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Winzer feiern Trifon Saresan und hoffen auf Lösung des Bewässerungsproblems

Jordan Tschorbadschijski: Wir setzen stark auf die bulgarische Gemeinschaft – dort, wo es Bulgaren gibt, in den USA, Deutschland, Spanien, Italien – verkaufen wir gut

Samstag, 14 Februar 2026, 11:21

Winzer feiern Trifon Saresan und hoffen auf Lösung des Bewässerungsproblems

FOTO BTA

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Trifon Saresan ist ein in ganz Bulgarien geliebter Feiertag, der sowohl am 1. Februar (nach neuem Stil) als auch nach alter Tradition am 14. Februar feierlich begangen wird. Es ist der Tag der Winzer und Weinbauern, deren himmlischer Schutzpatron der Heilige Trifon ist.

In dieser Zeit werden die Reben rituell beschnitten und der Beginn des neuen landwirtschaftlichen Zyklus eingeläutet. Jordan Tschorbadschijski von der Nationalen Weinbau- und Weinkammer richtete den Blick auf Feiertag und Alltag in der Branche:

Jordan Tschorbadschijski

FOTO Nationale Weinbau- und Weinkammer

Wir Winzer und Weinhersteller begehen das Fest mit Optimismus und wünschen uns, dass das Wetter auf unserer Seite ist und es keine Wetterkapriolen, Hagel, Frostschäden oder Orkanwinde gibt. Für uns ist das Fest wichtig, aber wir befinden uns wieder in einer komplizierten politischen Situation. Gerade erst war man auf dem Weg, Bewässerungssysteme wiederherzustellen, und schon hat die Regierung ihren Rücktritt eingereicht. Ich hoffe daher, dass schnell Entscheidungen getroffen werden, dass die Wahlen stattfinden und wir weitermachen können, damit wir die Bewässerungssysteme wiederherstellen und Wasser zur Bewässerung haben. Die Dürre betrifft das gesamte Agrargeschäft, denn ohne Wasser keine Ernte", sagte  Jordan Tschorbadschijski.

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„Ebenso wichtig ist es, die Regelungen für Bohrungen zu erleichtern. Nur so können Menschen, die kein Wasser in der Nähe haben, eigene Brunnen bohren und Wasser zur Bewässerung entnehmen. Das Problem besteht seit Jahren, und in diesem Jahr gab es einen Hoffnungsschimmer, aber … wir gehen wieder zu Wahlen. Im vergangenen Jahr gab es Regionen, in denen die Winzer nichts geerntet haben, weil es starke Frostschäden gab, danach kam Hagel, und es hing keine Trauben an den Reben. Die Menschen auf dem Feld arbeiten mit eintägigen Arbeitsverträgen. Die Traubenpreise sind in die Höhe geschossen. 2025 waren die Trauben etwa 30 Prozent teurer als im Vorjahr. So verzeichneten die Winzer, die nicht von Hagel oder Frost getroffen wurden, ein sehr gutes und profitables Jahr“, resümierte Jordan Tschorbadschijski.

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Traditionell werden in vielen bulgarischen Haushalten hausgemachter Wein und Rakija hergestellt. Die lizenzierten Weinproduzenten stellen sich nicht gegen diese Produktion für den Eigenbedarf, doch die Mitglieder des Verbandes und Kollegen von Jordan Tschorbadschijski äußern ihre Empörung darüber, dass solcher Wein und andere alkoholische Getränke ohne Lizenz auf den Markt kommen.

Wer verkaufen will, soll sich als Produzent lizenzieren lassen und sich der Kontrolle unterziehen, der auch wir unterliegen“, appellierte Tschorbadschijski. Und weiter sagte er:

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Wer überwacht die Kontrolle? Ob elementare sanitäre Anforderungen bei der Produktion eingehalten wurden, ob die Trauben gut waren, ob sie nicht verschimmelt waren, ob keine anderen Substanzen in diesen Wein gegeben werden? Wer kontrolliert das, wenn man in einem europäischen Staat wie dem unseren Wein und hochprozentige Getränke an jeder Ecke kaufen kann? Ansonsten sind wir in Bezug auf Qualität perfekt. Vielleicht gibt es kein anderes Land, das mit uns bei der Qualität des produzierten Weins mithalten kann. Das Problem ist, dass wir nicht wettbewerbsfähig sind. Leider wächst der bulgarische Wein aus mehreren Gründen nicht in Exportmengen. Erstens ist unsere Produktion sehr teuer. In Ländern wie Italien, Spanien, Frankreich sind die Subventionen um ein Vielfaches höher als bei uns. Wenn jemand einen Rohstoff für 10–15–20 Eurocent erhält, wir ihn aber für 70–80 Eurocent kaufen, haben wir keinen gleichwertigen Start. Daher ist unser Preis hoch, und wir können nicht in solchen Mengen exportieren wie andere.“

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Der Vertreter der Weinproduzenten und Weinhändler nennt auch ein Beispiel für das Konsumverhalten in verschiedenen Teilen der Welt:

Wenn ein Japaner nach Bulgarien kommt, um Wein zu verkosten, fragt er nicht nach dem Preis. Er probiert und sagt, dass ihm dieser gefällt. Für ihn steht die Qualität an erster Stelle. Und er kauft ihn. Auf dem britischen Markt hingegen ist der Preis ausschlaggebend. Wir haben Kunden auf der ganzen Welt, sowohl für Wein als auch für Rakija, aber wir können als Exporteure nicht wachsen. Wir setzen stark auf die bulgarische Gemeinschaft, denn dort, wo es Bulgaren gibt, etwa in den USA, Deutschland, Spanien, Italien, verkaufen wir gut. Die Frage ist, dass man uns dort, wo es keine Bulgaren oder Menschen vom Balkan gibt, nicht kennt, und unsere Verkäufe auf diesen Märkten sehr schwach sind“, sagte Jordan Tschorbadschijski.

In diesem Jahr wünscht er sich günstiges Wetter für die Landwirte und dass die staatliche Verwaltung möglichst bald ihre Arbeit aufnimmt, damit die Lösung der vernachlässigten Probleme im Agrarsektor vorankommt. „Es geht nicht an, dass mit jedem Regierungswechsel die Dinge eine andere Richtung nehmen. Deshalb arbeitet man eine Strategie aus, nicht für ein oder zwei Jahre, sondern mit einem Horizont von mindestens 10 bis 15 Jahren. Wir setzen uns an einen Tisch, einigen uns und gehen in eine gemeinsame Richtung. Andernfalls, wenn wir stückweise und zersplittert arbeiten, wird uns nichts Gutes widerfahren“, ist Jordan Tschorbadschijski überzeugt.

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Trotz der Probleme in der Branche bringt die bulgarische Erde weiterhin hervorragende Trauben hervor, die die Grundlage für hochwertigen bulgarischen Wei bilden. Der Mawrud wird poetisch als „das schwarze Herz Thrakiens“ bezeichnet. Er ist vielleicht die emblematischste bulgarische rote Rebsorte und wird hauptsächlich rund um Assenowgrad und Plowdiw angebaut, ist inzwischen jedoch in ganz Südbulgarien verbreitet. Der daraus erzeugten Wein ist dunkelrot, mit frischer Säure und Alterungspotenzial.

Eine weitere seit alten Zeiten in Bulgarien angebaute Rebsorte ist „Gamsa“ oder „Kadarka“. Die Weine aus dieser Traube zeichnen sich durch Aromen von Herbstfrüchten aus. Und dann kommt die Königin der Reben – „Schiroka Melnischka Losa“, die die Grundlage für die Weine aus den südlichsten Weinregionen entlang des Tals des Flusses Struma bildet. Die Weine sind meist mittel- bis intensiv rubinrot und besitzen ein ausgeprägtes Aroma. In ihrem Bouquet finden sich häufig Noten von getrockneten Kräutern, Früchten und Beeren, Feigen, Gewürzeb und sogar leichtem Tabakduft.

Weitere ebenso bekannte bulgarische rote Rebsorten sind Pamid, Dimjat, Tamjanka, Tscherwen Misket, Ewmolpija…

Der bulgarische Wein zeichnet sich durch außergewöhnliche Qualität aus, wird als kostspieliges Produkt angesehen und ist vor allem für Kenner zugänglich. Und er ist besonders geeignet als Geschenk zum 14. Februar – einem Tag, an dem wir Wein und Liebe feiern.


Übersetzung: Rossiza Radulowa