenen Orten der Welt gleichermaßen zu Hause zu fühlen. So ist auch der Weg des Pianisten Milen Kirow, der seit nunmehr 25 Jahren voller intensiver künstlerischer Arbeit und zahlreicher Konzerte seine Zeit zwischen Los Angeles, Sofia und Plowdiw teilt. 

Geboren in der Familie des Komponisten und Gadulka-Lehrers Todor Kirow, mit dem er im Laufe der Jahre auch gemeinsam auftrat, wuchs Milen mit einer engen Beziehung zur Folklore auf. Er begann Klavierunterricht zu nehmen und begleitete später seine Mutter, die Volksliedsängerin Rossiza Kirowa. Eine Zeit lang lernte er auch Gadulka, doch das Klavier blieb das Instrument, das seinen Lebensweg bestimmte. Im Alter von zehn, elf Jahren entdeckte er durch Freunde die Magie des Jazz, und sein Vater schenkte ihm seinen ersten Yamaha-Synthesizer. Jahre später – bis heute – ist Milen Kirow Werbegesicht des weltbekannten Unternehmens. 

Bereits als Teenager erkannte der Musiker Verbindungen zwischen bulgarischer Folklore und amerikanischem Jazz:

FOTO milenkirov.net

„Mir fiel auf, dass sowohl die bulgarische als auch die amerikanische Musiktradition auf zwei Elementen beruhen: Zum einen auf der Improvisation, der Freiheit des Denkens und dem persönlichen Beitrag zum Musizieren, zum anderen auf dem Rhythmus. Natürlich sind die ungeraden Taktarten unterschiedlich und typisch für unsere Musik, aber ähnlich ist der Rhythmus auch ein führendes Element der traditionellen amerikanischen Musik, die aus der afroamerikanischen Kultur stammt. Deshalb kombiniere ich diese Traditionen, die für mich gut zusammenpassen und einen Mix ergeben, der in meinen Ohren sehr natürlich klingt“, erzählt Milen Kirow gegenüber Radio Bulgarien.

Mit nur 18 Jahren ging er in die USA, seine erste Station war Las Vegas. Er kam als klassisch ausgebildeter Pianist, interessierte sich jedoch ebenso für Jazz-, Pop- und Rockmusik.

„Kurz nach meiner Ankunft in Las Vegas bot mir ein neuer Freund, der auf eine lange Tournee ging, an, ihn als Pianist in einer Baptistenkirche zu vertreten. Neben der Band hatte die Kirche einen Chor mit fast hundert Sängern und rund 3.000 Sitzplätze. Wir hielten mehrere Gottesdienste pro Tag ab – das war eine große Schule für mich und eine Gelegenheit, mit sehr guten Musikern zu spielen, die mich mochten.“ 

FOTO Privatarchiv von Milen Kirow

Etwa ein halbes Jahr blieb Milen in der Kirche. Der abrupte Wechsel von der Klassik zur Gospelmusik sei für ihn jedoch nicht allzu schwierig gewesen: 

„Gospel ist eine der Säulen von Jazz, R&B und Soul. Ich habe schon mit zwölf Jahren Melodien und Soli nach Gehör notiert und mir Stücke von Jazz- und Soulmusikern eingeprägt, sodass ich gewissermaßen vorbereitet war. Ich habe Musikstile nie strikt getrennt – das spürt man auch in meiner heutigen Arbeit, in der die Klassik ebenfalls ihren Platz hat.“ 

Obwohl in den USA viele bulgarische klassische Pianisten leben und arbeiten, gingen die Vorstellungen über gemeinsame Projekte oft auseinander. Über viele Jahre jedoch spielte Milen Kirow mit seinem Bruder im von ihm gegründeten Orchester „Meze“. 

„Das Orchester Meze begann 2010 als Studentenensemble. Das Interesse war riesig – etwa 30 Leute wollten mitmachen. Ich wählte 14 aus, begann, Originalmusik zu schreiben und bulgarische sowie balkanische Volkslieder zu arrangieren. Dann organisierte ich ein Konzert in einem Club, zu dem Menschen kamen, die so etwas noch nie gehört hatten.“ 

Der Erfolg ermutigte ihn zu weiteren Veränderungen in der Besetzung. Er wählte einige der besten bulgarischen Musiker aus, ergänzte sie durch internationale Kollegen und formte eine Gruppe, die amerikanische und balkanische Musik vereint. Der Stil erhielt die farbige Bezeichnung „Dorf-Funk“, da beide musikalischen Traditionen aus dem Volk stammen. 



FOTO Privatarchiv von Milen Kirow

In Bulgarien spielt Milen mit langjährigen Freunden aus Plowdiw – dem Saxofonisten Dimitar Ljölew, dem Schlagzeuger Nacho Gospodinow und dem Bassisten Aleksandar Lekow. In einer anderen Formation arbeitet er mit dem Schlagzeuger Kristian Schelew und dem Bassisten Daniele Febo zusammen. Zudem veröffentlichte er ein Soloalbum mit dem Titel „Spatium“. 

Neben seiner erfolgreichen Laufbahn als Musiker ist Milen Kirow ein geschätzter Dozent für Komposition, klassisches und Jazzklavier, Musiktheorie und Solfeggio an einigen der renommiertesten Universitäten und Konservatorien Kaliforniens. Dazu zählen das California Institute of the Arts, die California State University – Northridge, die Chapman University sowie die Colburn School. Er trat außerdem mit Stars der internationalen Rock- und Jazzszene auf, darunter Perry Farrell und Ellis Hall, für den er auch den Song „Love Revolution“ schrieb – gewidmet jenen Menschen weltweit, die eine Revolution durch Liebe und nicht durch Krieg anstreben. 

In seiner Freizeit begeistert sich Milen Kirow für verschiedene Sommer- und Wintersportarten sowie für das Kochen. Als leidenschaftlicher Hobbykoch experimentiert er gern mit Aromen – genauso wie mit musikalischen Rhythmen. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov