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Freitag 20 Februar 2026 16:05
Freitag, 20 Februar 2026, 16:05
FOTO Alexandra Karamichalewa
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Wesselin Petkow gehört seit 2013 der bulgarisch-orthodoxen Kirchengemeinde „Heiliger Paissij von Hilendar“ in Den Haag an. Als er in den Niederlanden ankam, erfuhr er von Freunden von der Existenz der bulgarischen Kirche „Heilige Erzengel Michael und Gabriel“, der einzigen bulgarischen Kirche auf dem gesamten Gebiet der Niederlande, was sie seiner Meinung nach zu etwas ganz Besonderem macht. Nach und nach wurde diese Kirche für Wesselin zu seinem zweiten Zuhause. Er besucht die Gottesdienste regelmäßig, singt im Chor, hilft in der Gemeinde, wo er kann, und freut sich, wenn die Kirche voller Gläubiger ist, denn „diese Kirche ist für die Menschen geschaffen. Der Gottesdienst ist eine Brücke zu Gott, die die Menschen zu ihm zu führt”, ist er fest überzeugt.
Die orthodoxe Kirche in Den Haag ist für Wesselin und die anderen in den Niederlanden lebenden Bulgaren ein Stück Heimat. „Brücke des Glaubens“ ist ein spezieller Podcast von Radio Bulgarien, der der bulgarisch-orthodoxen Kirchengemeinde in den Niederlanden gewidmet ist, und Wesselin Petkow ist heute zu Gast.
Wie hilft die Kirche den im Ausland lebenden Bulgaren ihr Leben weit ab von der Heimat zu meistern, wollten wir von Wesselin wissen und seine Antwort erstaunt mit theologischer Tiefe und spiritueller Weisheit, die einem wahrhaft gläubigen Christen eigen ist.
„Während der Heiligen Messe, genau in dem Moment, in dem der Heilige Geist auf die Heiligen Gaben herabkommt und sie verwandelt, sind sie nicht mehr Brot und Wein, sondern Leib und Blut Christi. Wir spüren die Gegenwart des Heiligen Geistes, der alles beseelt und belebt. Wir vereinen uns mit dieser Gegenwart, sie heiligt uns und gibt uns Kraft für die ganze Woche. Sie nimmt unsere Schmerzen, unsere Leiden, unsere Sorgen und schenkt uns Liebe. Das nehmen wir am Ende des Gottesdienstes mit uns, als Kraftreserve bis zum nächsten Sonntag oder bis zum nächsten Gottesdienst.“
FOTO Alexandra Karamichalewa
„Die Gegenwart Gottes ist etwas Einzigartiges“, sagt Wesselin Petkow. „Man kann sie wirklich spüren, wenn man sein Herz für Gott öffnet. Wir, die wir hier dienen, hoffen, dass die Menschen, die hierherkommen, spüren, dass jeder hier Frieden für sich selbst finden kann. Ein Ort, an dem man in Ruhe über seine Sorgen nachdenken kann, von Gott die Erkenntnis erhält, wie man vorankommen kann, wie man im Glauben und im Leben weitermachen kann.“
Wesselin Petkow erinnert sich mit Dankbarkeit und Trauer an den im August 2024 verstorbenen langjährigen Geistlichen in Den Haag, Pater Joan Manew. Er erinnert sich an all die Schwierigkeiten, die die Kirchengemeinde durchgemacht hat, an die Briefe von der Gemeinde in Den Haag mit festgelegten Fristen, das Gebäude zu räumen, damit es zu einem Wohnhaus umgebaut und die Wohnungen verkauft werden können.
Pater Joan Manew
FOTO dveri.bg
„Pater Joan war derjenige, der die Existenz dieser Kirche verteidigte. Er war ein wirklich würdiger Priester und ein guter Mensch. Er zögerte nicht, Menschen zu helfen.“
Mit Herzlichkeit und Dankbarkeit spricht Wesselin aber auch über den derzeitigen Priester der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche in den Niederlanden, Pater Nikolaj Nikolow, der in Deutschland lebt und für jeden Gottesdienst Hunderte von Kilometern zurücklegt.
„Wir haben das Gefühl, dass wir eine Einheit sind, und das ist in einer Kirchengemeinde sehr wichtig: dass es eine gute Kommunikation zwischen dem Geistlichen und den Gemeindemitgliedern gibt. Das ist nicht nur für das Wohlbefinden der Gemeindemitglieder von großer Bedeutung, sondern auch, um mehr Menschen für Gott zu gewinnen. Letztendlich ist es die Aufgabe jedes Priesters, den Menschen mit Gott zu verbinden.“
FOTO Alexandra Karamichalewa
Weselin hofft, dass diese Kirchengemeinde in Zukunft von innen heraus immer stärker wird. Dass immer mehr freundlich gesinnte Menschen kommen, die Trost bei Gott suchen, dass sie immer mehr zusammenwachsen und sich als Kirchengemeinde weiterentwickeln.
„Wir müssen im Namen Gottes stark sein! Jeder hat in seinem Leben Prüfungen und Schwierigkeiten zu bestehen. In einer Kirchengemeinde gibt es immer Probleme, schwierige Momente und Diskussionen, in denen es schwer ist, einen Konsens zu finden. Das Leitmotiv in einer Kirchengemeinde muss aber sein, dass jeder seinen Stolz vergisst und mit Gott im Kopf und im Herzen zu denken beginnt. Denn Stolz ist der größte Feind des Menschen. Er ist unser größter Absturz, die größte und schwerste Sünde, wegen der der Teufel aus dem Paradies vertrieben wurde. Stolz und Liebe können nicht in einem Herzen koexistieren. Wo Stolz ist, da ist keine Liebe. Der Mensch muss versuchen, seinen Stolz zu vergessen, die Liebe in seinem Herzen zu wecken und in Liebe zu handeln, denn ohne Liebe können wir nicht nicht sein.“
Übersetzung: Georgetta Janewa
Gestaltet von Georgetta Janewa