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Zwetana Tontschewa
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Freitag 13 Februar 2026 16:10
Freitag, 13 Februar 2026, 16:10
Assen Owtscharow
FOTO Archiv
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Assen Owtscharow – eine Schlüsselfigur der bulgarischen Musikgeschichte – war einer der ersten bulgarischen Musiker, die sich vom Jazz begeistern ließen. Sein Beitrag zur Entwicklung der populären Musik in Bulgarien ist von unschätzbarem Wert. Als „Vater“ und „Begründer“ des bulgarischen Jazz bezeichnet, nimmt er durch seine Tätigkeit als Leiter von Jazzformationen, Arrangeur und Pädagoge einen zentralen Platz in der modernen Kulturgeschichte des Landes ein.
Seine beeindruckende Karriere begann mit der Gründung der ersten bulgarischen Jazzorchester in den 1930er-Jahren sowie mit seiner Pionierarbeit als Organisator und Dirigent. Später wirkte er mit großer Hingabe als Lehrer an der Musikschule in Plowdiw. In den letzten zwei Jahrzehnten seines Lebens wurde Owtscharow Opfer harter Repressionen infolge der politischen Entwicklungen nach dem Ende der 1940er-Jahre, als der Jazz nicht mehr zu den legitimen musikalischen Strömungen zählte. Dennoch blieb er diesem geheimnisvollen, eleganten und unwiderstehlichen Genre bis zu seinem Lebensende treu.
Geboren wurde Assen Owtscharow 1906 in Harmanli. Eine Zeit lang studierte er Chemie an der Universität Sofia, brach das Studium jedoch ab, da er erkannte, dass die Musik seine wahre Berufung war. Seine Laufbahn begann als Pianist in den Orchestern des renommierten Dirigenten Boris Lewiew. 1932 war Owtscharow der erste Jazzmusiker, der live vor den Mikrofonen von „Rodno Radio“ spielte.
Es heißt, dass das erste bulgarische Jazzorchester 1937 gegründet wurde – das berühmte „Jazz Owtscharow“. Vor etwa zwei Jahrzehnten erklärte jedoch der Musikkritiker Wladimir Gadschew in einem Interview für den Bulgarischen Nationalen Rundfunk:
Wladimir Gadschew
FOTO iztok-zapad.eu
„Ein Jazz-Radioorchester, also auch ein Tanz-Radioorchester, wurde 1936 auf Initiative von Dimitar Nenow gegründet. Bei uns hat sich der Eindruck verfestigt, das erste Orchester sei erst 1960 entstanden – gemeint ist die Big Band. Nein – das erste Orchester wurde 1936 gegründet… Der erste wirkliche Leader und Musiker, der an der Entstehung des bulgarischen Jazz beteiligt war – das war Assen Owtscharow.“
FOTO Archiv
Das erste offizielle Konzert der großen Big Band „Jazz Owtscharow“ fand 1938 statt. Der Erfolg war enorm; auch ausländische Impresarios waren anwesend und boten dem Orchester sogar einen Vertrag für eine große Südamerika-Tournee an.
Während des Zweiten Weltkriegs gewann der Jazz in Bulgarien zunehmend an Popularität. 1941 wurde im Stadtkasino ein Varieté eröffnet, dessen Organisator – der Operettenkünstler Angel Sladkarow – „Jazz Owtscharow“ als Hausorchester engagierte. Nach dem Krieg erlebte das Musikleben in der Hauptstadt eine Wiederbelebung. Die beiden bekanntesten Ensembles – „Jazz Owtscharow“ und „Jazz der Optimisten“ – wechselten sich mit Konzertprogrammen ab.
FOTO jazzfm.bg
In einem Interview von 2002 erinnerte sich der herausragende Saxophonist, Klarinettist und Dirigent Dimitar Ganew – Mitbegründer der Big Band des BNR und Gründer des Orchesters „Balkanton“ – daran, wie er in Owtscharows Ensemble eingeladen wurde. Er bezeichnete ihn als „eine außerordentlich farbenreiche und arbeitsame Persönlichkeit“ und hob dessen einzigartige Fähigkeit hervor, ganze Partituren nach Gehör zu notieren.
Dimitar Ganew
FOTO Familienarchiv von Maria Ganewa
1948 wurde eine kombinierte Big Band mit vollständigen Bläsersätzen gegründet – die erste ihrer Art im Land. Das neue Ensemble gab sein erstes Konzert im sowjetischen Offiziershaus, doch die Repressionen des totalitären Regimes ließen nicht lange auf sich warten. Assen Owtscharow gehörte zu den ersten Opfern: 1949 wurde er verhaftet und der Spionage zugunsten der USA und Großbritanniens beschuldigt. Tatsächlich hatte er deren Missionen besucht – allerdings ausschließlich, um sich originales Notenmaterial zu beschaffen. „Jazz Owtscharow“ zerfiel. Sein Gründer verbrachte Jahre im Gefängnis und im Konzentrationslager Belene, später wurde er nach Plowdiw verbannt.
Dort unterrichtete Owtscharow Akkordeon an der Musikschule, wurde Dirigent des Gesangs- und Tanzensembles von Radio Plowdiw und gründete später erneut eine Big Band – diesmal mit sehr jungen Musikern.
Er starb 1972 in Plowdiw. Am 24. Mai 2001 erhielt er posthum eine Ehrenauszeichnung des Kulturministeriums der Republik Bulgarien. Trotz aller Widrigkeiten bewahrte Assen Owtscharow seine Hingabe an den Jazz und verankerte dieses Genre dauerhaft im kulturellen Profil Bulgariens.
Übersetzung: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov