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Weneta Nikolowa
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Samstag 21 März 2026 16:10
Samstag, 21 März 2026, 16:10
FOTO RHM - Stara Sagora
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Vor achttausend Jahren entstand im Gebiet des heutigen bulgarischen Dorfes Dolnoslaw eine der rätselhaftesten Kulturen des Balkans. In der Region Assenowgrad, zwischen Ebene und Gebirge, legten Archäologen Siedlungshügel frei, die Spuren prähistorischen Lebens vom Ende des VII. bis zur Mitte des IV. Jahrtausends v. Chr. tragen. Mehr als 5.300 Funde erlauben einen Blick in die Vergangenheit einer hochentwickelten, bislang wenig bekannten Zivilisation. „Bislang ist nur die oberste Schicht von Dolnoslaw erforscht – eine Siedlung aus der späten Kupfersteinzeit. Darunter liegen jedoch noch unerforschte Schichten aus der frühen Jungsteinzeit“, sagte Rossiza Mitkowa, Leiterin der Sammlung „Prähistorie“ am Regionalen Archäologischen Museum Plowdiw, und ergänzte:
Rossiza Mitkowa
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„Die Wohnhäuser bestanden aus in den Boden gerammten Pfosten, verflochten mit Ruten und mit Lehm verputzt. Das Dach war als Pfettendach konstruiert. Einige Gebäude waren sogar zweigeschossig. In Dolnoslaw wurden auf den Böden Holzbohlen gefunden, die vor Feuchtigkeit und Kälte isolierten. Wahrscheinlich ähnelten die Häuser den Lehmziegelbauten, wie wir sie heute noch in der Ebene sehen.
Es handelte sich um die ersten Ackerbauern. Sie begannen, das Land mit einfachen Werkzeugen zu bearbeiten. Im Laufe der Kupfersteinzeit nutzten sie vermutlich auch Rinder als Zugtiere, um größere Flächen zu bewirtschaften. Ihren Lebensunterhalt sicherten sie zudem durch Jagd und Fischfang. Bereits im frühen Neolithikum fertigten sie elegante Gefäße mit polychromer Verzierung an, während sich in der späten Kupfersteinzeit eine Standardisierung in der Herstellung keramischer, kupferner und goldener Erzeugnisse beobachten lässt.“
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Die Archäologen stießen auf Werkzeuge und Geräte, kleine plastische Darstellungen von Menschen und Tieren, Farbpigmente, Schmuck sowie Gegenstände, die mit Kult und Magie in Verbindung stehen. Die meisten Funde stammen aus der späten Kupfersteinzeit, die zeitlich mit dem Warnaer Gräberfeld korrespondiert. Eine der interessantesten Hypothesen verknüpft Dolnoslaw mit antiken Tempelzentren in den Rhodopen, etwa Belintasch, wo astronomische Beobachtungen vorgenommen wurden. Gefundene Artefakte deuten darauf hin, dass die Bevölkerung die Bewegungen der Himmelskörper kannte und dieses Wissen in Landwirtschaft und Ritualen nutzte. Besonders bemerkenswert ist, dass Dolnoslaw älter als Troja und Zeitgenossin von Sumer war – zwei der bedeutendsten frühen Gesellschaften der Welt, wie Rossiza Mitkowa erläuterte:
FOTO RHM - Stara Sagora
„Diese Siedlungen waren nicht isoliert. Sie unterhielten Kontakte sowohl zum Mittelmeerraum als auch zu den Gebieten nördlich des Balkangebirges, sogar nördlich der Donau. In der späten Kupfersteinzeit entsteht eine gemeinsame materielle Kultur. Von den Karpaten bis zur Ägäis vereinheitlicht sich die Kultur dank metallurgischer Handelsbeziehungen, die zur Bildung vorstaatlicher Zusammenschlüsse führten. Das kupfersteinzeitliche Dolnoslaw zeugt von einem regen Austausch von Waren und Ideen – darunter mediterrane Muscheln und Goldobjekte –, was die frühe Kenntnis der Metallurgie bestätigt.“
Die genauen Ursachen für die Zerstörung der antiken Siedlung bleiben unbekannt. Nach einer These ging sie am Ende der Kupfersteinzeit in einem Großbrand zugrunde – infolge feindlicher Angriffe oder innerer Konflikte, ein Schicksal, das auch andere Orte der Region traf. Eine weitere mögliche Erklärung sind erhebliche Klimaveränderungen, die zum Versiegen der Wasserquellen und zur erzwungenen Abwanderung der Bevölkerung führten.
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Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov