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Elena Karkalanowa
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13. Februar ist Welttag des Radios
Wie klingt Künstliche Intelligenz natürlich im Radio?
Freitag 13 Februar 2026 11:15
Freitag, 13 Februar 2026, 11:15
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Künstliche Intelligenz ist ein Werkzeug – keine Stimme. Daran erinnern UNESCO und die Europäische Rundfunkunion (EBU) mit dem Motto des diesjährigen Welttags des Radios. Auch der Bulgarische Nationale Rundfunk beteiligt sich erneut am 13. Februar mit Reportagen und Veröffentlichungen zum Thema „Radio und Künstliche Intelligenz“.
„Seit mehr als zwei Jahren arbeiten wir im Nationalen Rundfunk aktiv mit Instrumenten der Künstlichen Intelligenz“, sagt Slatko Schelew aus der Digitaldirektion des BNR. Dort werden die Möglichkeiten neuer Technologien am intensivsten genutzt, damit journalistische Inhalte ein möglichst breites Publikum erreichen. Zu den wichtigsten Anwendungen auf der Website des öffentlich-rechtlichen Senders zählen Programme zur Umwandlung von Text in Audio sowie von Audio in Video, außerdem Tools zur Bearbeitung von Fotos und Videos. Schelew „leiht“ der Künstlichen Intelligenz seine Stimme – sie liest die Nachrichten auf unserer Website.
Slatko Schelew
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Wie lernt Künstliche Intelligenz, natürlich zu klingen?
„Mit sehr, sehr vielen Aufnahmen – ich habe bis zum Umfallen Nachrichten gelesen“, berichtet Slatko Schelew, der auch über langjährige Erfahrung im Radio verfügt. Entscheidend seien die richtigen Betonungen, Atempausen und Abkürzungen, ohne unlogische Akzente. Die Aufnahmen würden in das System eingespeist und dort verarbeitet. „Mehr als 20 Mal haben wir solche Voice-overs eingereicht, damit sich die KI meiner Stimme möglichst annähert. Und ich wage zu behaupten, dass sie meinem Klang inzwischen ziemlich nahekommt.“
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Müssen wir befürchten, dass Technologie die Kreativität im Radio verdrängt?
Ich bin weit davon entfernt zu glauben, dass Künstliche Intelligenz die Kreativität von Journalisten ersetzen kann. Ja, sie kann alle globalen Suchmaschinen durchforsten. Aber sie kann nicht das ersetzen, was jeder von uns an Erfahrung mitbringt – auch nicht unseren reichen Wortschatz. Jeder trägt seine eigene sprachliche Prägung in sich. Ohne den Menschen geht es nicht. Künstliche Intelligenz kann ein Instrument sein, aber sie kann uns nicht ersetzen!“
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Untergräbt der breite Einsatz von KI in den Medien das Vertrauen des Publikums – in Journalismus, Medien und Radio? Sind journalistische Werte in Gefahr?
„Ich denke schon. In Bulgarien wird sehr wenig über Künstliche Intelligenz gesprochen – das Thema scheint für unsere Gesetzgeber kaum zu existieren. Das Kultur- und das Bildungsministerium, der Rat für elektronische Medien sowie ein breiteres Mediengremium mit Vertretern aller Medien sollten sich an einen Tisch setzen und offen über die Dinge sprechen. Es gibt Möglichkeiten, dieses ‚Eingreifen‘ in klare Rahmen zu fassen. Die Europäische Kommission befasst sich seit mehr als einem Jahr aktiv mit dem Thema. Es gibt brillante Instrumente, auch zur Erkennung von Falschmeldungen, manipulierten Bildern und Texten. Aber es gibt auch beunruhigende Werkzeuge, die tatsächlich die Arbeit mancher Kollegen verdrängen können – eher jener, die lediglich kopieren und einfügen, ohne eigene Handschrift. In diesem Zusammenhang möchte ich Radio Bulgarien gratulieren – ich bin Ihr Fan. Sie haben hervorragende Autoren, die einzigartig schreiben. Sie erzählen Geschichten von Bulgaren, die mehr oder weniger bekannt sind, und erreichen damit die Landsleute im Ausland. Sie tun das auf sehr schöne Weise – mit vielen Fotos, Gesprächen und gelegentlich auch Videos. Das bewundere ich, denn das Erlebnis muss ganzheitlich sein: Der Text soll die Seele berühren, die Bilder Gänsehaut erzeugen, und das Video fügt eine weitere emotionale Ebene hinzu.“
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Was ist Radio im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz?
„Ich möchte nicht das Klischee von der ‚Magie‘ verwenden. In unserer Digitaldirektion tun wir vieles und unterstützen Kollegen, die unsere Hilfe suchen. Ich wünsche mir, dass der BNR eine Insel des Vertrauens für alle Hörer und Leser ist. Dass wir eine primäre Quelle sind – dass Nachrichten von uns ausgehen. Das fehlt uns vielleicht noch. Hier arbeiten großartige Journalisten und Redakteure, die im Laufe der Jahre hervorragende Recherchen, Interviews und Analysen erstellt haben. Wir sollten zeigen, dass Radio eine Kraft ist.“
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov