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Ausstellung im Format von 1 Kubikzentimeter reist zum Mond

„Buch für den Mond“ mit 48 internationalen Künstlern wird ausschließlich in der Bischofsbasilika in Plowdiw präsentiert

Montag, 23 Februar 2026, 16:07

Ausstellung im Format von 1 Kubikzentimeter reist zum Mond

FOTO Evan Lorenzen

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Achtundzwanzig Kunstwerke, vereint auf 1 Kubikzentimeter, und 48 Künstler aus aller Welt, die die Verbindung der Menschheit mit dem Kosmos durch zeitgenössische Weltraumkunst erforschen. Und all das – in einem einzigen Buch mit einer Frage, die alles verändert: „Wie sieht der Mond die Erde?“ 

Die frühchristliche Bischofsbasilika in Plowdiw wird am 23. Februar dieses Jahres eine mögliche Antwort geben, wenn sie Moon Bound – „Buch für den Mond“ präsentiert. Seine 80 Seiten vereinen Texte und Bilder, gedruckt mit einer Präzision von 5760 Pixeln pro Zoll. Weltraumkunst umfasst nicht nur Bilder von Astronauten oder Illustrationen aus der Science-Fiction, sondern betrachtet den Kosmos als gleichberechtigten Partner im kreativen Prozess. 

FOTO Facebook/Association “Plovdiv Project Center”

„Diese Miniatur enthält in Wirklichkeit Fragen, die unsere Zukunft im Weltraum und darüber hinaus in der Weltraumwissenschaft bestimmen werden, nämlich: Welche moralischen Paradigmen reisen über unseren Planeten hinaus und können kulturelle Artefakte jenseits der Erde eine Voraussetzung für unsere Vision von der Zukunft als Zivilisation sein“, sagte Iwelina Kadiri, Projektleiterin und stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Zentrum für Projekte – Plowdiw“, einer der Organisatoren des Projekts. 

Durch ihre Werke in der Ausstellung versuchen die Autoren, die Aufmerksamkeit auf die Bewahrung und den Schutz der Integrität unseres Planeten zu lenken. Die niederländischen Künstler Jeroen van der Most und Peter van der Putten stellen einen mithilfe künstlicher Intelligenz simulierten Dialog zwischen Erde und Mond dar, in dem sich der höchste Mondgipfel an sein irdisches Gegenstück wendet. Aus der Perspektive des Mondgipfels sind alle Menschen eins. 

FOTO Evan Lorenzen

Wenn wir den Blick auf uns selbst richten, verstehen wir, dass wir die Frage nach unserer Verantwortung gegenüber dem Kosmos und unserer Umwelt nicht beantworten können, ohne einige nichtmenschliche Perspektiven zu berücksichtigen – meinte Iwelina Kadiri. – Nämlich Berge, Materie, den Kosmos, der uns überdauert, sowie all die Namen und Ambitionen, von denen wir glauben, dass wir sie hinterlassen werden. Ich möchte auch den sogenannten Overview-Effekt erwähnen, den Astronauten im Orbit erleben. Indem sie eine tiefgreifende Bewusstseinsveränderung durchlaufen, kehren sie als verwandelte Persönlichkeiten zurück, weil sie die Erde als einen grenzenlosen und fragilen Planeten ohne sichtbare Staatsgrenzen sehen, auf dem Konflikte sinnlos erscheinen und die Menschheit durch ein gemeinsames Schicksal verbunden ist. Ich denke, dass der Mond genau das sieht – wie die Erde ein miteinander verbundener, pulsierender und lebendiger Organismus ist, der im Einklang mit seinem Inhalt stehen sollte.“ 

Der Wunsch, in uns selbst zu blicken, anstatt den Mond von der Erde aus zu betrachten, und uns vorzustellen, wie unser natürlicher Satellit uns sieht, steht im Mittelpunkt der Idee für das „Buch für den Mond“ der niederländischen Moon Gallery Foundation, der Initiatorin des Projekts. So stellen Künstler, Schriftsteller und Philosophen die grundlegende Frage nach der Zukunft der Menschheit außerhalb unseres Planeten. 

FOTO Facebook/Association “Plovdiv Project Center”

An der Ausstellung beteiligt ist auch der Bulgare Plamen Jordanow, der seit 1998 in den Vereinigten Staaten lebt und arbeitet. In Moon Bound ist er mit einem Druck der Skulptur „Unendlichkeit“ aus seiner Serie Double Mobius vertreten. 

Die Bischofsbasilika der einstigen römischen Stadt Philippopolis, errichtet im 4. Jahrhundert, wurde nicht zufällig als Veranstaltungsort gewählt – genau von dort aus wird eine Brücke zwischen der Antike und dem Vermächtnis geschlagen, das die Menschheit hinterlässt. 

Die Bischofsbasilika von Philippopolis

FOTO ancientbulgaria.bg

„Dies ist der logischste Ort, um eine Vision der Zukunft zu präsentieren, damit der Betrachter die Tiefe versteht und beginnt, sich zu fragen, was wir hinter uns lassen – sagte Iwelina Kadiri. – Denn leider bekommt alles die Bedeutung einer Eintagsfliege – unsere Emotionen, unsere Erlebnisse und unser Wertesystem sind vergänglich, und wir sind in diesem Stadium unseres Daseins gewissermaßen wandernde Waisen, abgeschnitten von Spiritualität, von Herkunft, von der Antike und vom Vermächtnis unserer Vorfahren.“ 

Die antike Basilika ist der einzige Ort innerhalb der Erdumlaufbahn, an dem die Ausstellung präsentiert wird, bevor sie 384.400 Kilometer zum Mond reist – mit der speziell organisierten Mondmission Griffin-1. Der Miniaturband wird an Bord eines Flip-Rovers des Unternehmens „Astrobiotic“ reisen und im Sommer am Südpol landen, wo Wassermoleküle entdeckt wurden. In dieser besonderen Zeitkapsel, die eines Tages jemand finden wird, sind Pioniere der Weltraumkunst vertreten. 

FOTO Facebook/Association “Plovdiv Project Center”

Arthur Woods untersucht, wie sich die Skulptur verwandelt, wenn sie von der Gravitation befreit ist, die die Form jedes Werkes auf der Erde bestimmt – erzählt Iwelina Kadiri. – Eduardo Katz regt zum Nachdenken über den inneren Blick und die Selbstbeobachtung in einer kosmischen Umgebung an. Der Kurator der Ausstellung, Luis Guzmán chilenischer Herkunft, erforscht, wie Weltraumtechnologien neue Lebensformen schaffen. Eine Gruppe von Künstlern aus dem Kongo zeigt, wie in Afrika für moderne Weltraumtechnologien gewonnene Mineralien als Elektroschrott zurückkehren, der am Anzug eines träumenden Astronauten haftet, und richtet damit erneut den Blick auf die Nachhaltigkeit technologischer und kosmischer Forschung.“ 

FOTO Facebook/Association “Plovdiv Project Center”

All dies regt dazu an, darüber nachzudenken, was uns gehört und welche kulturellen Werte und Formen wir an die nächsten Generationen im Weltraum weitergeben möchten. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov 

Gestaltet von Lyubomir Kolarov