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Bulgaren in Irland: Geschätzt, respektiert und in Gemeinschaft stark

„Die Iren sind ein tolerantes und aufgeschlossenes Volk“, sagte die Diplomatin im Interview mit dem Radio Bulgarien

Dienstag, 7 April 2026, 15:05

Die Botschaflerin Bulgariens in Dublin Wanja Andreewa

Die Botschaflerin Bulgariens in Dublin Wanja Andreewa

FOTO Krassimir Martinow

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Wanja Andreewa-Malakowa ist seit September 2023 Außerordentliche und Bevollmächtigte Botschafterin der Republik Bulgarien in Irland. Ihre diplomatische Laufbahn umfasst zwei Auslandsmissionszeiten in Nordmazedonien, eine Station bei der Ständigen Vertretung Bulgariens bei der UNO, der OSZE und weiteren internationalen Organisationen sowie Tätigkeiten in verschiedenen Strukturen des Außenministeriums, in das sie 2000 nach bestandener Auswahlprüfung eintrat. Sie verfügt über umfassende Erfahrung in Fragen Südosteuropas, der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der EU, multilateraler Diplomatie, Menschenrechten und weiteren Bereichen. 

Wir sprachen mit Botschafterin Andreewa in der Botschaft in Dublin nach dem erfolgreichen Forum „Geschichte ohne Grenzen. Bewahrung des bulgarischen Gedächtnisses im Ausland“ Ende März, organisiert von der Bulgarischen Schule „Asbuka“ in der irischen Hauptstadt. 

Auf die Frage, ob Bulgaren im Ausland tatsächlich bedroht seien, antwortete sie: 

„Ihre Frage ist sehr berechtigt, aber nach diesen beiden Tagen mit den Gästen des Forums habe ich persönlich keinerlei Bedenken. Im Gegenteil, die bulgarische Identität ist außerordentlich stark. Wir haben sie über Jahrhunderte unter fremder Herrschaft bewahrt und zur europäischen Zivilisation beigetragen – das kyrillische Alphabet ist das dritte in der EU. Wir verbreiten unsere Kultur und Geschichte durch Bildung und die orthodoxe Kirche. Historisch war das so, und heute ist es nicht anders“, sagte Andreewa.  

Zweite Klasse der Schule „Asbuka“ in Dublin im Bulgarischunterricht

FOTO Krassimir Martinow

Positiv wirke auch die bekannte irische Toleranz gegenüber fremden Kulturen. In Irland können bulgarische Kinder ihr Abitur in ihrer Muttersprache ablegen, das bei der Bewerbung für Universitäten zählt. Die bulgarische Gemeinschaft werde geschätzt und zu wichtigen Feiertagen eingeladen. Nach der russischen Invasion in der Ukraine habe Irland zudem Hunderttausende ukrainische Flüchtlinge aufgenommen, erinnerte die Botschafterin. 

Auf die Frage, womit die Iren Bulgarien am meisten verbinden, antwortete sie:

„Meiner Ansicht nach mit dem Tourismus. Wenn ich einen Iren treffe, der in Bulgarien war, erzählt er stolz: ‚Ich war in Sonnenstrand‘ oder ‚Ich war in Bansko‘. Viele Iren besitzen sogar Immobilien in Bulgarien. Ich kenne wunderbare Menschen, die sechs Monate im Jahr in Tschepelare und sechs Monate in Monaghan leben. Sie haben Bulgarien entdeckt, nachdem sie über Jahre die Behandlung zweier bulgarischer Kinder unterstützt hatten. Viele Iren haben ihr Herz an unser Land verloren. Es ließe sich noch viel mehr tun, um Bulgarien bekannt zu machen. Kürzlich hatten wir das Glück, ‚Das Mysterium der bulgarischen Stimmen‘ zu empfangen. Das Konzert unseres berühmten Chores wurde zu einem Fest zwischen Bulgaren und Iren. In der Botschaft veranstalten wir auch Tage der offenen Tür und präsentieren verschiedene Elemente unserer Kultur, zum Beispiel die bulgarische Rose und das bulgarische Rosenöl. Viele Iren hörten erstmals davon und zeigten Interesse, Bulgarien zu besuchen“, erklärte Andreewa.   

Botschaft von Bulgarien in Dublin

FOTO Krassimir Martinow

Auch die politischen Beziehungen zwischen Bulgarien und Irland entwickeln sich sehr gut, betonte die Botschafterin: 

„Irland hat Bulgarien auf europäischer Ebene stets unterstützt – bereits im EU-Beitrittsprozess und nun beim Eurobeitritt. Persönlich unterstützte uns ihr Finanzminister, der auch Vorsitzender der Eurogruppe war – Pascal Donohoe. Ein Vorteil ist, dass beide Länder in der EU sind, viele gemeinsame Themen und ähnliche Positionen haben. In Wirtschaft, Tourismus, Innovation und Hochtechnologie könnte jedoch mehr Aktivität zeigen. Irland hat viel zu bieten, Bulgarien möchte sich in Südosteuropa als Land mit starken Bildungs- und Forschungszentren in Informatik, KI und Start-ups positionieren. Hier könnten wir sehr aktiv sein und Initiative zeigen“, sagte Andreewa.  

Das Gebäude der Bulgarischen Botschaft in Dublin

FOTO Krassimir Martinow

Es gibt keine genauen Statistiken über Bulgaren in Irland, Schätzungen des Außenministeriums zufolge leben zwischen 8.000 und 10.000 Personen im Land – in Dublin, Cork, Limerick, Shannon, Tullamore, Galway… Sie sind in verschiedenen Bereichen tätig. „Fast kein Hightech-Unternehmen kommt ohne Bulgaren aus“, sagte Wanja Andreewa. Bedeutende Gemeinschaften bilden bulgarische Luftfahrtingenieure; zudem gibt es Buchhalter, Fabrikarbeiter, Architekten und Ärzte. 

Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov