Der Weg einer Bulgarin von der Spitzenforschung zur visuellen Kunst in Irland

Die ungewöhnliche Geschichte von Niki Collier mit märchenhaften Filzflügeln und neu erzählten keltischen Legenden

Donnerstag, 19 Februar 2026, 16:03

Der Weg einer Bulgarin von der Spitzenforschung zur visuellen Kunst in Irland

FOTO Facebook/NationalEthnographicMuseum

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Märchen und Legenden über Vögel erwachten im feierlichen großen Foyer des Instituts für Ethnographie und Volkskunde mit Ethnographischem Museum bei der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften zum Leben. Anlass war das Fest der alten keltischen Göttin der Gesundheit, des Handwerks und der Frauen in Irland – der heiligen Brigid, eines der drei großen Feste des Landes. 

Um über keltische Legenden zu berichten – und zwar auf unkonventionelle Weise, mit einer Ausstellung riesiger textiler Flügel und einem Atelier für keltische Knoten – kam die in Irland lebende Bulgarin Niki Collier nach Sofia. Sie ging bereits vor 27 Jahren in das Land der immergrünen Wiesen. Dorthin führte sie ihre wissenschaftliche Tätigkeit im Bereich Computertechnologien und künstliche Intelligenz. In Irland blieb sie wegen der Familie, die sie inzwischen mit ihrem britischen Ehemann gründete. Nach langjähriger wissenschaftlicher Arbeit vollzog sie einen grundlegenden Berufswechsel und wandte sich Kreativität, Handwerk und Kunst zu. Niki bringt viel Mut und innere Stärke mit und war zudem Mitbegründerin einer bulgarischen Sonntagsschule in Irland. 

Für ihre Tätigkeit wurde Niki Collier mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet. 

Niki Collier zu Gast beim Radio Bulgarien

FOTO Gergana Mantschewa

Nach Dublin und Wien kam Dr. Niki Collier mit „ihren Flügeln“ nun auch nach Sofia. Die Ausstellung „Symbole der Mobilität“ umfasst 12 Flügel aus Seide und Filz und ist die erste Einzelausstellung der Künstlerin in ihrer Heimat. Ihre Werke sind bis Ende Februar in den Sälen des Museums zu sehen. Über die leuchtende Lampe aus ihren Träumen, über die Erziehung ihrer Kinder und über ihre Verbindung zur keltischen Mythologie sprach die visuelle Künstlerin bei ihrem Besuch bei Radio Bulgarien:

„Ich habe einfach meinen ganzen Schwarm hierhergebracht, wir haben im Ethnographischen Museum ein Nest gefunden. Es ist mir eine große Freude, mit diesem Team zu arbeiten! All die Begegnungen rund um diese Ausstellung beflügeln mich so sehr, und ich habe das Gefühl, dass die Dinge, die ich ausspreche, viele Menschen seit Jahren in sich getragen haben. Mit dieser Ausstellung möchte ich Mut und Neugier wecken!

Die Flügel sind aus Wolle und Seide gefertigt und unglaublich leicht. Sie passen in eine einzige Tasche, und wenn man das Museum betritt, entfalten sie sich und füllen den ganzen Saal. Hier sind die Flügel des Phönix – mit seiner Geschichte begann alles. Zu sehen sind auch die Flügel der wilden Schwäne, die in der irischen Version drei Brüder und eine Schwester sind, die aus Brennnesselgarn magische Pullover strickt.  

FOTO Facebook/NationalEthnographicMuseum

Wir haben die Flügel des Storches – für mich ist das besonders symbolisch und emotional, weil es etwas ist, das Bulgarien und Irland verbindet. Sowohl hier als auch dort ist der Storch ein Symbol des Frühlings, mit dem Unterschied, dass es in Irland keine Störche gibt. 

FOTO Facebook/Niki Collier Visual Artist

Jeder, der Güte, Licht und Hoffnung sucht, kann unter die Flügel des Storches treten und um Gesundheit bitten – so will es die keltische Tradition im Zusammenhang mit Vogel­flügeln“, sagte Collier.  

FOTO Facebook/Niki Collier Visual Artist

Niki Collier erzählt, sie sei einst zu 100 Prozent überzeugt gewesen, nach Abschluss ihres Forschungsprojekts nach Bulgarien zurückzukehren. „Ich wollte als Dozentin arbeiten. Ich hatte den Plan, dort zu studieren und dann zurückzukommen, um mit meinem akademischen Wissen für Bulgarien nützlich zu sein. Doch die Pläne änderten sich“, berichtete sie. 

Ich lernte meinen Mann kennen – er ist Brite – und wir beschlossen, auf neutralem Boden zu bleiben. Wenn man unsere Kinder heute fragt, woher sie kommen, sagen sie: 50 Prozent Engländer, 50 Prozent Bulgaren und zu 100 Prozent Iren. Sie besuchen keine bulgarische Schule, wir haben eine sehr komplexe Familiendynamik und zusätzliche logistische Herausforderungen im Alltag“, erzählt Niki weiter. „Eines meiner Kinder hat besondere Bildungsbedürfnisse. 

Aber um mein ‚Gewissen zu erleichtern‘, sage ich: Ich war eine der Gründerinnen der bulgarischen Schule in Dublin – sie hieß ‚Ich bin ein Bulgare‘ und existierte nur drei Jahre, von 2007 bis 2009. Nach einer kurzen Pause wurde sie zum Vorläufer der heutigen Schule ‚Asbuki‘, die auch in meiner aktuellen Ausstellung präsent ist – in einem kleinen Dokumentarfilm mit dem Titel ‚Das schönste Küken‘. 

Niki Collier mit den Kindern der bulgarischen Schule „Asbuka“ in Dublin

FOTO Facebook/bgschoolie

Ich glaube, manchmal nehmen wir die Dinge vor uns nicht wahr. Jeder Tag stellt uns vor neue Herausforderungen, in denen wir uns selbst entdecken müssen. Das Leben erinnert uns daran, dass die Welt um uns herum nicht so gemacht ist, dass immer alles leicht ist. Aber was auch geschieht – wir müssen uns selbst bewahren. 

FOTO Facebook/Niki Collier Visual Artist

Ich habe zum Beispiel nur eingeschränkte Beweglichkeit in meiner rechten Hand. Oft werde ich gefragt, wie ich so viele Dinge aus Filz anfertigen kann, aber ich habe meine eigene Methode. Alles, was ich tue – selbst die einfachste Idee – bespreche ich, ich setze mich hin, rede darüber, höre zu. Ich fühle mich wie einer von allen anderen Menschen.“ 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov 

Gestaltet von Lyubomir Kolarov