Gesellschaft

Nachricht

„Bulgarien-Unterricht“: Wissen als Stärke für Kinder in Skopje

Schülerinnen und Schüler der BSU „Sdrawej“ in Skopje erleben die alten bulgarischen Hauptstädte

Mittwoch, 25 Februar 2026, 13:35

„Bulgarien-Unterricht“: Wissen als Stärke für Kinder in Skopje

FOTO BSU „Sdrawej“ in Skopje

Schriftgröße

Ein einfaches Sdrawej!“ – „Hallo!“ – gehört zu den ersten Worten, die Bulgaren einander sagen, wenn sie sich treffen. In Nordmazedonien klingt das ähnlich: „Sdrawo!“. Sprachlich nahe, aber kulturell liegt oft eine ganze Welt dazwischen. Für die Schüler des Bulgarischen Nationalen Bildungszentrums „Sdrawej“ in Skopje wurde dieser Gruß jedoch zum Auftakt eines besonderen und emotionalen „Bulgarien-Unterrichts“, der ihnen half, ihre Wurzeln zu verstehen und zu stärken. Initiiert wurde die Initiative von der Direktorin Ilijana Atanassowa, die seit Jahren den Traum verfolgt, bulgarische Kinder in Skopje durch Bildung zu verbinden. 

Das heute einzige funktionierende bulgarische Bildungszentrum in der Südwestregion der Nachbarrepublik wurde 2017 offiziell gegründet. Die Idee entstand jedoch schon Jahre zuvor aus dem persönlichen Wunsch einiger bulgarischer Mütter, ihre Kinder mit der bulgarischen Sprache, Kultur und Geschichte vertraut zu machen.  

FOTO Facebook

„Es war mir ein persönliches Anliegen, ein bulgarisches Schulzentrum zu schaffen, 75 Jahre nach der Schließung des letzten“, sagte Atanassowa. Ihr Ziel war es, die Wurzeln der Kinder zu stärken, sodass sie keine Schwäche, sondern eine Kraftquelle darstellen.



FOTO Facebook

„Um Bulgarien zu lieben und seine Traditionen zu kennen, braucht man keine spezielle Ausbildung. Das liegt in unserem Gen, in unserem Blut. Ja, es war schwierig, als Nicht-Spezialistin ein solches Projekt zu starten, viele Details waren unklar, aber es gibt keine unmöglichen Dinge – wer etwas erreichen will, wird es tun“, erklärte Atanassowa.

Heute besuchen die Kinder des Zentrums Klassen von der ersten bis zur zwölften Jahrgangsstufe, ergänzt durch eine Vorschulgruppe für Kinder zwischen 4 und 6 Jahren. Die Akademie für innovatives Lernen – wie das Zentrum auch genannt wird – bereitet die Schülerinnen und Schüler gezielt auf bulgarische Hochschulen vor. Über 100 Kinder absolvieren jährlich den vorbereitenden Kurs für die Aufnahmeprüfungen, besonders in den gefragten Studiengängen Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie, IT und Kunst. Atanassowa berichtete, dass die Erfolgsquote bei diesen Prüfungen über 80 Prozent liege. 

FOTO Facebook

Die politische und gesellschaftliche Umgebung in Nordmazedonien war jedoch nicht immer einfach. In den letzten Jahren kam es zu Angriffen auf bulgarische Bürger und kulturelle Einrichtungen. Atanassowa sprach offen über diese Herausforderungen: 

FOTO Facebook

„Es war nicht leicht. Täglich begegneten wir Hassreden. Das war wirklich unangenehm! Einige Familien zogen ihre Kinder zurück, besonders unter den mazedonischen Bulgaren, die ursprünglich Interesse an unserem Zentrum gezeigt hatten. Hier ist es völlig anders, Bulgarisch zu lernen, als irgendwo anders in Europa. Ich erkläre mir das durch Unkenntnis und Informationslücken. Deshalb kommt es zu diesen Hassreden und sogar zu physischen Übergriffen.“

Trotz dieser Schwierigkeiten erlebten die Kinder im Juni 2025 einen intensiven Lern- und Kulturtrip unter dem Programm „Die alten bulgarischen Hauptstädte“. Die Gruppe, bestehend aus allen Klassenstufen, besuchte Sofia, Pliska, Weliko Tarnowo und Etara – Orte von historischer, kultureller und spiritueller Bedeutung. Fünftklässler Viktor Wassiliewski berichtete: 

„Vom 17. bis 21. Juni 2025 unternahmen wir die Bildungsreise ‚Die alten bulgarischen Hauptstädte‘. Sie führte uns auf den Spuren der bulgarischen Geschichte, Kultur und Spiritualität. Von Sofia über Pliska und Weliko Tarnowo bis nach Etara. Die Reise war ein echtes Eintauchen in die Vergangenheit, ein Treffen mit der Größe der ersten bulgarischen Hauptstädte, den Erinnerungen an die Herrscher, Gelehrten und Geistigen Baumeister.“

Atanassowa betonte die emotionale Dimension der Reise: 

FOTO БНУ "Здравей" в Скопие

„Es ist sehr wichtig, dass die Kinder Bulgarien spüren. Es soll kein abstraktes Konzept bleiben, nicht nur das Haus oder der Hof der Großeltern. Sie sollen alles sehen, was sie im Unterricht lernen, und es mit eigenen Sinnen erleben. Deshalb halte ich dieses Programm für so bedeutend. Die Kinder haben Bulgarien erlebt!“ 

FOTO BSU „Sdrawej“ in Skopje

Auch die zwischenmenschliche Erfahrung spielte eine zentrale Rolle: Viele der Kinder kannten sich nur aus dem wöchentlichen Unterricht und hatten bisher kaum Gelegenheit, intensivere Verbindungen zu knüpfen.  

FOTO BSU „Sdrawej“ in Skopje

„Die Kinder haben nicht nur fundiertes Wissen über Bulgarien erworben, sondern sich auch untereinander besser kennengelernt, was für sie mindestens ebenso wertvoll war“, ergänzte Atanassowa. Besonders beeindruckt zeigten sich die Kinder von Weliko Tarnowo und der Festung Zarewez, die sie als Mittelpunkt des Zweiten Bulgarischen Reiches erlebten. 

FOTO BSU „Sdrawej“ in Skopje

Schülerin Samira Sadiki fasste die Erfahrungen so zusammen: 

„Größe, Wissen und Inspiration – das sind die drei Worte, die unsere Bildungsreise am besten beschreiben.“ 

FOTO BSU „Sdrawej“ in Skopje

Für das Jahr 2026 plant BSU Sdrawej“ die nächste Bildungsroute des bulgarischen Bildungsministeriums. Die kleine Gruppe von 15 Kindern wird dabei die bulgarische Wiedergeburtszeit kennenlernen und Anfang Juni an der Rosenlese im Rosental teilnehmen. Das bevorstehende Programm motivierte die Kinder bereits zu besseren schulischen Leistungen, zur Teilnahme an Wettbewerben und zur rechtzeitigen Erledigung ihrer Hausaufgaben. Nur wer diese Bedingungen erfüllte, durfte erneut an der Bildungsreise teilnehmen – diesmal mit Freundinnen und Freunden, nicht nur mit den Eltern. 

FOTO BSU „Sdrawej“ in Skopje

BSU Sdrawej“ beweist damit, dass Bildung, kritisches Denken und kulturelle Identität zusammenwirken, um eine starke Grundlage für die nächste Generation von Europäern bulgarischer Herkunft zu schaffen – auch in einem Umfeld, das nicht immer freundlich gesinnt ist. Atanassowa lobte die Unterstützung der bulgarischen Botschaft in Skopje und des Bildungsministeriums: „Das nationale Programm ‚Bulgarien – Bildungsrouten‘ ist für unsere Arbeit von unschätzbarem Wert.“ 

FOTO BSU „Sdrawej“ in Skopje

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov 

Gestaltet von Lyubomir Kolarov