Autor
Wladimir Mitew
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Swetlana Karadschowa ist ein „Baustein“ der Gemeinschaft der Banater Bulgaren
Die Banater Bulgarin ist Lehrerin, Aktivistin, Forscherin und Verbindungsglied zwischen den Bewohnern des Banats und Bulgarien
Dienstag 3 März 2026 14:05
Dienstag, 3 März 2026, 14:05
Swetlana Karadschowa
FOTO Falmis.org
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Für Swetlana Karadschowa ist die Sache der Banater Bulgaren nicht nur ein Forschungsinteresse, sondern ein Lebensweg, den sie zwischen ihrem Heimatort Bardarski Geran (Nordwestbulgarien), Sofia und Timișoara (Rumänien) zurücklegt. Seit fast drei Jahrzehnten konzentrieren sich ihre Bemühungen darauf, Brücken – geistige, sprachliche und institutionelle – zu bauen, die die verstreute Gemeinschaft in Rumänien, Serbien und Bulgarien verbinden. Grundlage dieser Tätigkeit ist das Konzept „Falmis“ – ein Name von tief symbolischer Bedeutung. Er leitet sich vom traditionellen katholischen Gruß „Gelobt sei Jesus“ (auf Banater Bulgarisch: Falin budi Isus) ab, den die Banater Bulgaren zu einem Wort verdichtet haben – „Falmis“ – der Gruß, den man auf der Straße hört und der zu einem erkennbaren Identitätscode geworden ist.
Светлана Караджова е "градежен камък" за общността на банатските българи
FOTO falmis.org
Alles begann 1998 mit der Veröffentlichung des gleichnamigen Bulletins, dessen Design – eine Kombination aus Kyrillisch und Latein – die beiden Schriftsysteme visuell darstellt, die von der Gemeinschaft der Banater Bulgaren verwendet werden. Heute ist „Falmis“ weit mehr als eine Publikation – es ist eine Marke, unter deren Dach der Verein der Banater Bulgaren in Bulgarien und sein attraktivster Bereich – das Tanzensemble – tätig sind. Gegründet 2016 in Sofia, fungiert das Ensemble als „Schatztruhe“, die den authentischen Folklorekultur nicht nur der Banater Bulgaren, sondern auch von Ungarn und Polen bewahrt, mit deren Kulturzentren in Sofia der Verein eng zusammenarbeitet. Die Mission des Ensembles ist es, Tänze aus Orten zu bewahren, in denen es keine jungen Menschen mehr gibt, die sie aufführen, und die Bühne so zu einem Raum lebendiger Erinnerung zu machen.
Von der Folklore zur Wissenschaft und Philosophie
Ein zentraler Aspekt von Swetlana Karadschowas Arbeit ist ihr Bestreben, das Thema Banater Bulgaren auf akademisches Niveau zu heben.
Derzeit ist Karadschowa Initiatorin und aktive Teilnehmerin umfangreicher wissenschaftlicher Projekte, die vom Forschungsfonds finanziert werden, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Bulgarische Sprache „Prof. Ljubomir Andrejtschin“. Diese Projekte erforschen parallel die Schicksale der Banater und Bessaraber Bulgaren und suchen nach Schnittpunkten zwischen diesen „getrennten Zweigen“ des bulgarischen Volkes. Karadschowa betont die Bedeutung dieses wissenschaftlichen Selbstbewusstseins:
„Ich habe, nicht ohne fremde Hilfe, erkannt, dass, wenn wir das Sprechen über die Banater Bulgaren nicht auf ein höheres Niveau als rein folkloristisches oder ethnografisches heben, wir nicht erwarten können, dass andere Bulgaren diese Gemeinschaft als gleichwertig ansehen. Wissenschaftliche Arbeit ist ebenfalls eine Brücke, denn all meine Aktivitäten zielen darauf ab, Aufmerksamkeit auf die Banater Bulgaren zu lenken, Kontakte zu suchen und mit der gesamten bulgarischen Öffentlichkeit zu kommunizieren.“
Banater Bulgaren in Star Beschenow
FOTO BTA
Derzeit in Timișoara lebend und am Westuniversität Bulgarisch lehrend, verfolgt Swetlana Karadschowa einen aktiven „Feldansatz“, insbesondere in Star Beschenow – dem größten Banater Bulgarendorf in Rumänien. Die Arbeit mit den Menschen erfordert unermüdlichen Enthusiasmus, besonders angesichts der starken Assimilation, die sie in Ortschaften um Bukarest wie Popești-Leordeni und Căpleni beobachtet. Sie glaubt, dass persönliches Beispiel entscheidend ist – deshalb lernt sie aktiv Rumänisch, um die geistige Welt der Gemeinschaft besser zu verstehen und Brücken zur rumänischen Gesellschaft zu bauen. Dieser Ansatz zeigt bereits Wirkung: Ihre Artikel werden in rumänischen Fachzeitschriften veröffentlicht, und rumänische Studierende in Timișoara zeigen lebhaftes Interesse am Erlernen der bulgarischen Sprache.
„Kultur ist ein Prozess, und wenn jeder von uns einen Teil seiner Fähigkeiten und Kenntnisse beiträgt, bereichert er das Ganze. Wenn wir ständig mit dem Bewusstsein leben, dass Ideen zwischen Rumänien, Bulgarien und Serbien zirkulieren müssen und die Menschen in einer solchen virtuellen Gemeinschaft leben, in der Sprache, Erinnerung, Kultur und das Bewusstsein für unsere gemeinsame Zukunft wohnen, dann denke ich, dass jeder von uns seine Pflicht erfüllt.“
FOTO Falmis.org
Die Zukunft der Gemeinschaft
Trotz der Herausforderungen einer „zerfallenden Welt“ bleibt Swetlana Karadschowa optimistisch. Sie sieht die Banater Bulgaren als natürliche Vermittler zwischen den Ländern, in denen sie leben. Das Jahr 2026 markiert einen wichtigen Meilenstein – zehn Jahre Ensemble „Falmis“, die Vorstellung ihres neuen Buches und eine große internationale Konferenz, die Wissenschaftler aus Bulgarien und Rumänien zusammenbringt.
Swetlana Karadschowa beschreibt die innere Motivation ihrer Gemeinschaft folgendermaßen:
FOTO BTA
„Die Banater Bulgaren sind eine Gemeinschaft, die eine sehr alte Variante der bulgarischen Sprache bewahrt hat. Sie haben ein besonders ausgeprägtes Pflichtbewusstsein. Jeder glaubt, dass er eine Mission hat, etwas Großes für seine Gemeinschaft zu tun. So speziell die Menschen dieser Gemeinschaft auch sein mögen, wer sie näher kennenlernt, sieht, dass jeder glaubt, durch sein Können zum Erhalt der Erinnerung und der Sprache beitragen zu müssen.“
Durch die Verknüpfung von Wissenschaft, Folklore und aktivem Alltag beweist Swetlana Karadschowa, dass Identität keine statische Gegebenheit ist, sondern ein dynamischer Prozess, der ständiges „Herausfordern von Ereignissen“ und einen unbeugsamen Geist erfordert.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov