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Radio Bulgarien zeichnet auf der Weltkarte eine andere, wahre Karte Bulgariens

Durch das mehrsprachige Programm des Bulgarischen Nationalen Rundfunks kann unser Staat in seine Zukunft investieren, ist der Generaldirektor des Bulgarischen Nationalen Rundfunks Milen Mitew überzeugt

Montag, 16 Februar 2026, 09:13

Milen Mitow

Milen Mitow

FOTO BGNES

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Radio Bulgarien ist seit genau neun Jahrzehnten Teil der 91-jährigen Geschichte des Bulgarischen Nationalen Rundfunks. Anlässlich des 90. Geburtstags des mehrsprachigen Programms des öffentlichen Rundfunks, das Online-Inhalte in 11 Sprachen erstellt – für die Bulgaren in aller Welt und für Ausländer, die sich für unser Heimatland interessieren –, richten wir den Blick auf die Zukunft der sprachlichen Vielfalt in den öffentlich-rechtlichen Medien.

Alle öffentlich-rechtlichen Medien üben in größerem oder geringerem Maße eine solche Tätigkeit aus und verfügen über fremdsprachige Sendungen“, erklärte der Generaldirektor des Bulgarischen Nationalen Rundfunks Milen Mitew.

Die Tatsache, dass die Auslandssendungen des Bulgarischen Nationalen Rundfunks allen Veränderungen – politischen, technischen, administrativen – standgehalten haben, ist bemerkenswert. Doch was ist Radio Bulgarien für Milen Mitew, nicht so sehr als Leiter, sondern als Nutzer von Medieninhalten?

FOTO BTA

Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum an alle Kolleginnen und Kollegen von Radio Bulgarien sowie an alle Hörer, Leser und Zuschauer von Radio Bulgarien, denn es nutzt inzwischen alle Möglichkeiten, um sein Publikum zu erreichen. Bezeichnend ist, dass sehr bald nach der Gründung des Bulgarischen Nationalen Rundfunks als Institution mit der Ausstrahlung fremdsprachiger Sendungen begonnen wurde, und die Geschichte von Radio Bulgarien ist fast ebenso lang wie die Geschichte des BNR. Das zeigt, dass schon in jenen ersten Jahren die Menschen, die den Rundfunk geleitet und den Ton für seine Entwicklung vorgegeben haben – das, was wir heute Strategie nennen würden –, erkannt haben, wie wichtig es ist, dass der Bulgarische Nationale Rundfunk in Fremdsprachen senden und die ganze Welt erreichen kann.“

Boschana Dimitrowa

FOTO Museum der Geschichte des BNR "Prof. Dr. Wesselin Dimitrow"

Milen Mitew erzählte eine für ihn bewegende Geschichte: Vor einigen Jahren schenkte ihm Boschana Dimitrowa, einer der emblematischen Stimmen des BNR, ein Radio, das als ein Altersgenosse von ihr bezeichnet wurde: „Dieses Radio hatte Radio Sofia, Radio Stara Sagora und Radio Warna auf seiner Skala. Noch bevor der Zweite Weltkrieg ausbrach, war Bulgarien durch seinen Nationalen Rundfunk mit gleich drei Radioprogrammen klar auf der Landkarte Europas präsent. So sehen wir, dass es strategisches Denken dahingehend gab, dass wir uns der Welt präsentieren und zur Welt sprechen müssen. Und heute ist Radio Bulgarien noch viel mehr. Wir leben in einer Zeit, in der sich die Menschen frei bewegen: Sie arbeiten und leben an verschiedenen Orten, die Grenzen sind heute viel weniger zahlreich als zu Beginn von Radio Bulgarien. In gewissem Sinne zeichnet Radio Bulgarien auf der Weltkarte eine andere, wahre Karte Bulgariens – nicht begrenzt durch geografische und politische Grenzen, sondern ein Bulgarien dort, wo sich die Menschen befinden, die sich als Bulgaren fühlen.

FOTO EBU

Milen Mitew beteiligt sich sehr aktiv an der Arbeit der Europäischen Rundfunkunion (EBU) und ist seit März vergangenen Jahres Vorsitzender des Rechtsausschusses. Diese Positionen eröffnen sicherlich einen Blick auf die Rolle fremdsprachiger Programme in den europäischen öffentlich-rechtlichen Medien: Wie entwickeln sie sich, welche Funktionen erfüllen sie, welchen Platz nehmen sie ein?

Europa verfügt über eine unglaubliche kulturelle Vielfalt, und es ist sehr wichtig, dass die öffentlich-rechtlichen Medien ein größeres Publikum erreichen können. Radio Bulgarien tut dies in 10 Fremdsprachen zusätzlich zum Bulgarischen und kann so sowohl unsere Landsleute als auch jeden erreichen, der Interesse daran hat, mehr über unser Land zu erfahren.“


Krassimir Martinow und Milen Mitow

FOTO Ewgeni Dimitrow

Das Potenzial von Radio Bulgarien ist außerordentlich groß. Als Leiter des Rundfunks schmerzt es mich ein wenig, dass wir oft über ein Potenzial sprechen, das nicht immer verwirklicht wird, und zwar in der Regel aufgrund unzureichender Ressourcen. Leider sind auch wir, wie viele andere unserer Kolleginnen und Kollegen in den öffentlich-rechtlichen Medien, gezwungen, unter Bedingungen der Unterfinanzierung und begrenzter Ressourcen zu arbeiten…“


FOTO Kulturministerium

Der Generaldirektor des Bulgarischen Nationalen Rundfunks steht der Idee positiv gegenüber, Radio Bulgarien wieder die Möglichkeit zu geben, ein „Radio mit Stimme“ zu sein. Bekanntlich wurde dem Programm 2012 die terrestrische Ausstrahlung entzogen, und heute sendet nur noch das Team Türkische Sprache Sendungen im Äther – hauptsächlich auf den Wellen von BNR Kardschali.


FOTO sbj-bg.eu

Radio Bulgarien wird mit Sicherheit ein Radio mit Stimme sein. Diesen Weg beschreiten wir bereits mit der Wiederaufnahme der Podcasts, die eine Stimme sind und den Menschen die Möglichkeit geben, Radio Bulgarien zu hören und nicht nur Beiträge im Internet zu lesen. All das hängt natürlich auch von den Haushaltsmitteln ab, denn das große Problem besteht derzeit darin, dass viele der Sprachredaktionen über sehr kleine Teams verfügen. Das ist auch der Grund, warum die rumänische Sprache derzeit keine regulären Podcasts hat – einfach, weil wir nicht über ausreichende personelle Ressourcen verfügen, um sie zu gewährleisten, und es müsste auch mehr Audioinhalte geben. Ob sie nun terrestrisch oder online verbreitet werden – Ton muss es auf jeden Fall geben, denn wir sind in erster Linie Radio, und das ist eine sehr wertvolle Möglichkeit des direkten Zugangs zum Publikum.“

FOTO BNR

„Ich glaube, dass sich das immer weiter entwickeln wird, doch natürlich hängen wir in hohem Maße vom Finanzierungsmodell ab. Ich würde nicht einmal so sehr von der Menge sprechen, denn es geht nicht darum, wie viel Geld der Rundfunk erhält, sondern wofür er dieses erhält. Wichtig ist, dass dem Rundfunk eine klar definierte Aufgabe gestellt wird und er eine Finanzierung für die Erfüllung dieser Aufgabe erhält. Und in dem Moment, in dem ein Teil dieser Aufgabe Radio Bulgarien wird und dies in geeigneter Weise im Gesetz verankert wird, werden wir eine angemessene Finanzierung erhalten können. Denn das ist eine Investition: Durch Radio Bulgarien und durch den Bulgarischen Nationalen Rundfunk könnte der bulgarische Staat in seine Zukunft investieren, in seine Verbindung zu den Bulgaren in aller Welt“, sagte der BNR-Generaldirektor Milen Mitew abschließend.


Übersetzung: Rossiza Radulowa