Die Rhodopen und das Dorf Lewotchewo als Drehscheibe für digitale Nomaden

Montag, 16 März 2026, 16:25

Die Rhodopen und das Dorf Lewotchewo als Drehscheibe für digitale Nomaden

FOTO Viktor Kusmanow

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Das digitale Nomadentum entwickelt sich zu einem Phänomen, das unsere Vorstellungen von Arbeit und Lebensweise auf den Kopf stellt. In dieser Hinsicht bietet Bulgarien eine Palette an schönen und ruhigen Orten für die Fernarbeit. Das malerische Dorf Lewotchewo ist einer davon. Hier, inmitten der wilden Natur der Rhodopen, verwirklicht Viktor Kusmanow seinen Traum - ein altes vergessenes Haus in einen Hub für digitale Nomaden zu verwandeln.

Seit seiner Kindheit hat er eine starke Bindung zu Lewotchewo, dem Dorf seines Großvaters, denn dort hat er die glücklichsten Momente seiner Kindheit verbracht. Viele Jahre hat er in Wien gelebt, dort sein Studium gemacht und Geschäfte geführt. Letztendlich hat er sich aber entschieden wegen seiner Freunde und dem Gefühl von Heimat und Zugehörigkeit nach Bulgarien zurückzukehren.

Die Idee zu diesem Projekt entstand zu Beginn der Covid-Pandemie, als Homeoffice angesagt war. Ich dachte damals, dass es höchste Zeit war, mein Haus in Lewotchewo in Ordnung zu bringen und nahm die Aufgabe in Angriff. Während ich mich um Handwerker und Renovierung kümmerte, lebte ich im Nachbardorf Momtchilowzi, wo mir die Idee kam, ein großes Haus für gemeinsames Wohnen und Arbeiten einzurichten“, erinnert sich Viktor Kusmanow an diese Zeit.

FOTO Viktor Kusmanow

„Jedes Mal betrachtete ich ein schönes altes Haus in Lewotchewund fragte mich, warum es leer stand. Bei einem Seminar lernte ich zufällig eine junge Frau kennen. Es stellte sich heraus, dass sie die Tochter der Eigentümer dieses Hauses war. Von ihr erfuhr ich, dass es von ihrem Vater als Hotel gebaut worden war. Ich stellte Kontakt zu ihren Eltern her und als ich das Haus betrat und den Ausblick von der Terrasse sah, der die unendliche Weite der Rhodopen offenbart und vor dessen Kulisse meine gesamte Kindheit vergangen war, sagte ich mir, dass das der richtige Ort für mein Vorhaben war“, erzählt der Unternehmer und fügt hinzu, dass er nicht die Möglichkeit hatte, das Haus zu kaufen und sich deshalb mit dem Besitzer auf eine Miete einigte.

FOTO Viktor Kusmanow

Zwei Jahre später erwachte das einst verlassene Dorf zu neuem Leben. Digitale Nomaden aus Europa, den USA und Asien kommen inzwischen nach Lewotchewo. Hier finden sie alles, was sie brauchen - Highspeed-Internet, um in Ruhe zu arbeiten und ihren Alltag inmitten von Stille, kristallklarer Luft und unberührter Natur zu genießen.

FOTO Viktor Kusnamow

Hierher kommen Menschen mit den unterschiedlichsten Berufen - Schriftsteller, Architekten, Fotografen, die meisten sind jedoch IT-Spezialisten. Oft kommen Gruppen aus 20 Personen von einem Unternehmen, da unser Haus Platz für genauso viele Personen bietet. Sie bleiben 4 - 5 Tage, um das Team zusammenzuschweißen, arbeiten und leben vor Ort. Wir bieten wir ihnen interessante Erlebnisse, wie zum Beispiel einen Kurs in der Sprache der Rhodopen, der von Wessi Babadzhankowa, einer professionellen Schauspielerin am Rhodopen-Drama-Theater, geleitet wird. Im Angebot sind auch Kurse für Dudelsack und Volkslieder, Bergwanderungen, Touren mit Bergführern, Offroad-Abenteuer. Beliebt ist auch die so genannte Schatzsuche. Wir verstecken ein Barbecue im Wald und verteilen am Ende Preise.

Viktor plant, seine erste Initiative für einen guten Zweck zu verwirklichen - den Bau eines Pavillons neben einer der Kapellen im Dorf Lewotchewo, wo jedes Jahr das Dorffest veranstaltet wird. Er hat bereits Sponsoren und zwei Tischler gefunden, verlässt sich aber vor allem auf den Enthusiasmus der Freiwilligen - die digitalen Nomaden aus Lewotchewo, die es kaum erwarten können, sein Vorhaben zu unterstützen.

„Wir haben eine wunderschöne Natur und viele Vorzüge, aber der Staat wirbt nicht für unser Land als Reiseziel für digitale Nomaden“, bedauert Viktor und will etwas unternehmen.

FOTO Viktor Kusmanow

Das ist auch unser nächster Schritt in Lewotchewo, denn wir haben uns überzeugt, dass das funktioniert. Die Menschen lieben die NaturBulgariens sehr und wir haben beschlossen, einen größeren Schritt zu machen. Wir wollen ganz Bulgarien einbeziehen und den Teambuilding-Tourismus im Land fördern für Menschen, die zusammenkommen, um zu arbeiten und gemeinsam Erfahrungen zu sammeln“, sagte Viktor Kusmanow abschließend.

 

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Fotos: Archiv von Viktor Kusmanow

Übersetzung: Georgetta Janewa