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Botschafter Swetlan Stoew: Über 19.000 Bulgaren leben in der Schweiz

„Wichtig ist die Selbstständigkeit der Organisationen unserer Landsleute, die Botschaft wird ihre Initiativen koordinieren“, betonte der Diplomat gegenüber Radio Bulgarien

Montag, 30 März 2026, 15:17

Swetlan Stoew

Swetlan Stoew

FOTO Bulgarische Botschaft in der Schweiz/Facebook

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In den Vorstellungen vieler ist die Schweiz ein Beispiel für ein wohlhabendes, friedliches und gut organisiertes Land, das die direkte Demokratie als Regierungsform geschickt entwickelt. Ihre erfolgreiche Politik in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht basiert auf drei grundlegenden Säulen – Referenden, Bürgerinitiativen und der Autonomie der einzelnen Kantone.

Über jede Verfassungsänderung stimmen die Schweizer Bürger obligatorisch ab. Und mit 50.000 Unterschriften, die innerhalb von 100 Tagen gesammelt werden, können sie auch ein neues Gesetz aufheben, das sie nicht billigen. Deshalb werden alle Gesetze nach langen Konsultationen und öffentlichen Diskussionen verabschiedet und – am wichtigsten – im Konsens zwischen Politikern und Bürgern. Das Verwaltungszentrum Bern setzt seine Politik nicht durch, und wenn die Menschen in einem Kanton niedrigere Steuern wollen und in einem anderen ein besser entwickeltes Sozialsystem, kann all dies auf lokaler Ebene umgesetzt werden.

Gerade dieses Modell macht die Bürger verantwortlich bei Entscheidungen, die das allgemeine Wohlergehen und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes betreffen. Der Staat wird von einem siebenköpfigen Bundesrat geführt, in dem Vertreter der vier wichtigsten politischen Kräfte vertreten sind, und faktisch gibt es weder eine Opposition noch eine Regierungspartei.

Ein wichtiger Aspekt ist, dass die Schweiz an ihrer Neutralität festhält und sich nicht an militärischen Konflikten beteiligt, was es ihrer Wirtschaft und ihrem Bankensystem ermöglicht, sich ohne Erschütterungen zu entwickeln. International verfolgt sie eine aktive Politik des Friedens, der Zusammenarbeit und der Solidarität.

In Bulgarien hat die Schweiz im Rahmen des Schweizerisch-Bulgarischen Kooperationsprogramms erhebliche Mittel in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Gesundheitswesen und Umwelt investiert.

Im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen es Bulgaren schwerfällt, in ihrem erlernten Beruf zu arbeiten, gibt es in der Schweiz eine nicht kleine Gemeinschaft bulgarischer Ärzte, IT-Spezialisten und Ingenieure. Sie werden von dem stabilen Umfeld angezogen, das es ihnen ermöglicht, ihr Leben für ein Jahrzehnt im Voraus zu planen, aber auch von den Möglichkeiten zur beruflichen Entwicklung und der Anerkennung ihrer Expertise. Der Lebensstandard ist hoch, aber auch das Durchschnittsgehalt gehört zu den höchsten der Welt, was unsere Landsleute motiviert, ihr Leben dort einzurichten.

FOTO Bulgarische Botschaft in der Schweiz/Facebook

Wir haben ziemlich viele Bulgaren, die sich in der Schweiz befinden“, stellte in einem Exklusivinterview für Radio Bulgarien der außerordentliche und bevollmächtigte Botschafter der Republik Bulgarien in der Schweizerischen Eidgenossenschaft und im Fürstentum Liechtenstein, Swetlan Stoew, fest. „Nach offiziellen statistischen Angaben sind es 19.500 bulgarische Staatsbürger. Es gibt 12 Organisationen und Vereinigungen in verschiedenen Städten, und sie befinden sich nicht nur in Zürich, Genf oder Vevey, wo es eine große bulgarische Gemeinschaft gibt, oder in Bern, Basel… Überall gibt es etwas, das von Bulgaren geschaffen wurde, die sich gemeinsam treffen möchten. In Zürich gibt es beispielsweise einen Business-Club junger bulgarischer Unternehmer oder auch Vertreter in verschiedenen Firmen, die ebenfalls ihre Treffen haben. Jeder möchte etwas tun, das mit Bulgarien verbunden ist. Die Verbindung zu Bulgarien ist also dauerhaft.“

Metropolit Antonij und Botschafter Swetlan Stoew (in der Mitte) inmitten der Bulgaren der bulgarischen orthodoxen Kirchengemeinde in Zürich

FOTO Darina Grigorowa

Botschafter Stoew ist seit dem 1. Dezember 2025 in der Schweiz, und seine Beobachtungen über die bulgarische Gemeinschaft reichen erst über einige Monate. Eine seiner ersten Aufgaben ist es, gemeinsam mit seinem Team die bulgarischen Schulen in der Schweiz zu besuchen und Kontakte zu den Kirchenvorständen in Genf und Zürich herzustellen:

Ich denke, dass in dieser Phase der Anfang für eine engere koordinierte Zusammenarbeit gelegt ist“, betonte Botschafter Swetlan Stoew. „Ich bin der Meinung, dass jede einzelne Vereinigung, unabhängig davon, ob sie mit Schule, Sprache, Bildung, Kultur und der Weitergabe von Traditionen verbunden ist, ihren Platz haben sollte. Nicht zufällig kommen Menschen zusammen, um dieselben moralischen Werte zu bekennen und auch etwas zu haben, das sie verbindet. Und die Sprache und die Kultur sind das, was uns alle verbindet. Ein untrennbarer Bestandteil ist auch der Glaube. Vielleicht ist er das Erste, was der Mensch haben sollte, denn er entsteht auch in der Familie. Ich hoffe, dass er künftig auch in den Schulen gelehrt wird, wo er meiner Meinung nach seinen Platz hat. Moralische Werte sind universell und müssen vermittelt werden.“

Zu den Prioritäten der bulgarischen diplomatischen Mission in der Schweiz gehört die Schaffung einer Struktur mit den Kontakten aller bulgarischen Gemeinschaften und Vereinigungen, die Möglichkeiten für den Informationsaustausch und koordinierte Maßnahmen zu verschiedenen Anlässen bietet. Unsere Botschaft verfügt bereits über eine Facebook-Seite, auf der Informationen über kulturelle Aktivitäten und verschiedene Veranstaltungen veröffentlicht werden.

Was wir nicht tun werden, ist, dass die Botschaft Vormund der bulgarischen Vereinigungen wird. Ihre Selbstständigkeit ist äußerst wichtig. Unsere Rolle wird eher eine koordinierende sein und entsprechend mit der stärkeren Bekanntmachung dessen verbunden sein, was von den verschiedenen Vereinigungen geleistet wird.“

Der Leiter der bulgarischen Mission in Bern verfügt über eine solide diplomatische Karriere. Im Jahr 2021 war er Außenminister in den beiden Übergangsregierungen von Stefan Janew. Er ist Träger zahlreicher bulgarischer und ausländischer Auszeichnungen für seine hohe Professionalität. Er kennt die Programme von Radio Bulgarien gut und bezeichnet sie als zuverlässigen Medienpartner in der Arbeit des Außenministeriums.

Zweifellos ist die mediale Präsenz wichtig, wenn man die Möglichkeiten für soziale Kontakte berücksichtigt. Die Präsenz in den sozialen Medien ist inzwischen manchmal sogar außer Kontrolle. Man muss jenen Medien vertrauen, die eine richtige Richtung in Bezug auf Wahrhaftigkeit vorgeben, und für mich haben das das Bulgarische Nationale Fernsehen und der Bulgarische Nationale Rundfunk eine besondere Rolle als solche. Sie sollten auch ein Kompass für die sogenannten echten Nachrichten sein, die in diesen Institutionen gemacht werden. Sie stoßen auf offene Türen, daher hoffe ich, dass auch wir unseren Beitrag zu einer besseren Information der Bulgaren im Ausland leisten können“, sagte Botschafter Swetlan Stoew abschließend.


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Übersetzung: Rossiza Radulowa