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Meisterwerke bulgarischer Musikkultur:

„Ahorn-Frühling“ – der erste Sieger des bekannten BNR-Liedwettbewerbs „Prolet“

Freitag, 27 März 2026, 20:00

„Ahorn-Frühling“ – der erste Sieger des bekannten BNR-Liedwettbewerbs „Prolet“

FOTO BTA

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Anfang des Jahres 1970 kündigte der Bulgarische Nationale Rundfunk einen neuen Musikwettbewerb an, mit dem Ziel, die kreativen bulgarischen Künstler zur Schaffung anspruchsvoller Pop- und Rocksongs zu inspirieren. Bis heute gehört der jährliche Wettbewerb „Prolet“ (auf Deutsch „Frühling“) zu den renommiertesten Foren für Begegnungen und Wettstreit von Komponisten, Textdichtern und Interpreten in Bulgarien.

Eine Fachjury aus Musikredakteuren, Journalisten, Toningenieuren und Produzenten des Bulgarischen Nationalen Rundfunks bewertet die Teilnehmer. Heutzutage haben die nominierten und ausgezeichneten Autoren und Interpreten die Möglichkeit, neue Produktionen aufzunehmen und ein Konzert im Studio Eins des BNR zu realisieren, während der Große Preis eine Teilnahme am Festival „Eurosonic Noorderslag“ in den Niederlanden sichert.

Die erste Ausgabe des BNR-Frühlings-Wettbewerbs für neue bulgarische Unterhaltungslieder fand im März 1970 statt. Ausschlaggebend für die Platzierung war die Meinung der Hörer, die per Post abstimmten. Das Publikum war stark interessiert, es gingen mehr als 1800 Hörerbriefe mit Meinungen zu den 15 teilnehmenden Liedern ein.

Sieger wurde das Lied „Ahorn-Frühling“, eine lebensfrohe Miniatur mit einer attraktiven Melodie und einem kunstvollem Arrangement von Swetosar Russinow.

Swetosar Russinow

FOTO ubc-bg.com

Der poetische Text von Dimitar Totschew besingt auf einnehmende Weise einen wunderschönen Ahornbaum, an dem sich der Wald, die Berge, die Vögel, die Sonne und der Wind erfreuen. Der Komponist Swetosar Russinow war zu jener Zeit 37 Jahre alt und Saxophonist in der Big Band des Bulgarischen Nationalen Rundfunks. Er hat die Musikakademie in Sofia mit Klarinette abgeschlossen, begann jedoch bereits als Student, im Orchester des Staatlichen Zirkus Sofia Saxophon zu spielen. Seit 1963 arbeitete er in der Big Band des BNR, wo er häufig als Solist auftrat. In den 1960er Jahren wurde Swetosar Russinow als Autor lyrischer Lieder populär. Schon seine ersten Lieder „Ich liebe dich“ und „Silberne Vogelschwärme“, interpretiert von Jordanka Christowa und Georgi Mintschew, gewannen durch ihre bewegenden Melodien an Popularität.

1967 wurde das „Sosopol-Schlaflied“ nach einem Text von Bogomil Gudew in der feinsinnigen Interpretation von Georgi Kordow mit dem zweiten Preis beim Internationalen Festival „Der Goldene Orpheus“ ausgezeichnet. Ein Jahr später erhielten Swetosar Russinow und das berühmte Quartett „Do-re-mi-fa“ (die erste weibliche Vokalformation in der bulgarischen Popmusik) den Preis der Stadt Sofia für das Lied „Goldener Herbst in Sofia“ nach einem Text von Georgi Bakalow. Der Erfolg des populären Liedes, vorgetragen von vier attraktiven jungen Frauen, inspirierte den Komponisten vermutlich dazu, „Ahorn-Frühling“ für ein Damentrio zu komponieren. Die Wahl der Interpretinnen sicherte schließlich den überzeugenden Sieg beim Frühlings-Radiowettbewerb.


Die drei jungen Feen der bulgarischen Musikszene – Pascha Christowa, Maria Nejkowa und Mimi Iwanowa – waren so talentiert, schön, stimmgewaltig, charismatisch und absolut unwiderstehlich, dass sie die Konkurrenz ihrer namhaften Kollegen mühelos übertrafen.

Der strahlende „Ahorn-Frühling“ machte die drei Interpretinnen zu echten Stars. Nur wenige Monate später triumphierte die fantastische Pascha Christowa beim „Goldenen Orpheus“ mit dem Großen Preis für den Song „Wehe, Wind, wehe!“ von Jossif Zankow sowie mit dem ersten Preis für das Lied „Eine bulgarische Rose“ von Dimitar Waltschew.


Übersetzung: Rossiza Radulowa