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Iwo Iwanow
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Dienstag 3 März 2026 12:25
Dienstag, 3 März 2026, 12:25
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Der Russisch-Osmanische Krieg von 1877–78 endete am 3. März mit der Unterzeichnung des Vorfriedens von San Stefano. Nach fünf Jahrhunderten osmanischer Herrschaft entsteht erneut ein bulgarischer Staat, der jedoch durch den Berliner Vertrag von 1878 beschnitten wird, und die bulgarische nationale Gemeinschaft wird für immer zersplittert. Das bulgarische Kino, geleitet von der sowjetischen Kinematografie, griff während des Kalten Krieges erneut dieses Thema auf.
Jeder Film, selbst einer, der historische Themen behandelt, ist ein Dokument seiner Zeit. Die einzigartige Monografie von Doz. Mariana Piskowa von der Südwestuniversität in Blagoewgrad über die Produktion des Films „Die Helden vom Schipka-Pass“ bestätigt diese Regel.
Das Buch von Doz. Mariana Piskowa über den Film
FOTO Privatarchiv von Mariana Piskowa
Im Rahmen eines internationalen Projekts zur Erforschung der Erinnerungspolitik an den Russisch-Osmanischen Krieg von 1877–78 öffnete sie die Archive der bulgarisch-russischen Großproduktion, die vor über 70 Jahren entstand. „Die Helden vom Schipka-Pass“ aus dem Jahr 1955 ist wahrscheinlich der spektakulärste Schlachtenfilm, der jemals in Bulgarien gedreht wurde. Das Werk besticht durch außergewöhnlichen Dramatismus, obwohl es in einer sehr schwierigen Zeit entstanden ist, in der Qualität nicht über Quantität erzielt werden sollte. Alles beginnt mit dem Drehbuch – und hier ist bemerkenswert, dass Drehbuchautor und Regisseur direkte Nachkommen von Teilnehmern des Russisch-Osmanischen Krieges sind.
Sergej Wassiliew (Erster von links) vor dem Denkmal für Fürst Emanuel Nikolajewitsch Meschtscherski, der am 5. September 1877 auf dem Gipfel Sweti Nikola fiel
FOTO Privatarchiv von Mariana Piskowa
Nach einer Vereinbarung zwischen Sofia und Moskau von 1948 wurde Wassilew 1952 als künstlerischer Leiter des bulgarischen Kinos entsandt. Ziel war es, einen bulgarischen Film unter Anleitung sowjetischer Experten zu drehen, die „den Bulgaren beibringen sollten, wie man sozialistisches Kino macht“.
Doz. Mariana Piskowa
FOTO Privatarchiv von Mariana Piskowa
„Alles beginnt mit dem Drehbuch, zunächst mit dem literarischen, dann dem Regie-Drehbuch“, erzählt Doz. Mariana Piskowa für den Bulgarischen Nationalen Rundfunk. „Das literarische Drehbuch, der Urtext, stammt von Arkadij Perwenzew – einem sowjetischen Schriftsteller, Träger des Stalinpreises jener Jahre. Er hatte einen Großvater, der am Krieg teilgenommen hatte, also war er emotional verbunden. Der Vater des Regisseurs Sergej Wassilew nahm ebenfalls am Balkanfrontkrieg teil. Sergejs Kindheit verbrachte er im Militärarchiv in Moskau, in der Baumanskaja-Straße, wo sein Vater als Archivar arbeitete. So kannte er die Teilnehmer des Krieges aus erster Hand und war emotional eng mit dem Thema verbunden.“
Sergej Wassiliew während der Dreharbeiten
FOTO Privatarchiv von Mariana Piskowa
Das Hauptziel der Produktion war es, beim Publikum die Ideologie der damals regierenden kommunistischen Partei zu verankern: Russland und der entsprechend wiedergeborene kominternistische Imperialismus der UdSSR seien doppelte Befreier Bulgariens – 1878 vom osmanischen Joch und 1944 von der Roten Armee vom „faschistischen Joch“. Der Film endet mit der ikonischen Szene, wie Marschall F. Tolbuchin, Kommandant der Dritten Ukrainischen Front, mit seinen Truppen den legendären Gipfel „St. Nikolaus“, bekannt als Schipka-Pass, erklimmt – die erste Szene, die im März 1953 gedreht wurde.
Schlussszenen aus dem Film. In der Rolle von Marschall Tolbuchin: Asparuch Temelkow
FOTO Privatarchiv von Mariana Piskowa
„Am 20. Mai 1953 trafen die ersten sowjetischen Teammitglieder ein. Sie brachten Montage- und technische Listen sowie andere Dokumente mit, die in Bulgarien niemand zuvor gesehen hatte. Laut diesen Unterlagen waren für Massenszenen 7.000 Teilnehmer vorgesehen. Bis dahin wusste man in Bulgarien nur von 2.700 Soldaten. Die Differenz bis 7.000 zeigt, wie groß sie war und dass dies nicht in ein oder zwei Tagen organisiert werden konnte.“
Soldaten einer Einheit in Kasanlak während der Dreharbeiten auf dem Schipka-Pass
FOTO Privatarchiv von Mariana Piskowa
Das Problem des Films „Die Helden vom Schipka-Pass“ liegt bereits im Drehbuch: Es gibt keinen Hauptcharakter, denn im Geiste des Sozialistischen Realismus „ist das Volk der Hauptheld“. Um Spannung zu erzeugen und das Kaiserreich Russland nicht als Hauptprotagonisten des Krieges darzustellen, erfand man die Konfrontation einiger kaiserlicher Generäle gegen das Oberkommando der russischen Armee unter Prinz Nikolaj Nikolajewitsch.
„Ursprünglich sollte der Film auch eine Referenz zum Zweiten Weltkrieg und zur ‚Befreiung vom faschistischen Joch‘ schaffen“, erzählt die Forscherin. „Vielleicht braucht es tatsächlich keine Helden, das ist der Schwerpunkt. Doch Skobelew wird in diesem Film erstmals stärker beleuchtet. Bis dahin war er eine Figur, der solche Aufmerksamkeit nie zuteilwurde. Sergej Wassilew gelingt es, diese Figur etwas zu beleuchten (Michail Skobelew war einer der Generäle, der bedeutende Schlachten führte – der Winterdurchmarsch über das Balkangebirge, die Belagerung von Plewen, die Einnahme von Lovetsch und der Sieg bei Schejnowo, weshalb seine Soldaten sagten: ‚Wo Skobelew ist, da ist der Sieg‘ - Anm. d. Red.).“
Arbeitsszene von den Dreharbeiten
FOTO Privatarchiv von Mariana Piskowa
In Zeiten ohne CGI (Computer Generated Imagery), in denen Filmtricks auf Modelle und Bemalungen auf Glas beschränkt waren, schuf Wassilew monumentale Schlachtszenen. Sie fesseln durch Massenszenen, Stunts und realistische Kriegsschilderungen. Die Aufnahmen rekonstruieren buchstäblich berühmte Bilder der Künstler, die am Krieg teilnahmen.
Filmszene
FOTO Archiv
Es gab während der Dreharbeiten auch reale Opfer unter Team und Statisten. Bulgarien, das die Produktion mit damals unglaublichen 16 Millionen Lewa finanzierte, erlaubte Wassilew große Entfaltungsmöglichkeiten. Gedreht wurde sogar an authentischen Schlachtfeldern und in den jeweiligen Jahreszeiten. Besonders prägnant und in allen späteren Film- und TV-Produktionen über den Russisch-Osmanischen Krieg zitiert sind die Szenen der Donauüberquerung, Belagerung von Plewen, Kämpfe am Schipka-Pass und der Winterdurchquerung des Balkangebirges.
Die Verdienste von „Die Helden vom Schipka-Pass“ und die politische Konjunktur ermöglichten, dass der Film 1955 mit dem Regiepreis beim Filmfestival in Cannes ausgezeichnet wurde.
Der Regiepreis der Filmfestspiele von Cannes aus dem Jahr 1955
FOTO Privatarchiv von Mariana Piskowa
„Das Foto von der Preisverleihung habe ich am Ende des Buches veröffentlicht. Es gibt nicht viele Illustrationen, aber dieses ist sehr aussagekräftig. Sergej Wassilew erhielt den Preis für die Regie des bulgarischen Films ‚Die Helden von Schipka‘“, betontе Doz. Mariana Piskowa.
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Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov