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Van-Beelen-Sammlung – Schritt zum Museum für handgewebte bulgarische Teppiche

Dienstag, 17 März 2026, 10:15

Van-Beelen-Sammlung – Schritt zum Museum für handgewebte bulgarische Teppiche

FOTO BTA

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Ein Teppich aus dem 17. Jahrhundert, der in Tschiprowzi mit vielen Farben und Ornamenten des Typs „Bakam“ – „Garibalda“ gewebt wurde, ist nach dreijähriger Suche in Arbanassi nahe Weliko Tarnowo entdeckt worden. Er gehörte einst dem Priester Michailow aus der kleinen Stadt und wurde von seinen Nachkommen als Familienreliquie aufbewahrt. Vermutlich handelt es sich um einen der ältesten in Bulgarien erhaltenen Teppiche. Heute ist er Teil der Sammlung des Niederländers Jaap van Beelen. 

Die von ihm gegründete Stiftung „Bulgarischer Teppich“ hat sich zum Ziel gesetzt, Bulgaren im In- und Ausland mit dem immateriellen Kulturerbe vertraut zu machen, das sich in den Farben, Ornamenten und Webtechniken der alten bulgarischen Teppiche widerspiegelt. Den ältesten erhaltenen Teppich sowie weitere wertvolle Exemplare, die die Handschrift früherer Meisterinnen des Webhandwerks tragen, präsentierte van Beelen bei einer besonderen Veranstaltung im Nationalen Ethnografischen Museum des Instituts für Ethnologie und Folkloristik bei der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften. 

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Die Sammlung alter bulgarischer Teppiche des Niederländers, der seit Jahren in Bulgarien lebt, umfasst inzwischen mehr als 1.000 Stücke. Ein Teil der Exemplare soll von Fachleuten des Ethnografischen Instituts der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften analysiert, datiert und erstmals wissenschaftlich auf ihre Herkunft untersucht werden. Dies gilt als notwendiger Schritt für die geplante Gründung eines Museums für handgewebte bulgarische Teppiche. 

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Neben dem einzigartigen Tschiprowzi-Teppich aus dem 17. Jahrhundert stellte Jaap van Beelen in seinem Vortrag vier weitere authentische Exemplare aus Pirot, Tschiprowzi, Kotel und der Region Deliorman vor. Sie stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und wurden von ihm aus Sammlungen in Florida, Hongkong und Australien erworben und anschließend nach Bulgarien zurückgebracht. 

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Derzeit werde an Präsentationen von Teilen der Sammlung in den Niederlanden und möglicherweise auch in Polen gearbeitet – ebenfalls im Bulgarischen Kulturzentrum. Interesse an bulgarischen Teppichen gebe es zudem in China und Japan. „Der Teppich soll zu einer Visitenkarte Bulgariens werden“, so van Beelen. 

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In Weliko Tarnowo befindet sich im historischen Gasthaus Hadschi-Nikoli eine Dauerausstellung mit Teppichen aus seiner Sammlung. 

FOTO Gergana Mantschewa

„Wir organisieren Ausstellungen und beteiligen uns an Ausstellungen, um diese Teppiche zu zeigen“, erklärt der Sammler. „Sie sollen nicht als Sammlerstücke irgendwo im Lager verschwinden, sondern für die Menschen sichtbar und zugänglich sein. Sie sind nicht nur außergewöhnlich schön, sondern tragen auch die Energie der Meisterinnen in sich, die sie gewebt haben,. Sagte Kalojan Jankow. 

Der Weg zu einem eigenen Museum sei allerdings lang, sagte er. Schritt für Schritt werde daran gearbeitet. „Man muss diese Sammlung sehen, um zu verstehen, welchen Sinn für Ästhetik, Schönheit und Harmonie die Menschen hatten, die diese Kunst geschaffen haben“, betonte er. 

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Die Direktorin des Ethnografischen Instituts mit Museum der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften, Dozentin Mila Maewa, hob die enorme Arbeit hervor, die Jaap van Beelen bei der Suche und Identifizierung der Teppiche geleistet habe. 

Doz. Mila Maewa

FOTO Gergana Mantschewa

Dank der offenen Grenzen könne er reisen, Sammler treffen und vergessene Exemplare nach Bulgarien zurückbringen – Stücke, über die selbst Wissenschaftler bisher wenig wüssten. Die Idee eines Museums für den bulgarischen Teppich sei daher sehr wertvoll. Zwar gebe es in Sliwen bereits ein entsprechendes Museum, doch dort liege der Schwerpunkt eher auf der industriellen Produktion. Die traditionelle Teppichweberei, die in den bulgarischen Ländern bereits im 17. und 18. Jahrhundert verbreitet war, sei bisher kaum umfassend präsentiert worden.

Das Institut könne bei der Identifizierung und wissenschaftlichen Erforschung dieser Kulturgüter helfen und die Sammlung auch in der Fachwelt bekannt machen. Besonders wertvoll seien die Teppiche aus Tschiprowzi – nicht zuletzt wegen ihrer Webtechnik und der intensiven roten Farbtöne. Ihre Gestaltung strahle Leichtigkeit, Freude und Licht aus.

Doz. Mila Maewa und Jaap van Beelen

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Viele Menschen aus Tschiprowzi verbänden ihre Identität mit der Teppichweberei. Während ihrer Feldforschung in England habe sie mit dort lebenden Bulgaren gearbeitet, erzählte Maewa. Eine Frau aus Tschiprowzi habe ihr einen kleinen Teppich aus ihrer Heimat geschenkt – als Symbol ihrer Verbindung zu Bulgarien. 

FOTO Gergana Mantschewa

Heute gibt es im Land nicht mehr als 50 Teppichmeisterinnen, die diese Tradition weiterführen – vor allem in Kotel, Tschiprowzi, Sliwen und Sofia. Das Handwerk ist im Rückgang begriffen. Gerade deshalb müsse es gründlich erforscht, dokumentiert und bewahrt werden, damit das Wissen der alten Meister über das Färben der Wolle und das Weben der Muster nicht verloren geht.

Dies ist auch eine der Aufgaben, denen sich der aus den Niederlanden stammende Wahlbulgare Jaap van Beelen verschrieben hat. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov