Marko Totew – warum sein Name zum Synonym für Pech wurde

Sonntag, 15 März 2026, 16:50

Marko Totew – warum sein Name zum Synonym für Pech wurde

FOTO Sdrawka Masljankowa

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In Bulgarien sagt man, wenn von einem Menschen mit besonders viel Pech die Rede ist, nicht selten: „Ach, so ein Marko Totew!“ Doch wer war Marko Totew eigentlich – und wie wurde sein Name zum geflügelten Wort für jemanden, dem das Glück stets den Rücken kehrt? 

„Es handelt sich um einen bulgarischen Staats- und Gesellschaftsvertreter, der bereits vor der Befreiung eine glänzende Karriere als Jurist machte“, sagte der Doktor der Geschichtswissenschaften Iwan Zarow vom Historischen Museum in Weliko Tarnowo. Marko Totew wurde 1858 in der alten Hauptstadt geboren und entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Familie, fuhr der Historiker fort: 

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Marko Totew war ein außerordentlich gebildeter Mensch. Er liebte Musik und Literatur, führte ein bohèmehaftes Leben und bekleidete hohe öffentliche Ämter. Er war Richter und Abgeordneter in der Vierten Volksversammlung im Jahr 1893. Als brillanter Anwalt machte er sich einen Namen und verlor in seiner gesamten Laufbahn keinen einzigen Prozess. 

Trotz seines bemerkenswerten Lebens, in dem er als Perfektionist und äußerst pedantisch in seiner Arbeit galt, blieb er auch wegen seines ausgeprägten Humors als legendäre Persönlichkeit in Erinnerung. Bis heute werden ihm zahlreiche Anekdoten zugeschrieben. 

FOTO RHM - Weliko Tarnowo

„Er studierte Rechtswissenschaften in Europa, und als 1879 nach der Konstituierenden Versammlung mit dem Aufbau der bulgarischen Anwaltschaft begonnen wurde, war Marko Totew der erste, der in das offizielle Register eingetragen wurde. Da die Anwaltskammer von Tarnowo die erste überhaupt in Bulgarien war, bedeutet das, dass er der erste offiziell anerkannte Jurist des neuen bulgarischen Staates war. Er war eine schillernde Persönlichkeit und ein großer Spaßmacher. Als Kartenspieler war er nicht besonders gut, und Poker war damals sehr beliebt. Eines Tages erhielt er beim Austeilen die höchste Kartenkombination. Genau in diesem Moment zog jedoch eine Trauerprozession für einen angesehenen Bürger von Tarnowo an dem Haus vorbei, und alle sprangen auf, um aus dem Fenster zu schauen. Marko Totew blieb mit seinen guten Karten am Tisch zurück. Als die anderen Spieler zurückkamen, erkannten sie ihm den Gewinn nicht an, weil sie glaubten, er habe die Karten in ihrer Abwesenheit manipuliert. Da sagte er seinen berühmten Satz: ‚Wann hat es Marko Totew je gut gegangen – und nun auch diesmal nicht.‘ Dieses Ereignis prägte sein Bild im öffentlichen Bewusstsein als Sinnbild für einen Menschen ohne Glück.“ 

Die Tochter und Enkel von Marko Totew

FOTO RHM - Weliko Tarnowo

Forscher seines Lebens berichten, dass er Polyglott gewesen sei und Russisch, Französisch, Rumänisch und Englisch fließend beherrscht habe. Zudem verfügte er über eine beeindruckende juristische Bibliothek. Marko Totew starb 1936. Seine Urenkel und Nachkommen leben heute in Frankreich und in den Vereinigten Staaten. 

Ein Teil der persönlichen Bibliothek von Marko Totew im Historischen Museum in Weliko Tarnowo

FOTO RHM - Weliko Tarnowo

„Marko Totew gewann sehr viele Prozesse, und zu seiner Zeit begann auch der Agrarprozess in Bulgarien, insbesondere in Tarnowo“, berichtete Dr. Iwan Zarow. „Viele Dörfer versuchten, sich Land von benachbarten Gemeinden anzueignen, was zu zahlreichen Gerichtsverfahren führte. Die Anwälte rieben sich die Hände, ihre Einnahmen stiegen deutlich. Aus irgendeinem Grund verschlechterten sich jedoch seine Beziehungen zur örtlichen Verwaltung, weshalb er mit seiner Familie nach Sofia übersiedelte. Das geschah in den 1880er-Jahren. Auch in Sofia machte er eine bemerkenswerte Karriere und blieb bis zu seinem Lebensende einer der angesehensten und gefragtesten Anwälte. Ein Teil seiner persönlichen Bibliothek wird bis heute im Historischen Museum von Weliko Tarnowo aufbewahrt. Vor seinem Weggang nach Sofia schenkte er seine Bücher dem örtlichen Lesesaal ‚Nadeschda‘, der bereits 1871 gegründet wurde. Nach der Befreiung diente gerade das Archiv dieses Lesesaals als Grundlage für die Gründung des Museums in Tarnowo – eine Institution mit einer über 150-jährigen Geschichte.“ 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov 

Gestaltet von Lyubomir Kolarov